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Tiere haben eine Vorahnung für Tsunamis, können aber nicht immer entkommen“

von Anuradha Sawney



In Indien ist bei den ständigen Gesprächen über das Desaster im Süden ein Thema aufgetaucht: Wenige Wildtiere wurden tot aufgefunden. Es scheint, das fast alle, die schnell wegfliegen, wegrennen, weggleiten oder wegkriechen konnten, ihr Zuhause vor den Todeswellen verlassen und höheres Gelände aufgesucht haben.

Jeder, der einmal in Indien gelebt hat, konnte selbst miterleben, wie seltsam sich Tiere verhalten, bevor die ersten Monsunwolken über dem ausgedörrten Land nach Monaten der Trockenheit aufbrechen, und wie aufgeregt sie werden vor einem Erdbeben solcher Stärke, die sogar ausgewachsene Männer dazu bringt, in Panik von Hausdächern zu springen.

All dies ist verständlich, wenn man sich klarmacht, welchen feinen Geruchsinn, welches enorme Seh- und/oder Hörvermögen Tiere besitzen, das ihnen hilft, für sie vorhersehbare Katastrophen zu überleben. Manche Wissenschaftler spekulieren, dass die Menschen diese Sinne im Laufe der Evolution verloren haben, obwohl man argumentieren könnte, dass sie ja noch bis zu einem gewissen Grade vorhanden sind, z.B. unter relativ unbeeinträchtigten Spurensuchern von Ureinwohnern.

Viele Tiere, darunter Elefanten und Mäuse, nutzen Ultraschallwellen, die über weite Entfernungen wandern und sogar Gebäude, dichte Wälder und Hügel durchdringen können. Menschen können Geräusche hören, die im Bereich von 20 bis 20.000 Hertz liegen, aber diese Tiere kommunizieren unter Einsatz von Geräuschen, die unter unseren akustischen Bereich liegen. Wildhüter in Afrika fanden Elefanten, die aus Angst schlotterten, an den Grenzen ihres Reservates, so weit weg wie es ihnen möglich war zu entkommen vor einer geplanten Abschlachtung ihrer Kameraden in einem benachbarten Wald. Während die Geräusche der getöteten Elefanten unhörbar für das menschliche Ohr waren, konnten weitentfernte Mitglieder der eigenen Spezies ihre Angst und Panik genau wahrnehmen.

Was wir nicht wissen überwiegt das, was wir wissen, aber wir wissen, dass Fische eine dünne Linie sensibler Zellen an ihren Flanken besitzen, Zellen, die Bewegung, Schwingung und eine Richtungsänderung der Strömung wahrnehmen können. Wenn sich also ein Taifun nähert, sich die Strömung ändert, versuchen die Fische, sich in sichere Gewässer zu begeben

Wir wissen außerdem, dass manche Arten von Baumfröschen nicht nur Paarungsbotschaften über eine große Distanz aussenden und empfangen können, sondern auch Warnungen, indem sie mit den Füßen auf Baumstämmen trommeln. Wir wissen ferner, dass Eisbären so empfindlich gegenüber Änderungen des atmosphärischen Drucks sind, dass sie elektrostatische Störungen, die im Rahmen von Gewitterstürmen auftreten, “riechen” können. Das Vomeronasalorgan, auch Jacobson's Organ genannt, hilft solchen Tieren, chemische Veränderungen in der Atmosphäre zu detektieren (manchmal verbergen sich Organe unter der Lippe der Tiere, wenn also ein Hund oder eine Katze brummen, nutzen sie in Wirklichkeit ihre Sinne, um festzustellen, ob das Tier, das sich ihnen nähert, Freund oder Feind ist.). Schlangen und andere Reptilien nutzen ihre Zunge, um solche Dinge aufzunehmen und die Luft zu ”schmecken“.

Traurigerweise können manche Tiere in Indien der Katastrophe nicht entkommen. egal, wie sehr sie es versuchen, und egal, wie gut sie dafür ausgerüstet sind. Darunter die Tiere, die in Zoos in Käfigen eingesperrt und angekettet sind, die Schlangen und Mungos, die von Weissagern und “Tierkampf”veranstaltern in Rattankörben gehalten werden, und die armen Tanzbären, die flügelgestutzten und in Käfigen gehaltenen Vögel, die man nach wie vor an den Straßenrändern sieht, obwohl die indische Regierung ein Verbot zum Fangen von Wildtieren erlassen hat. Hinzu kommt, bei all der Trauer in den Nachwehen des schauderhaften Tsunami – und zu dem Wissen, dass in den USA so viele in Gefangenschaft gehaltene Tiere während des Florida-Hurrikans umkamen – der Gedanke daran, wie sie sich gefühlt haben müssen zur Zeit der Katastrophe, bereit zu fliehen, aber unfähig, es in die Tat umzusetzen. Über einen Vorteil zu verfügen, ihn aber nicht nutzen zu können – auch dies ist eine Tragödie.

Anuradha Sawney ist Leiterin des indischen PETA Büros.