Stand: Mai 2011
Trotz der weltweiten Ablehnung des Tötens von Stieren für die Unterhaltung hat der französische Kulturminister Frédéric Mitterrand Stierkampf zu einem der Kulturschätze des Landes erklärt. Das öffnet die Tür dafür, dass dieser grausame Zeitvertreib in die „Liste des immateriellen Kulturerbes“ der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation – besser bekannt als UNESCO – aufgenommen wird. Ein Kulturerbe auf diese Liste zu bringen ist sowohl prestigevoll als auch lukrativ, da Welterbe-Stätten eine Touristenattraktion sind.Bitte fordern Sie die französische Regierung dazu auf, die Deklarierung des Stierkampfes als französisches Kulturerbe zurückzuziehen. Empfänger Ihrer Protest-Email sind der französische Kulturminister Frédéric Mitterrand und der französische Premierminister François Fillon.
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Übersetzung des Mustertextes:
Betreff: Stierkampf darf kein französisches Kulturerbe sein
Sehr geehrter Herr Premierminister Fillon,
sehr geehrter Herr Minister Mitterrand,
ich schreibe Ihnen heute, um mein Entsetzen und meine Empörung darüber auszudrücken, dass Sie den Stierkampf zum Kulturerbe erklärt haben. Wir fordern Sie auf, diesen Vorschlag umgehend zurückzuziehen.
Das vorsätzliche Abschlachten von Tieren kann und sollte in einer zivilisierten Gesellschaft nicht toleriert werden. Trotz der Geschichte des Stierkampfes in Frankreich haben sich die Zeiten und Empfindsamkeiten geändert. Das Quälen von Tieren, wie es im Stierkampf geschieht, wird zu Recht mit Verachtung und als kritikwürdig angesehen.
Frankreich steht alleine in der Würdigung dieser blutigen Schauspiele da, indem es sie als Kulturerbe auszeichnet. Wir bitten Sie dringend, von Ihrem Kurs bezüglich dieses Plans abzukehren und Stierkämpfe zusammen mit anderen Schandtaten der Geschichte in die Vergangenheit zu verbannen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Mit freundlichen Grüßen
Unzählige Stiere werden in Arenen in ganz Frankreich, Spanien und Lateinamerika zu Tode gestochen. Die Stiere werden gereizt und provoziert, bevor sie in die Stierkampf-Arenen hereingeleitet werden, wo sie von schreienden Menschenmengen umgeben sind. Die verwirrten und aufgeregten Stiere werden natürlich um ihr Leben „kämpfen“, während Männer auf Pferden sie im Kreis hetzen und immer wieder mit Lanzen auf sie einstechen, bis sie von den qualvollen Schmerzen und dem Blutverlust immer schwächer werden. Die Pferde, deren Augen verbunden sind, können ebenfalls schwere Verletzungen davontragen, wenn sie einem angreifenden Stier nicht rechtzeitig ausweichen. Der Matador kommt erst herein, wenn der erschöpfte Stier ohnehin schon kurz vor dem Tod steht. Die Stiere sind oftmals noch bei vollem Bewusstsein, wenn der Matador ihnen nach Aufforderung durch die Zuschauer ihre Ohren und ihren Schwanz als „Trophäen“ abschneidet und sie an Ketten aus dem Ring geschleppt werden.
Widerstand in Frankreich
Die Ernennung zum Kulturerbe widerspricht vollkommen dem wachsenden Widerstand gegen diese tödlichen Veranstaltungen. Letztes Jahr legten zwei französische Abgeordnete, die diese Kämpfe als „barbarische Schauspiele“ bezeichneten, einen Gesetzesentwurf im Parlament vor, um Stierkämpfe verbieten zu lassen. Diese Vorlage wurde von 12 anderen Parlamentariern quer aus dem politischen Spektrum mitunterzeichnet, inklusive einem Mitglied der Regierungspartei UMP, Jean-Marc Roubaud, der sagte: „Stierkampf ist ein Anachronismus. In einer bereits extrem gewalttätigen Welt einfach noch zu der Brutalität beizutragen ist beschämend.“
Ein sadistisches Spiel
Der Begriff „Stierkampf“ ist eine Fehlbezeichnung, denn gewöhnlich gibt es keinen fairen Wettbewerb zwischen dem mit dem Schwert geübten Torero, oder auch Matador genannt ("matador" ist spanisch für „Schlächter“), und dem irritierten, psychisch angeschlagenen und körperlich traktierten Stier. Wenn die Zuschauer mit dem Torero zufrieden sind, werden die Ohren und der Schwanz des Stieres abgeschnitten und der Menge als Trophäe präsentiert. Einige Minuten später erscheint der nächste Stier in der Arena und das sadistische „Spiel“ geht von vorne los.
Feige & gemein
Es ist ein sehr feiges Ereignis. Der Torero hat die Wahl zu entscheiden, ob er mitmachen möchte - der Stier nicht. Vom ersten Moment an, wo der Stier die Arena durch den dunklen Gang, in dem er gehalten wird, betritt, hat er keine Chance. Er ist oft durch Widerhaken (sogenannte Banderillas), die im auf dem Weg in die Arena in den Nacken gejagt wurden, und von gezielt eingesetzten Drogen, die ihm im Vorfeld verabreicht wurden, geschwächt. Häufig wird dem Stier Vaseline in die Augen gerieben, damit sich seine Fähigkeit, die Distanz abzuschätzen, negativ verändert.