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Stierkampf: Tragödie aus Tradition

1987 wurden bei Stierkämpfen in Spanien etwa 30.720 Stiere gequält und getötet. Auch wenn viele der Stierkampf- Zuschauer amerikanische Touristen sind, sehen sich doch 90 Prozent dieser Touristen kein zweites Mal einen Stierkampf an, wenn sie erst einmal Zeuge dieser pausenlosen Grausamkeiten in der Arena geworden sind. (1) Spanische Stiere und ihre vielen Leidensgenossen in Mexiko und anderen Ländern sind Opfer einer primitiven Vorführung, die man hinter Bezeichnungen wie "Kunst" oder "Unterhaltung" zu verschleiern versucht, und die der mexikanische Autor Eduardo del Rio als "Hemmschuh für die Humanisierung der Menschheit" bezeichnete. (2)

Mörderische Mystik Spanische und mexikanische Stierkampf- Veranstalter locken Touristen mit dem mystischen Aspekt. Sie geben vor, der Kampf sei etwas "Festliches", "Künstlerisches" und ein "fairer Wettkampf" zwischen Geschick und Kraft. Was sie allerdings nicht sagen, ist, daß der Stier niemals auch nur die geringste Chance hat, sich zu verteidigen, geschweige denn zu überleben.

Viele prominente Stierkämpfer früherer Tage berichten, daß der Stier absichtlich mit Tranquilizern und Abführmittel oder Schlägen in die Nieren geschwächt wird, daß man ihm Vaseline in die Augen schmiert, um seine Sicht zu trüben, ihm wochenlang vor dem Kampf schwere Gewichte um den Hals hängt und ihn über Stunden in Dunkelheit hält, bevor man ihn in die Arena läßt. (3)

Ein bekannter Stierkampf- Tierarzt, Dr. Manuel Sanz, berichtet, daß 1987 mehr als 90 Prozent der in Stierkämpfen getöteten Stiere abgeschlif fene Hörner hatten. Bei dieser Prozedur werden dem Stier mehrere Zentimeter Horn abgesägt, wodurch der Stier, aufgrund des geänderten Winkels sein Ziel beim stoßen verfehlt. (4)

Der Matador, zwei Pikadore auf Pferden und drei Mann zu Fuß stechen immer wieder auf den Stier ein, sobald er in der Arena ist. Ist der Stier erst einmal völlig geschwächt vor Angst, Blutverlust und Erschöpfung, versucht der Matador, den Stier durch einen sauberen Stoß mit dem Schwert ins Herz zu töten. Aber zum Unglück des Stieres hat der Matador selten Erfolg und muß immer wieder zustoßen; er verfehlt dabei meist das Herz des Stieres und sticht stattdessen in die Lunge. Oft muß ein Dolch benutzt werden, um das Rückenmark zu durchtrennen und dem Publikum so den Anblick eines hilflosen Tieres im Todeskampf zu ersparen. Der Stier kann dann noch bei vollem Bewußtsein sein, jedoch ist er gelähmt, wenn seine Ohren und sein Schwanz im letzten Akt dieser Tragödie als "Siegestrophäe" abgeschnitten werden. (5)

Der mexikanische Stierkampf kennt noch eine Variante: die Novillada, den "Baby-Stierkampf". Es gibt in diesem Abschlachten von Kälbchen keine vorgegebenen Rituale. Baby-Stiere, manche kaum älter als ein paar Wochen, werden in eine kleine Arena gebracht, wo sie von Zuschauern - unter ihnen auch viele Kinder - zu Tode gestochen werden. (6) Dieses Blutbad endet damit, daß die Zuschauer dem in einer Blutlache liegenden Tier, das oft noch bei vollem Bewußtsein ist, Ohren und Schwanz abhacken. Die sogenannten "unblutigen Stierkämpfe", die in vielen US- Bundesstaaten legal sind, sind nur unerheblich weniger barbarisch als ihre blutigen Gegenstücke. Auch wenn die Stiere in diesen "Kämpfen" nicht in der Arena getötet werden, so werden sie doch oft unmittelbar danach geschlachtet. Während des Kampfes werden sie gequält, gestichelt und verängstigt. (7)

Andere Opfer

Die Stiere sind nicht die einzigen Opfer bei dieser intensiven Grausamkeit in der Arena. Nach Angaben von Lyn Sherwood, dem Herausgeber eines englischsprachigen Stierkampf- Magazines, wird Pferden für die Stierkämpfe "Dope hinter die Ohren gespritzt. Man setzt sie unter Drogen, verbindet ihnen die Augen, und sie werden oft niedergeschmettert." (8) Diese Pferde, die häufig auf den Hörnern aufgespießt werden, bekommen gewöhnlich nasses Zeitungspapier in die Ohren gestopft, um ihre Hörfähigkeit zu verschlechtern, und ihre Stimmbänder werden durchgeschnitten, damit ihre Schreie nicht die Menschenmenge erregen. Die Veranstalter geben vor, die Pferde würden vor Klebstoff-Fabriken "bewahrt". Das heißt nichts anderes, als daß diese Tiere oft schon alt sind, müde Ackergäule, die von Stieren mit einem Körpergewicht von bis zu einer halben Tonne niedergewalzt werden. (9)

