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"Schlittenhunde": Der Tod auf Kufen

Stand: März 2009

Stellen Sie sich vor, Sie würden “Ihren Hund von Orlando nach New York rennen lassen, ihm keinen Schlaf gewähren, um die Strecke so schnell wie möglich zu schaffen; ihn durch hüfthohes Wasser und Eis hinweg anfeuern, während das Tier während des Rennens ca. 5 Kilo an Gewicht verliert.“ (1) Oder überlegen Sie, wie es sein muss, „mit 15 anderen Läufern zusammen in einer 15 Meter langen Vorrichtung 200 Kilo zu ziehen. Stellen Sie sich vor, hinzufallen und ein vereistes Gefälle heruntergezogen zu werden.“ (2) Genauso haben zwei Sport Kolumnisten das Iditarod Trail Schlittenhunderennen beschrieben, eine grausame Fahrt von Anchorage nach Nome in Alaska, das jeden März stattfindet. Dies ist nur eines von vielen dieser Rennen, in denen Schlittenhundeführer antreten, um tausende von Dollar und andere Preise zu gewinnen. Die Hunde, die als wenig mehr als nur ein pelziges Schneemobil angesehen werden, können sich dagegen glücklich schätzen, wenn sie das Rennen lebendig und ohne ernste Verletzungen überstehen.

Ein berüchtigtes Rennen
Ca. 1500 Hunde starten im Iditarod, doch über ein Drittel werden Jahr für Jahr ausgemustert, weil sie krank werden, sich verletzen oder einfach nur keine Kraft mehr haben, nachdem sie stundenlang durch zerklüftete Bergketten, über gefrorene Flüsse, dichte Wälder und einsame Tundren im beißenden Wind, erblindenden Schneestürmen und Temperaturschwankungen von 40°+ bis hin zu 60°- laufen mussten. (3, 4) Die Hunde, größtenteils Husky-Mischlinge, die nur zwischen 20 und 25 kg wiegen, werden üblicherweise mit 15 weiteren Tieren in einem Gespann befestigt, das einen 200kg schweren Schlitten zieht. Sie müssen pro Tag ungefähr 200km zurücklegen und oft bis zu 6 Stunden am Stück rennen. Die Hunde bekommen täglich nur wenig Schlaf (5, 6) und das gesamte Rennen kann zwischen 9 und 14 Tagen dauern. (7)

Die Füße der Hunde sind blutig, mit Quetschungen übersäht, zerschnitten vom Eis und einfach nur verschlissen von den enormen Strecken die sie bewältigen müssen. Viele der Tiere erleiden Muskelzerrungen, Stressfrakturen oder erkranken an Darmviren oder blutigen Magengeschwüren. In seiner Eigenschaft als freiwilliger Tierarzt des Rennens, sah Scott Moore „Hunde mit gerissenen Achillessehnen, Dehydrierung, Durchfall, Hypothermie und Hyperthermie, Gelenksentzündungen und wunden Stellen an den Schultern, verursacht durch die Geschirre.“ (8)

George Diaz, Kolumnist beim Orlando Sentinel schrieb, das Iditarod “ist nicht mehr als ein barbarisches Ritual, das den Cowboys in Alaska eine Lizenz zum Töten gibt.“ (9) Jedes Jahr sterben mindestens ein bis zwei Hunde und die Gründe hierfür reichen von dem Erwürgen in Leinen, bis hin zu inneren Blutungen und dem Todgetrampeltwerden von Elchen oder dem Erleiden von Leberschäden, Herzversagen und Lungenentzündung. Wolf, ein 5jähriger Hund im Team von Schlittenhundeführer Lance Mackey, starb, als er Futter erbrach und sich daran verschluckte. (10) Takk, ein 7jähriger Hund im Team von Kjetil Backen, starb an Blutverlust, hervorgerufen durch Magengeschwüre. (11) Schätzungen zufolge liegt die Todesrate bei 2,9 Tiere pro 1000 Teilnehmer; hätte der Boston Marathon die gleiche Rate, wären seit den 90er Jahren 290 Menschen gestorben. (12) Seit 1973 sind mindestens 120 Hunde im Iditarod gestorben – Hunde, die nach dem Rennen starben, nicht mit eingeschlossen. (13)

Häufig sterben auch Hunde, die das Rennen überlebt haben, im Nachhinein. Dr. Paula Kislak, Präsidentin der Association of Veterinarians for Animal Rights, sagte: „Wenn sich Milchsäure und andere Chemikalien durch den Muskelabbau aufgrund extremer körperlicher Anstrengung aufbauen, kann es sein, dass sich der Tod durch Gifte in Leber und Nieren noch tage- oder sogar wochenlang nach dem Rennen hinauszögert.“ (14) Eine im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine veröffentlichte Studie fand heraus, dass die Atemwege der 59 Hunde, 24 bis 48 Stunden nach einem Rennen, “abnormale Ansammlungen” von Schleim und zellulären Ablagerungen in den unteren Atemwegen aufwiesen. Des Weiteren wurden Lungenschäden bei beinahe der Hälfte aller Hunde als moderat bis ernst eingestuft. (15)
Es gibt noch andere grausame und tödliche, jedoch nicht so bekannte, Langzeitrennen, wie das Flambeau International Sled Dog Classic, das Copper Basin 300, Sky Sled Dog Race und das Yukon Quest International Sled Dog Race.

