Obwohl die selbsternannten Zooexperten besser wissen müssten und sie jegliche Störungen vermeiden müssten, zettelt der Tiergarten mit ihrer Nachwuchs-Frühmeldung ihren eigen vermarktbaren „Knut-Hype“ an. Absichtlich?
„Nürnbergs Bürgermeister Horst Förther kritisiert, dass der städtische Tiergarten nicht versucht hat, die Jungtiere nach Vorbild von Knut Gewinn bringend zu vermarkten.“ (Nürnberger Nachrichten vom 03.01.2008)
Dr. Helmut Mägdefrau zur möglichen Vermarktung: „Da ist natürlich kein Zoo traurig. Und wenn wir ein paar Besucher mehr haben sind auch wir nicht traurig. Da können wir die Delfin-Lagune noch ein bisschen damit finanzieren.“ (TV-Interview mit Nürnberger Nachrichten vom 03.01.2008)
Anstatt also jetzt Ruhe zu bewahren und die ohnehin aufdringlichen Medien nicht noch extra hervorzulocken, verbreitet der Tiergarten eiligst, und in für PETA fahrlässiger Art und Weise, noch zusätzlich Horrorszenarien. Nürnberg bringt ab diesem Zeitpunkt ihre eigene „Knut-Story“ immer wieder richtig zum Kochen.
Reine Absicht, um die Öffentlichkeit und die Medien für eine bereits geplante Handaufzucht vorzubereiten?
Dr. Helmut Mägdefrau: „Gerade bei Erstgebärenden kommt es häufig vor, dass sie ihre Jungen verstoßen.“ (BILD online vom 31.12.2007)
Dr. Helmut Mägdefrau: „Eisbären sind relativ empfindlich und gerade in dieser sensiblen Phase, wo Mutter-Kind –Beziehungen erst richtig entstehen, können Störungen fatal sein. Folgen der Störungen: Entweder das sie sich nicht mehr kümmern und säugt…schlimmsten Fall, dass sie sie auffressen.“ (TV-Interview mit Nürnberger Nachrichten vom 03.01.2008)
„Ein Pfleger, der mehrmals täglich nach Geräuschen der Jungen lausche, habe eindeutig Hungerschreie gehört.“ (Nürnberger Nachrichten vom 04.01.2008)
Unverantwortlich! Kaum hat der Zoo mögliche Folgen von jeglichen Störungen genau beschrieben, schreien Besucher vor dem Gehege der Eisbären lauthals herum. Das Gehege weiträumig abzusperren unterbleibt. Fragwürdige Aussagen des Tiergartens fördern scheinbar immer weiter die gefährliche Unruhe für die Mütter. Auch lässt der Tiergarten in dieser Unruhephase die Tür von VERA offen. VERA verlässt daraufhin des Öfteren das Innengehege ohne ihr Baby, worauf Besucher sie vor dem Gehege lautstark als „Rabenmutter“ beschimpfen. Die wahren Absichten werden deutlich.
„Rund 7 Millionen kostet der Tiergarten im Jahr. Bürgermeister Förther hält es angesichts dessen für sehr wichtig, die Neugierde der Besucher zu wecken.“ (Nürnberger Nachrichten vom 04.01.2008)
Trotzdem VERA ihr Baby noch hinreichend betreut, verstreut der Tiergarten in jedem Interview immer wieder Pessimismus.
Dr. Helmut Mägdefrau: „Dennoch warnt er vor verfrühter Euphorie: Es kann noch jede Menge schief laufen. Wir greifen nicht ein.“ (FOCUS vom 04.01.2008)
Besonders auffällig ist, dass der Tiergarten Nürnberg immer wieder bemüht ist zu verbreiten, dass man keine Handaufzucht wolle und den Tod der Babys einkalkuliere. Obwohl der Tiergarten aber genau wusste, dass gerade bei Eisbär Knut solch eine Forderung für erheblichen Aufschrei und Negativpresse in der Öffentlichkeit sorgte, wurde dennoch vom Tiergarten immer wieder gern betont, eine Handaufzucht käme nicht in Frage. Hat man somit Meinungsmache im Vorfeld betrieben, um eine spätere Wegnahme und eine Handaufzucht rechtfertigen zu können?
