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Vioxx Rückruf zeigt, dass wir eine bessere Forschung brauchen.

Vor kurzem wurde das Arthritis-Medikament Vioxx, das von schätzungsweise 2 Millionen Menschen weltweit eingenommen wurde, vom Markt genommen. Der Pharmagigant Merck, der Vioxx entwickelt hat, hatte das Produkt ausgiebig an Tieren getestet, bevor er es als verschreibungspflichtiges Medikament vermarktete. Doch all die Tierversuche hatten nicht aufgezeigt, dass Menschen, die Vioxx einnehmen, ein doppelt so hohes Herzinfarktrisiko tragen. Dies wurde erst entdeckt, nachdem das Medikament von mehr als 84 Millionen Menschen eingenommen worden war.

Vioxx ist das aktuellste in einer langen Liste von Pharmamedikamenten, die wieder vom Markt genommen wurden, weil ihre Nebenwirkungen beim Menschen basierend auf Tierversuchen nicht vorhergesehen wurden. Contergan, Lipobay, L-Tryptophan, Sertindol, Droperidol, Phenactin, E-Ferol, Oraflex, Zomax, Suprol, Selacryn, und viele andere Medikamente mussten wieder vom Markt genommen werden, weil sie tausende Menschen töteten oder schwer schädigten. Tiere zur Entwicklung und für das Testen von Medikamenten einzusetzen, ist nicht nur ineffektiv, sondern geradezu gefährlich. Unerwünschte Wirkungen von verschreibungspflichtigen Medikamenten töten alljährlich alleine in den USA 100.000 Menschen.

Darum wenden sich viele Wissenschaftler von Tierversuchen ab und suchen nach besseren Methoden. Sie erkennen, dass all die genetische Manipulation und alles Wunschdenken auf der Welt nicht aus einer Maus einen winzigen Menschen machen können.

Ein Anfang dieses Jahres veröffentlichter Artikel im British Medical Journal stellt einen erschreckenden Mangel an vorhandenen Beweisen fest, die den Glauben stützen, Tierversuche würden dem Menschen in irgendeiner Weise nützen. Eine Studie im Auftrag der Europeans for Medical Advancement (Europäer für medizinischen Fortschritt) kam zu dem Ergebnis, dass mehr als 80 Prozent der Ärzte für Allgemeinmedizin (physicians in general Practice) in Europa der Ansicht sind, dass Tierversuche wertlos und sogar gefährlich für ihre Patienten sind.

Jahr für Jahr werden immer neuere, billigere, schnellere und genauere tierversuchsfreie Methoden entwickelt und auf den Markt gebracht. Die MatTek Corp. in Massachusetts bietet 3-D Gewebemodelle von Körperteilen an unter Verwendung von menschlichen Zellen. Für zahlreiche Pharmaunternehmen erbringen diese "lebenden" Gewebe genauere Ergebnisse als die alten, grausamen Tests an Tieren. Johnson & Johnson, Procter & Gamble, Unilever und DuPont sind nur einige wenige der Firmen, die MatTek's Tests verwenden und Millionen in die Entwicklung tierversuchsfreier Forschung investieren.

Physiome Sciences in England setzt bei der Entwicklung neuer Medikamente überhaupt keine Tiere ein. Die Belegschaft dieses erfolgreichen Unternehmens setzt sich aus Wissenschaftlern zusammen, die für traditionelle Pharmaunternehmen gearbeitet hatten. Sie waren frustriert über die Informationen, die Tierversuche nicht über Menschen lieferten und entwickelten erstaunliche dreidimensionale Computermodelle, die die Wirkung einer Chemikalie auf sämtliche Körperorgane voraussagen können.

Hier jedoch müssen Millionen Tiere immer noch ihr Leben in stillem Elend in armseligen Käfigen zubringen, obwohl uns die Wissenschaft wieder und wieder lehrt, dass wir nach besseren Methoden suchen müssen, wenn wir Menschen helfen wollen. Es geht hier nicht nur um schlechte Wissenschaft. Es ist grausam und unethisch, Tiere so zu behandeln als seien sie Reagenzgläser mit einem Schwanz und nicht etwa lebende, fühlende, leidensfähige Wesen wie wir.

Und wie können wir Bedingungen zulassen wie die, die People for the Ethical Treatment of Animals in ihren Undercover-Ermittlungen aufgedeckt hat? Dreckige, überfüllte Käfige, verdorbenes Futter, infizierte Wunden, Tiere, die zum Wahnsinn getrieben werden durch die Einsamkeit und das Nichtstun, das jeden einzelnen ihrer Tage bestimmt.

Die Argumente, die von Tierexperimentatoren angeführt werden, sind wohlbekannt: Wir müssen Tiere benutzen, um Krankheiten der Menschen zu heilen. Doch es ist Zeit für einen neuen Schlachtruf: Wir dürfen uns nicht mit der grausamen, zweitbesten Forschungsmethode zufrieden geben, sondern müssen voranschreiten und effektivere, humanere Methoden entwickeln und einsetzen.

Harald Ullmann