Sie sind der Meinung, es sei völlig in Ordnung Leder zu tragen, da die Häute lediglich den Abfall der Fleischproduktion darstellen? Und Sie denken immer noch, echtes Leder sei ein reines Naturprodukt und stehe für Qualität, Umweltfreundlichkeit und sei gesundheitlich unbedenklich? Lesen Sie folgende Fakten und Sie werden Ihre Meinung ändern!
Leder ist die Haut eines einst lebendigen Tieres. Häufigste „Lederlieferanten“ sind Rinder und ihre Kälber, aber auch die Häute von Schweinen, Ziegen, Schafen und Pferden werden zu Leder verarbeitet. Der größte Teil der Tiere wird konventionell gezüchtet, was im Klartext bedeutet: Millionen von Tieren werden für die Fleisch- und Milchproduktion – und somit auch unweigerlich für die Ledergewinnung – in dunklen, völlig überfüllten Ställen gehalten. Voll gepumpt mit Antibiotika vegetieren sie dahin, bis sie letztlich zum Schlachthof abtransportiert werden. Auf ihrem „letzten Weg“ werden sie oft geschlagen und misshandelt, bevor sie getötet werden und ihnen die Haut vom Körper gerissen wird. Die Behandlung der Tiere sowohl in Zucht- und Milchbetrieben, wie auch in Schlachthäusern ist grausam, entwürdigend und in keinster Weise „natürlich“. Darüber hinaus ist die Tierwirtschaft – wie viele Studien mittlerweile belegen – der Hauptverursacher des Klimawandels!
Um die Tierhäute vom Fleisch zu trennen und sie vorm Verderben zu schützen, müssen sie gegerbt werden. Wo unsere Vorfahren die Tierhäute tagelang gekaut haben, um das Leder geschmeidig zu machen, wurden durch die fortlaufende Industrialisierung einfachere und schnellere Methoden zur Ledergewinnung- und verarbeitung erfunden.
Mit Chemie zum „Naturprodukt“ Leder?
Heute werden über 80% der Häute mit Chrom und weiteren Chemikalien gegerbt. Die Methode ist schnell, das Leder wird durch den Chemieanteil geschmeidig und ist somit besser zu verarbeiten. Bei der Chromgerbung fallen viele umweltschädliche Substanzen an. So sind die Abwässer stark belastet mit organischen Verbindungen, Salzen und Schwermetallen wie Chrom, Zink, Cadmium und Arsen. Diese wiederum töten Mikroorganismen und Fische in den angrenzenden Gewässern. Zusätzlich sind auch die Abfälle der Leder-verarbeitenden Industrie problematisch. Bei der Entsorgung durch Verbrennungsanlagen können sich die Chrom III- Salze in den Lederprodukten in das tausendmal giftigere Chrom IV verwandeln.
Entwicklungsländer gerben für Europa
Durch hoch entwickelte Abwassertechniken können die Umweltschädigungen, die durch die Chromgerberei entstehen, gemildert werden. Doch aufgrund zu hoher Umweltbestimmungen in Deutschland wird ein Großteil der hier anfallenden Rohhäute ins Ausland verschifft, um so Kosten und Arbeitskräfte zu sparen. In Ländern wie Indien oder Brasilien werden die Tierhäute ohne oder nur mit geringen Umweltvorschriften gegerbt und letztlich zur Verarbeitung zurück nach Europa verfrachtet. In Deutschland existieren nur noch wenige Gerbereien, und so kann in Deutschland produziertes Leder preislich nicht mehr mit ausländischer Ware konkurrieren. In Lateinamerika und Asien – wo die meisten Häute gegerbt und oft sogar schon zu fertigen Lederwaren konfektioniert werden – bereitet die Lederindustrie große ökologische Probleme. Die giftigen Abwässer gelangen dort häufig völlig ungefiltert in Bäche, Flüsse und ins Grundwasser. Diese vergiften dann Felder und die Menschen, die in der Nähe von Gerbereien wohnen. Ganz zu Schweigen von den nicht bestehenden Arbeitsschutzbestimmungen. In so genannten Entwicklungsländern arbeiten die Menschen in Gerbereien mit giftigen Materialien, ganz ohne Atemschutz oder Handschuhe. Viele der Mitarbeiter in Gerbereien werden mit einem Hungerlohn abgespeist und auch Kinder fallen der Ausbeutung zum Opfer!
Erkrankungen wie Durchfall, Asthma, bronchiale Infekte und Hauterkrankungen gehören zur Tagesordnung der Gerberei- Arbeiterinnen und Arbeiter.
Durch die Produktionsverschiebung ins Ausland kommen weitere Gifte zum Einsatz z.B. um die Tierhäute aus deutschen Schlachthäuser für den Transport zu konservieren. Zum Schutz vor Schimmel und Fäulnis gibt es verschiedene Möglichkeiten. Für Transporte innerhalb Europas werden die Rohhäute häufig in Salz oder Salzlake eingelegt. Salz bindet das in feuchten, unbehandelten Fellen vorhandene Wasser. Um die Häute aber nun weiter zu verarbeiten bzw. gerben zu können, müssen die Salze wieder ausgewaschen werden, was eine zusätzliche Umweltbelastung darstellt. Denn diese Salzfracht verunreinigt die Gewässer, was sich in den Gebieten, welche besonders dicht mit Gerbereien besiedelt sind, niederschlägt.