Dr. Helmut Mägdefrau: „Wenn ein junger Eisbär verhungert, müssen wir das akzeptieren.“ (Tagesspiegel vom 07.01.2008)
„Der Vizedirektor des Tiergartens hatte in der letzten Woche den Tagesspiegel erklärt, die Knutmanie in Berlin werde sich in Nürnberg nicht wiederholen.“ (Der Tagesspiegel vom 07.01.2008)
Kurze Zeit später gab der Tiergarten bekannt, dass die beiden Babys von VILMA nicht überlebten. Warum der Tiergarten immer wieder Negatives verbreiten muss, bleibt weiterhin fraglich. VERA kümmert sich unterdessen weiterhin fürsorglich um das übrig gebliebene Baby.
Folgende Interview-Aussagen, einen Tag vor der Zwangstrennung vom Mutter und Kind, stimmen mehr als nachdenklich:
Bürgermeister Horst Förther: „Wir werden im Tiergarten kein Tier verhungern lassen.“ (Augsburger Allgemeine vom 08.01.2008)
Bürgermeister Horst Förther: „Ich weiß nicht, ob wir es durchhalten könnten, den kleinen Eisbären verhungern zu lassen, falls Mutter VERA ihn im Stich lässt. Er wolle die Frage am Dienstag mit Tiergartenchef Dag Encke besprechen.“ (Nürnberger Nachrichten vom 08.01.2008)
Folgende Fragen muss sich Nürnberg heute gefallen lassen:
Warum spricht der Bürgermeister davon, dass VERA ihren Sohn im Stich lassen könnte?
War bereits hier eine Handaufzucht beschlossene Sache?
Warum entscheidet plötzlich, ein Politiker, was im Tiergarten geschieht?
Warum spricht Horst Förther plötzlich von einer möglichen Handaufzucht, wenn sich doch VERA bis dahin immer noch vorbildlich ihrem Baby gegenüber verhielt?
„Das Mitte Dezember geborene Eisbärenbaby sei pioccobello proper in Ordnung und wirke kerngesund. Das Muttertier habe sich offensichtlich hervorragend darum gekümmert.“ (AP vom 08.01.2008)
Wie kann der Bürgermeister einen Tag vorher wissen, was heute Geschichte ist: Die Zwangstrennung von Mutter und Kind und die anschließende Handaufzucht?
Mehrere Fernsehteams und Besucher stehen in unmittelbarer Nähe des Geheges. VERA trägt ihr Baby plötzlich immer wieder nach Draußen und lässt es im Außengehege mehrmals auf den Boden mit Stroh fallen. Was für viele brutal aussieht, ist normales Bärenverhalten. Unter wirklichen Experten ist bekannt: Einem kleinen Bärenbaby geschieht dadurch nichts.
Zoodirektor Dag Encke: „Die Eisbärenmutter habe sich in der Bruthöhle offenbar nicht mehr sicher gefühlt. Sie sei nervös gewesen, habe ihr Baby zunächst raus getragen und dann wieder rein getragen. Warum sie unsicher geworden ist, wissen wir nicht.“ (SPIEGEL vom 08.01.2008)
„Ursache für die Verhaltensänderung der Mutter war womöglich ein Kameramann, der eine Absperrung überwunden haben soll…, sagte eine Sprecherin der Stadt.“ (Focus online vom 08.01.2008)
Wenn ein Kamerateam von außen störte, warum läuft eine fürsorgliche Mutter dann nach draußen in Richtung des schreienden Mobs von Besuchern und des störenden Kameramannes?
Warum bleibt sie nicht in ihrer sicheren und ruhigeren Höhle?
Warum verschloss man Vera nicht in ihrer ruhigen Geburtshöhle, sperrte das Gelände weiträumig ab und sorgte endlich für Ruhe?
Was passierte im Innengehege? Was hat sie heraus getrieben?