Die Zucht von Stierkampf- Bullen

Während man für die Stierkämpfe früherer Zeiten einmal wilde, angriffslustige Stiere verwendete, die in Spanien's Bergen umherstreiften, werden die heutigen Stiere speziell für den Stierkampf gezüchtet. Sie werden auf 280 eingetragenen Farmen in verschiedenen Teilen Mexikos aufgezogen. Durch selektive Zucht ist es den Ranchern jetzt möglich, einen Stier zu erschaffen, der auf höchst zufriedenstellende Weise für das Publikum sterben wird. (10) Da der Anblick eines verwundeten Stieres, der verzweifelt versucht, sich aus der Arena zurückzuziehen, das Image des "Sportes" ruinieren würde, werden sie so gezüchtet, daß sie immer wieder zu ihrer Tortur zurückkehren und so eine "wilde" und "bösartige" Herausforderung für den Matador darstellen. (11)

Wachsender Widerstand

Die Ursprünge des Stierkampf sind nicht genau bekannt, jedoch glaubt man, daß er im Zusammenhang mit alten Fruchtbarkeitsriten entstand. 1725 begann der Stierkampf seine heutige Form anzunehmen, als Francisco Romero einen Spieß mit einem roten Stück Stoff an einem Ende erfand, den er dazu verwendete, den Stier anzustacheln und zu quälen. Die heutigen Stierkampf-Manöver wurden um 1700 definiert und haben sich seither wenig geändert. (12)

Neueste Umfragen unter der spanischen Bevölkerung zeigen, daß sie an dem Besuch von Stierkämpfen nicht besonders interessiert ist. Der Touristenmarkt ist hingegen das "Lebensblut" der Stierkampf- Profitmacher. Selbst der Stierkampf- Promoter Sherwood gibt zu "es gibt keine Möglichkeit, Stierkampf moralisch zu rechtfertigen." (13)

Die World Society for the Protection of Animals hat Berichte veröffentlich, gegenüber führenden Persönlichkeiten in Mexiko und Spanien wiederholt Empfehlungen ausgesprochen und den Stierkampf kritisiert. Colin Platt, der Koordinator des wissenschaftlich- beratenden Ausschusses der WSPA, kommentierte in einem Memo, das einem Bericht beigefügt wurde, daß "....in den 15 Jahren, während derer wir wissenschaftliche Berichte zusammengestellt haben, dieses Thema das unglückseligste war, das es aufzuarbeiten galt- ein Gefühl, das von mehreren meiner Kollegen im Ausschuß geteilt wurde." (14)

Viele Anti-Stierkampf-Gruppen haben sich weltweit gebildet, darunter auch die spanische Alternativa Para La Liberación Animal (Alternative für Tierbefreiung), die mexikanische Pena Anti-Taurina Mexicana, die Society for the Prevention of Cruelty to Animals (Gesellschaft zur Vermeidung von Grausamkeiten gegen Tiere) in Tijuana und Mexico City und das Anti- Bullfighting Committee (Anti-Stierkampf- Komitee) in New York. (15)

Was Sie tun können

Sollten Sie den Besuch eines Landes planen, das Stierkämpfe erlaubt bzw. fördert, teilen Sie bitte Ihrem Reisebüro mit, daß Sie gegen Grausamkeiten an Tieren in jeder Form sind. Viele Touristen-Erholungszentren bauen sogar Stierkampf-Arenas als Teil ihrer "Erholungs"anlagen. Weigern Sie sich, Ihren Urlaub in so einer Anlage zu verbringen, und schreiben Sie einen Brief an den Eigentümer, in dem Sie darlegen, warum Sie dort nicht wohnen wollen. Lassen Sie auch andere Menschen in Ihrem Umfeld Einzelheiten über den Stierkampf wissen und bitten Sie sie, ebenfalls zu protestieren. Wenn Touristen aufhören, sich Stierkämpfe anzuschauen, werden auch die Profitmacher mit ihren Grausamkeiten aufhören. Blutig oder unblutig: Stierkampf ist ein sinnloses, herabwürdigendes Spektakel, für das in einer zivilisierten Gesellschaft kein Platz ist.

(1) Delaney, Paul, "El Toro's Fight Goes On, But The 'Oles' Are Fewer," New York Times, August 6, 1988.

(2) McFarland, Cole, "Death In The Afternoon," The Animals' Voice, Volume 1, Number 1, 1988.

(3) Ibid.

(4) Ibid.

(5) Ibid.

(6) Ibid.

(7) "Savage Spectacles," The Animals' Agenda, July/August, 1988.

(8) The Animals' Voice, op.cit.

(9) Ibid.

(10) Ibid.

(11) Ibid.

(12) Ibid.

(13) Ibid.

(14) Ibid.

(15) The Animals' Agenda, op.cit.

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