Das Leid hinter den Kulissen
Tausende von Hunden werden extra gezüchtet, um in Schlittenrennen mitzulaufen, aber leider ist nicht jeder Welpe ein geborener Läufer. Die, die das Pensum nicht schaffen, werden ausgemustert. Einige ausgemusterte Hunde werden verkauft oder verschenkt, doch viele werden auch euthanisiert, ausgesetzt, erschossen, zu Tode geknüppelt oder ertränkt.

Frank Winkler, der zwei Mal bei Iditarod teilnahm, wurde wegen 14 Fällen der Tierquälerei angeklagt, nachdem ein Veterinär eine Box mit toten und sterbenden Welpen in einem Truck gefunden hatte. Winkler gab an, es sich nicht leisten zu können, die Tiere von einem Tierarzt euthanisieren zu lassen und erschlug die Tiere deshalb scheinbar mit dem stumpfen Ende einer Axt. Gerichtsdokumenten zufolge, sagte Winkler, dass er Hunde erschoss und damit nur den Ratschlägen von anderen Schlittenhundeführern gefolgt sei. (16) Die Schlittenhundeführerin Lorraine Temple rechtfertigte das Erschießen von Hunden in einem Interview im Jahr 1999 mit: „Man kann einfach keine Hunde behalten, die pro Stunde eine Meile zu langsam sind.“ (17)

Die meisten Hunde leben in beengten Zwingern, die normalerweise nicht von einer Regulierungsbehörde kontrolliert werden. Die Betreiber von solchen Zwingern binden die Hunde häufig an kurzen Seilen an oder sperren sie in viel zu kleine Verschläge. Margery Glickman, eine pensionierte Grundschullehrerin, die die Organisation „Sled Dog Action Coalition“ (SDAC) gründete, machte Urlaub in Alaska und stieß auf eine Schlittenhunde „Farm“, wo über 200 Tiere für das Iditarod Rennen aufgezogen wurden. „Die Bedingungen waren einfach schrecklich“, sagte Glickman dem Miami Herald. „Die Hunde waren dauerhaft an diesen kurzen Leinen angebunden.“ (18) In der Aufzuchtstation „Klondike Dreams“, die Touristen Ausflüge auf Hundeschlitten anbietet, wurden über 60 „vernachlässigte, untergewichtige Hunde“ gefunden, … die „in einer Behausung voll von Ausscheidungen“ gehalten wurden. (19) David Straub, der bereits 3 Mal am Iditarod teilgenommen hatte, wurden fast 30 unterernährte „Schlittenhunde“ abgenommen. Er wurde in 17 Fällen der Tierquälerei angeklagt und die Hunde wurden konfisziert. (20)

In der größten US Einrichtung für „Schlittenhunde“, im Krabloonik Kennel in Aspen, Colorado, wurden, laut Aussagen eines früheren Mitarbeiters, jährlich bis zu 35 Hunde durch einen Kopfschuss getötet. (21) Der Manager der Einrichtung verteidigte sich, indem er angab, „Das Aussortieren von Hunden gibt es schon seit hunderten von Jahren. Es ist nichts Neues… Für den Schlittenhund ist das Teil des Lebenszyklus.“ (22)

Profit schlagen aus Schmerz und Leid
Wie bei so vielen Touristenattraktionen, ist der Hintergrund des Iditarod und ähnlichen Rennen, der Profit. Der Sportjournalist Jon Saraceno von USA Today, der das Rennen als „Ihurtadog“ (Ich verletze einen Hund) betitelte, berichtete: „Der ökonomische Wert für Anchorage, wo das Rennen zeremoniell beginnt, wird auf mehr als $5 Millionen geschätzt… Natürlich bekommen die Hunde nur ihren üblichen Lohn. Mehr Leid.“ (23) Jeff Jacoby, Sportkolumnist des Hartford Courant, schrieb, das Iditarod sei nicht mehr als „eine beschämende Marketing Strategie, die auf dem Rücken schutzloser Tiere ausgetragen wird“. (24)

Zu den Sponsoren des Iditarod gehören Cabela’s, Wells Fargo, GCI, Anchorage Chrysler Dodge, Anchorage Daily News, Chevron, FredMeyer, Millennium Alaskan Hotel und PenAir.