Bürgermeister Horst Förther: „Sie hat danach, als wir das Kleine in der Wurfbox hatten, hat sie dann versucht reinzukommen. Was dann geschehen wäre, wenn sie wieder in der Wurfbox gewesene wäre…Es hätte auch sein können, dass sie das Kleine tötet.“ (TV Interview der Nürnberger Nachrichten vom 08.01.2008)
Warum hat man die Tür nach außen nicht verschlossen, als VERA das Baby wieder in den Schutz der Höhle bringen konnte?
Wieso konstruiert man erneut das negativste Bild, obwohl VERA bis dahin absolut fürsorglich war?
Wie kann der Bürgermeister wissen, dass Vera ganz sicher ihr Baby getötet hätte?
Warum mischt sich ein Bürgermeister immer wieder ein?
Helmut Mägdefrau: „…hat versucht das Baby auf dem Gelände zu verstecken.“ (AP vom 08.01.2008)
„Sie versuchte es im Heu zu verbuddeln, es instinktiv zu schützen.“ (RP Online 09.01.2008)
„Sie hat sich 4 Wochen in vorbildlicher Weise gekümmert…“ (Pressemitteilung TG Nürnberg vom 09.01.2008)
„Doch als der Pfleger das Junge geholt hatte, spielten sich dramatische Szenen ab. Die Eisbär Mama tobte und wütete in ihrem Gehege, trauerte so um ihren Verlust.“ (Bild online vom 08.01.2008)
„Nach Augenzeugenberichten von gestern Abend ging es der Eisbärenmutter VERA dagegen richtig schlecht. Sie bejammerte mehrfach lautstark den Verlust ihres Babys.“ (Nürnberger Nahrichten vom 09.01.2008)
„Auch als VERA untypischerweise in Außengehege gegangen sei, habe dies zunächst keine Sorgen gemacht. Immer wenn man den Kleinen hat rufen hören, ist sie hochgerannt in den Stall.“ (Hamburger Abendblatt vom 11.01.2008)
Das Vera ihr Baby immer wieder aufnahm, es immer wieder versuchte zu verstecken und auch bei der Wegnahme tobte, ist kein Anzeichen von Vernachlässigung! Vera war alles andere als vernachlässigend: Eine Wegnahme war nicht zu rechtfertigen!
Skandalös behauptet der Tiergarten später:
Dr. Dag Encke: „Wir haben uns zum Einschreiten entschlossen, da die Mutter offensichtlich keinen sicheren Platz mehr für das Junge gefunden hat und zunehmend nervös geworden ist.“
Bürgermeister Horst Förther: „Der Medienrummel am Eisbärengehege könne VERA in Stress versetzt haben.“ (Yahoo/ DPA 08.01.2008)
Also, Tiergarten Nürnberg, warum war denn euer Eisbärengehege nicht mehr sicher?
Warum gab es solch einen Medienrummel?
Wer hat denn diesen Rummel verursacht?
Später relativierte der Tiergarten seine Aussage, dass ein Kameramann die Störung verursacht haben könnte: „Ob tatsächlich ein Kamerateam dafür verantwortlich sei, dass VERA sich in ihrer Bruthöhle gestört fühlte, lasse sich nicht mehr eindeutig feststellen, so Mägdefrau.“ (BR-Online vom 09.01.2008)
„Der Tiergarten kann die zunächst geäußerte Vermutung, ein TV-Team habe die Absperrung missachtet und aus nächster Nähe gefilmt, nicht erhärten.“ (Nürnberger Nachrichten vom 09.01.2008)
Was störte die Mutter dann, dass sie nach außen rannte?
Erst nachdem man VERA das Baby entrissen hatte, reagierte man um für Ruhe zu sorgen: „Damit sich die Mutter von dem Medienrummel der vergangenen Tage erholt, soll ein Teil des Platzes vor dem Gehege nun abgesperrt werden.“ (Die Zeit vom 10.01.2008)
Noch am selben Tag der Zwangstrennung veröffentlicht der Tiergarten auf seiner Internetseite die ersten Bilder des Eisbärenbabys. Tägliche Interviews mit Pfleger und Zoodirektor sind ab diesen Tag Alltag.
So sieht keine im Vorfeld oft propagierte „Nicht-Vermarktung“ a la Knut aus.