Leserbrief zur Berichterstattung über die Veranstaltung „Blickpunkt Ernährung – Fleisch“ mit Minister Willi Stächele vom 5.5.2003
Baden-Württembergs Minister Stächele initiiert mit Steuergeldern eine einjährige Kampagne im Ländle, um den Fleischverbrauch, wie er selbst sagt, anzukurbeln. In der Zwischenzeit motivieren die Krankenkassen ihre Mitglieder zur Reduzierung des Fleischkonsums, da dies erhebliche gesundheitliche Vorteile mit sich bringt (was Studien eindeutig belegen) und weil der deutsche Bundesbürger nicht zuwenig sondern eindeutig zuviel Fleisch verzehrt.
Nichts als Polemik, wenn Herr Stächele dann noch verkündet, es gehe ihm dabei auch um den Tierschutz. Abgesehen von extrem belastenden Haltungsbedingungen für Schweine, Hühner, Rinder, Puten, Enten u.a. Tiere (lebenslange Anbindung oder drangvolle Enge in den Ställen etc.) hat das Schlachten der Tiere nichts, aber auch gar nichts mit Tierschutz zu tun. Es ist nicht erst seit des Forschungsauftrages des Verbraucherschutz-Bundesministeriums in 2001 bekannt, dass eine erschreckend hohe Anzahl an Tieren unzureichend oder gar nicht betäubt den Weg ins Brühbad antritt oder bei voller Empfindungs- und Wahrnehmungsfähigkeit aufgehängt und entblutet wird. Z.B. Geflügel: Kopfüber an Förderbändern hängend, sollen sie mit dem Kopf ein Wasserbad passieren, das unter Strom steht. Aber die Tiere versuchen zu flattern, sie heben den Kopf, erhalten Stromschläge ohne zu sterben. Bei vollem Bewusstsein werden sie an die Klinge geführt, ihre Schlagader durchtrennt.
Das Schlachten geschieht im Verborgenen – auch zur Eröffnung der ministeriellen Fleischkampagne wurde nicht geschlachtet ! Schade eigentlich, denn dann hätten die Fleischverfechter die verzweifelten Schreie der Betroffenen hören, die vor Schmerzen sich windenden Körper sehen und das frische Blut riechen müssen.
Muss man diesen Wahnsinn wirklich miterlebt haben um ein Verfechter der gewaltfreien und unblutigen Ernährung zu werden? Totes Fleisch gehört unter die Erde, nicht auf den Teller – das sind wir allen Lebewesen schuldig!