Darwin
Evolutionsforscher Charles Darwin wäre am 12. Februar 200 Jahre alt geworden – was seine „Survival of the fittest“ – Theorie (die Theorie des Überlebens der bestangepassten Individuen) sicherlich ohne jeden Zweifel bestätigt hätte.
In einem Großteil seiner Arbeit versuchte Darwin, die Rolle des Tieres in der Evolution des Homo Sapiens zu untermauern und sein Buch „Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren“ aus dem Jahr 1872 war eine der ersten wissenschaftlichen Arbeiten, die unsere ähnlichen emotionalen Erfahrungen anerkannte.
Bedenkt man die zahlreichen wissenschaftlichen und dargelegten Beweise, die uns heute zu diesem Thema vorliegen, wäre Darwin sicherlich entsetzt über die vollkommen fehlende Verbindung des modernen Menschen zu den Tieren, mit denen wir unseren Planeten teilen.
Es gab Zeiten, da nahmen wir an, einige menschliche Eigenschaften seien genauso selten, wie der Dodo unter den Tieren. Nun wissen wir allerdings, dass dies nicht der Fall ist.
Wir wissen, dass Tiere aller Arten in vielfältigen, komplexen und häufig schwierigen Welten leben, die unserer eigenen durchaus ähneln; und doch sperren wir sie in Zoos und Zirkusse, um uns zu amüsieren, verletzen sie absichtliche in schmerzhaften und tödlichen Experimenten und setzen Milliarden von ihnen einem schrecklichen Leben und einem grausamen Tod aus, um uns zu ernähren. Wir vergiften Insekten und sperren Vögel in Käfige. Wir hüllen uns in Tierhäute und trinken Milch, die eigentlich für Kälber gedacht ist. Wir behandeln Tiere, als seien sie leblose Gegenstände, die wir für unseren eigenen Nutzen gebrauchen können.
Genau wie wir, so möchten alle Tiere von Natur aus ihr Leben in Freiheit, nach eigenem Willen, ohne Schmerz und so wie es ihnen am besten gefällt leben. Sie möchten entscheiden, ob sie Zeit mit ihrer Familie und Freunden verbringen möchten oder auch nicht und eigene Vorhaben und ihre Vorstellung von Glück verfolgen.
Wir wissen mittlerweile, dass Hunde ca. 200 Wörter der menschlichen Sprache verstehen können, ohne diese gelernt zu haben, Eisbären in Zoos in tiefe Depressionen verfallen können, Fische die Zeit wissen, Kühe einen Glücksmoment haben, wenn sie herausfinden, wie man ein neues Tor öffnet, Tintenfische von anderen Tintenfischen lernen können, wie man Gläser mit Schraubverschluss öffnet und dass sich Affen in Laboratorien dazu entscheiden, anderen Affen keinen Elektroschock zu verabreichen.
Bienen haben ausgeklügelte Kommunikationssysteme und Krähen bedienen sich komplexer Werkzeuge, um Futter zu sammeln. Erst vor kurzem konnten Forscher das vorher nicht anerkannte Konzept des Bewusstseins ihrer Selbst bei Tieren dokumentieren, nachdem sie Happy, eine 34 Jahre alte Elefantenkuh im Bronx Zoo, beobachtet hatten, wie sie einen kleinen Makel auf ihrer Stirn im Spiegel betrachtete.
Mit speziellen Aufnahmegeräten konnten Forscher aufzeigen, dass Ratten laut in hohen Frequenztönen lachen, die der Mensch nicht hören kann und dass junge Ratten kichern, wenn sie gekitzelt werden.
Während ihrer 300 Millionen Jahre auf der Erde, haben selbst die vielgeschmähten Kakerlaken demokratische Gesellschaften entwickelt, in denen Konflikte zusammen zum Wohl der Gemeinschaft ausbalanciert werden.
Wir gestehen es uns zu, Tiere zu essen, ihre Häute zu tragen, an ihnen zu experimentieren und sie zu unserer Unterhaltung zu nutzen, indem wir „sie“ von „uns“ grundlegend trennen. Wir verschließen unsere Augen vor allem, was Tieren angetan wird, bevor sie auf unserem Teller oder in unserem Kleiderschrank landen und versuchen uns selbst einzureden, Tiere wüssten ihr Leben nicht so sehr wie wir das unsere zu schätzen. Darwin selbst hat gesagt: „Tiere, die wir zu unseren Sklaven gemacht haben, möchten wir nicht als uns ebenbürtig ansehen.“
Doch nun – beinahe zweihundert Jahre nach diesen Worten Darwins – müssen wir in den Spiegel und tief in unsere Herzen blicken.
Wenn wir endlich akzeptieren – und das müssen wir – dass Tiere Schmerz, Freude, Liebe, Trauer, Angst und Sehnsucht empfinden, so liegt es an uns, sie zu schützen, sie nicht zum „Sport“ zu jagen, nicht Milliarden von ihnen ihres Fleisches wegen zu schlachten, ihnen nicht bei lebendigem Leib das Fell abzuziehen und sie nicht mit Stangen und Peitschen zu unserer Belustigung zu schlagen.
Sind wir diszipliniert und innovativ genug, uns weiterzuentwickeln oder wird Darwins Theorie zum Überleben des best angepassten schon bald das Überleben des Rücksichtslosesten bedeuten?
Jennifer O'Connor schreibt für People for the Ethical Treatment of Animals, PETA USA.