Was Sie tun können
Unterstützen Sie weder das Iditarod, noch andere Schlittenhunderennen oder Touristenattraktionen, die Fahrten auf Hundeschlitten beinhalten. Wenn Sie eine Reise nach Alaska planen, sagen Sie Ihrem Reiseveranstalter, dass Sie auf keinen Fall Angeboten nachgehen wollen, die Hundeschlittenfahrten mit einschließen. Informieren Sie Sponsoren von Schlittenhunderennen, dass Sie kein Unternehmen unterstützen, das solche Grausamkeiten ermöglicht. Über die Jahre hinweg haben zahlreiche Unternehmen wie Nestlé, Rite Aid, Irridium World Communications, Safeway, Maxwell House Brand, True Value Hardware, BP Amoco, Sherwin-Williams, Upjohn, Tropicana, Pizza Hut, Costco und Pfizer Pharmacia ihre Sponsorentätigkeit aufgegeben, als ihnen Menschen mitteilten, sie wären gegen das Rennen.

Unterstützen Sie Menschenschlittenrennen! In Lowell, Massachusetts, zum Beispiel, finden im Februar im Zuge des jährlichen Winterfestes die National Human Dogsled Championships statt. Dutzende menschliche Teams ziehen verrückte Kostüme an und stürmen zur Ziellinie. (25) Am „Idiotarod“ in New York City nehmen mehr als 500 Menschen teil, die Einkaufswägen über die Brooklyn Bridge nach Manhattan schieben. (26)

Quellen:
1) George Diaz, “Iditarod Dog Deaths Unjustifiable,” Orlando Sentinel, 5 Mar. 2000.
2) Jon Saraceno, “Grueling Iditarod Not Even Fit for Dogs,” USA Today, 3 Mar. 1999.
3) Mike Brassfield, “Sledding in the Sunshine,” St. Petersburg Times, 5 Jan. 2003.
4) Judy Chia Hui Hsu, “Everything Turns to Mush,” Seattle Times, 5 Jan. 2005.
5) Judy and Richard Schiller, “Sled Dogs and Mushers,” Crooked Creek Observer, 11 Feb, 1997.
6) Chia Hui Hsu.
7) Brassfield.
8) Jami Badershall, “Cody Veterinarian Gets Kick out of Iditarod,” Cody Enterprise, 26 Mar. 2004.
9) Diaz.
10) Joel Gay and Craig Medred, “Leader’s Dog Dies on Trail,” Anchorage Daily News, 15 Mar. 2004.
11) Iditarod XXXII Advisory, 14 Mar. 2004.
12) Saraceno, “Grueling Iditarod Not Even Fit For Dogs.”
13) Saraceno, “As Death Toll of Dogs Rises, So Does Iditarod’s Insanity,” USA Today, 14 Mar. 2004.
14) “Victims of Cold, Fatigue and Greed,” The Press Democrat, 20 Mar. 2004.
15) M.S. Davis et al., “Racing Alaskan Sled Dogs as a Model of ‘Ski Asthma,’” American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, 6(2002): 878-82.
16) Julia Rubin, “The ‘Ugly Side’ of Dog Racing; Alaskan Mushers Weed Out Canines That Don’t Make the Team,” The Washington Post, 29 Nov. 1991.
17) Diaz.
18) D, “Iditarod, Hailed As Greatest Dog Race? Call It Grotesque Shame, Animal Abuse,” The Miami Herald, 5 Mar. 2002.
19) “Homes Found for Most Dogs Removed From Squalid Kennel,” Associated Press, 6 May 1999.
20) Heidi Loranger, “Starving Dogs Recovering at Shelter,” KTVA 11, 20 Oct. 2004.
21) “Killing Techniques Being Questioned at Dog Sledding Operation Near Aspen,” Associated Press, 5 Apr. 2005.
22) Chad Abraham, “Krabloonik Defends Culling of Pack. Long-Term Employee: ‘We’re All Dog Owners Here,’” The Aspen Times, 5 Apr. 2005.
23) Saraceno, “As Death Toll of Dogs Rises, So Does Iditarod’s Insanity.”
24) Saraceno, “Iditarod No More Than Dog Abuse,” USA Today, 5 Mar. 2001.
25) Walter Roessing, “Lowell Race Is Doggone Funny,” The Boston Herald, 27 Jan. 2005.
26) Valerie Fuchs, “Madness, Sabotage and a Cart Race Across NYC,” Washington Square News, 31 Jan. 2005.
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