Für weitere, außereuropäische Transporte werden zusätzliche Gifte eingesetzt. Aus Deutschland werden die Häute zumeist im wetblue- Zustand – mit Chrom vorgegerbte, feuchte Häute – verschifft. Konservierungsmittel mit Benzothiazol- und Sulfonderivaten werden dem Rohleder beigemischt. Im Ausland kommen auch noch Trichlorphenol oder Tetrachlorphenol als Ersatzstoffe zum Einsatz. Diese Stoffe werden von Experten als gefährlich eingestuft.
Und zu den ohnehin schon schädlichen Chemikalien bei dem Gerbprozess kommen nun auch noch weitere Chemikalien und Seifen zum Einsatz, um die Häute von Konservierungsstoffen, Haaren und Fleischresten zu befreien.
„Echtes Leder“ ist noch immer in vielen Köpfen mit Begriffen wie Qualität, Atmungsaktivität und Natürlichkeit fest verankert. Doch was steckt dahinter? Nach dem Reinigen der Rohhäute – mit Chemie - und dem Gerben – mit Chemie - steht ein weiterer Prozess an. Die Verarbeitung des Leders – und wieder mit jeder Menge gesundheitsschädlicher Chemikalien. Leder soll robust sein und den bunten modischen Ansprüchen genügen. Ohne chemische Unterstützung kann Leder das aber nicht schaffen. Somit kommt eine Oberflächenbeschichtung zum Zuge, die das Leder vor Schmutz und Flecken schützt. Gleichzeitig bügeln die chemischen Substanzen kleine „Schönheitsfehler“ wie etwa Farbunterschiede und Kratzer aus. Das von Natur aus und vielfach angepriesene atmungsaktive Leder wird so Schicht um Schicht versiegelt.
Übrigens: Zum Teil wird auch Polyurethan (kurz PU) zur Versiegelung benutzt.
Aus PU werden allerdings auch Lederimitate hergestellt. Warum also nicht gleich Kunstlederprodukte tragen? Somit hätten Sie Tierleben gerettet, die Umwelt geschont, die Ausbeutung von Menschen und Kindern in Entwicklungsländern verweigert, und auch noch ihre eigene Gesundheit gepflegt.
Die Stiftung Warentest hat schon einige Male in der Vergangenheit Lederartikel hinsichtlich Hautverträglichkeit getestet. Und auch der jüngste Test vom Februar 2008 zeigt erneut, dass mit Chrom gegerbtes Leder Allergien hervorrufen kann. Denn neben Nickel und Duftstoffen zählt Chromat zu den wichtigsten Kontaktallergien. Auch in diesem Test war ein großer Teil der Lederartikel mit Chrom belastet. Experten schätzen, dass ca. eine halbe Million Menschen in Deutschland eine Chromatallergie hat, welche ein ganzes Leben lang anhält. Selbst wenn der erste Kontakt Jahre zurück liegt, wird die Sensibilisierung bei jedem neuen Kontakt zum Allergieauslöser auftreten. Die renomierten Warentester fanden auch heraus, dass auf ein Prüfzeichen kein Verlass ist. Ist der eine Markenschuh unbelastet, kann der nächste Schuh desselben Herstellers wieder stark belastet sein. Selbst für Kinder fanden die Tester stark mit Chrom belastete Schuhe. Zusammengefasst kann für jeden Menschen chromgegerbtes Leder ein Allergierisiko hervorrufen. Jeder, der zu Allergien neigt – auch Neurodermitiker – sollten den Kontakt mit Leder gänzlich meiden.
Mal abgesehen davon, dass auch bei dem „naturnahen“, pflanzlich gegerbten Leder der „Lieferant“ Tier bleibt, kann man auch hier nicht von einer echten Alternative zu konventionell, also mit Chemie behandelten Leder sprechen.
Mit Pflanzen gegerbtes Leder ist deutlich fester und kann somit nicht für jeden Lederartikel genutzt werden. Handschuhe z.B. sollten fein und griffig sein. Das schafft selbst pflanzengegerbtes Leder nur mit chemischen Zusatzstoffen. Diese müssen auf dem Etikett nicht mit angegeben werden, trotzdem erhalten solche Lederartikel ein so genanntes„Öko-Label“.
Weiter werden beliebte Pflanzengerbstoffe aus Mimosa und Quebracho gewonnen. Mimosa wächst auf afrikanischen und südamerikanischen Plantagen, wo die Bäume nach ca. sieben bis neun Jahren gerodet werden, um den Gerbstoff ernten zu können. Quebracho stammt von wildwachsenden Bäumen im südamerikanischen Regenwald. Um ausreichend Gerbstoff zu erhalten, sollten die Bäume mind. 150 Jahre alt sein. Aufgrund der hohen Nachfrage werden mittlerweile bereits 50 Jahre alte Bäume gerodet. Das Ernten des Gerbstoffes ohne den ganzen Baum zu fällen geht in beiden Fällen nicht! Somit sind die Bestände bereits gefährdet.
Sofern Ihnen der Gedanke, eine fremde Haut zu tragen, keinen Schrecken einjagt, sollten sie spätestens nach diesen Fakten echtem Leder den Rücken kehren. Für die Herstellung von Leder werden nicht nur Tiere ausgebeutet, sondern auch die Arbeiterinnen und Arbeiter in Gerbereien und nicht selten Kinder. Weitere Gründe wie z.B. die erheblichen Umweltschädigungen und gesundheitliche Risiken sollten ausschlaggebend sein, Tierleder gänzlich zu vermeiden. Es handelt sich hier nicht um einen Verzicht, sondern vielmehr um eine Bereicherung! Denn indem Sie kein Leder kaufen oder tragen, schützen Sie Tiere, Mitmenschen, die Umwelt, und zu guter Letzt auch sich selbst!