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Tiere im Zirkus: Missbrauch in der Manege

Während manche Kinder davon träumen mögen wegzulaufen, um zum Zirkus zu gehen, dürften wohl die meisten Zirkustiere, die dort zu ihren Kunststückchen gezwungen werden, davon träumen, ihm zu entfliehen. Ein farbenfroher Pomp verschleiert die Tatsache, daß die Zirkustiere nur Gefangene sind, die man dazu nötigt, unnatürliche und oft sogar schmerzvolle Darbietungen zu bringen, die die Menschen dann "Unterhaltung" nennen. Zirkusse würden ganz schnell an Attraktivität verlieren, würden der breiten Öffentlichkeit Einzelheiten darüber bekannt, wie die Tiere behandelt, in absoluter Beengtheit gehalten, trainiert und schließlich "in Rente" geschickt werden.

Ohne Moos nix los
Mal abgesehen von den wirklich großen und berühmten Zirkussen, für die dies nicht zutrifft, leiden doch die meisten Zirkusse an ständigem Geldmangel, was dazu führt, daß die von ihnen gehaltenen Tiere oft unter einer nicht angemessenen Behandlung und Pflege zu leiden haben. Die Tiere, die zumeist recht groß und/oder von Natur aus sehr aktiv sind, müssen den überwiegenden Teil ihres Lebens in ihren winzigen Transportkäfigen verbringen; diese dürfen sie meist nur für die kurze Zeit ihrer Darbietungen in der Manege verlassen. Richtlinien verlangen lediglich, daß die Tiere genügend Platz in ihren Käfigen haben, um stehen und sich umdrehen zu können. Aber selbst diese Mindestanforderungen werden oft nicht einmal erfüllt.

Ein Tierrechtler, der 1981 verdeckt in einem Wanderzirkus ermittelte, konnte nur staunen, denn der Zirkus war zeitweise nicht einmal in der Lage, den Tieren ausreichend Wasser zur Verfügung zu stellen. Solche Wanderzirkusse wie der beschriebene, besuchen im Frühjahr, Sommer und Herbst etwa 150 Städte, und eine Frischwasserversorgung ist nicht unbedingt überall gewährleistet. (1) Folglich wird das Trinkwasser rationiert, das Reinigen der Tiere und ihrer Käfige teilweise ganz unterlassen. Dies bedeutet für Tiere wie z.B. Elefanten, die ein regelmäßiges Baden gewohnt sind, eine echte Härte. Die Nahrung wird häufig gleichermaßen rationiert.

Auch was die klimatischen Verhältnisse angeht, entspricht das Zirkusklima in keiner Weise der natürlichen Umgebung der Tiere. So können beispielsweise gerade die Sommermonate extrem schwer zu ertragen sein für Tiere wie Bären, während andere Tiere wie z.B. Löwen wiederum entsetzlich unter Kälte leiden. Tierärzte, die qualifiziert wären und sich mit exotischen Tieren auskennen, sind ebenfalls selten vorhanden oder verfügbar, und so sind schon Tiere aus Mangel an ordentlicher ärztlicher Versorgung gestorben.

Während des Winters, also außerhalb der Saison, werden die Zirkustiere meist in Transportverschlägen oder in engen Ställen gehalten; manche Tiere hält man sogar in LKWs. Solch ununterbrochenes Eingepferchtsein kann sehr schwerwiegende und schädliche Auswirkungen auf den physischen und psychischen Zustand der Tiere haben. Nur wenige Zirkusse verfügen über die finanziellen Mittel oder sind bereit, viel Geld in angemessene Winterquartiere für die Tiere zu stecken, da diese alljährlich nur wenige Monate lang benötigt werden. (2)

Unnatürliche Darbietungen
Körperliche Bestrafung war lange Zeit die gängige "Trainingsmethode" für Zirkustiere, auch wenn moderne Trainer häufiger dazu übergehen, eher mentale Kontrolle über das Tier auszuüben und ihm auf diese Weise "Kunststückchen" beizubringen.

Manche Tierarten sind allerdings weniger imstande, sich Trainigsmethoden anzupassen, als andere und leiden daher ganz erheblich unter Streß während der Ausbildungsphase. Anderen Tieren wiederum werden Medikamente verabreicht, damit man sie überhaupt handhaben kann, oder man entfernt ihnen die Zähne. Die Darbietungen, die die Tiere zwangsweise bringen müssen - z.B. Bären, die auf Bällen balancieren, Affen, die Motorräder fahren, Elefanten, die auf nur zwei Beinen stehen müssen - sind körperlich sehr unbequem und außerdem für die Tiere völlig unnatürlich. Die Peitschen, engen Halsbänder, Maulkörbe, Elektroschock-Knüppel und sonstigen Werkzeuge, die bei den Vorführungen in der Manege verwendet werden, beweisen immer wieder, daß die Tiere nur unfreiwillig und unter Zwang agieren. Diese oberflächlichen "Darbietungen" entwürdigen die Tiere und lehren die Zuschauer aber auch gar nichts darüber, wie sich Tiere unter natürlichen Umständen verhalten. Stattdessen werden die Zirkustiere oft als "wild" oder "dumm" im Vergleich zu ihren "mutigen" oder "gebietenden" menschlichen Gegenparts dargestellt. Ihre wahre Natur wird jedoch nicht gezeigt.

Ein Leben in Einsamkeit
Ist die "Nutzdauer" eines Tieres für Vorführungszwecke einmal abgelaufen, werden sie entweder permanent in ihre Winterquartiere (also oft Käfige) verbannt oder an andere Zirkusse, Zoos oder private Menagerien verkauft; in manchen Ländern werden sie sogar an Jagdfarmen (um dort zur "Freizeitentspannung" erschossen oder als exotische Mahlzeit verspeist zu werden) oder gar an Versuchslabors veräußert. Oft gestaltet sich ihr Lebensabend genauso wenig friedlich oder komfortabel wie ihr übriges Leben: eingepfercht, unter Zwang, in Elend.

Die Verwendung von Tieren in der Unterhaltungsbranche wurde bereits in mehreren Ländern stark eingeschränkt oder gar verboten, so z.B. in Österreich, Dänemark und Schweden. In England verweigert man Zirkussen, die Darbietungen mit Tieren bringen wollen, oft öffentliche Plätze. Die Beendigung der Tierausbeutung würde lediglich bedeuten, daß mehr menschliche Darbietungen für die Unterhaltung der Menschen gebracht würden, und das würde dazu beitragen, endlich die völlig überholte und absolut falsche Vorstellung abzulegen, daß die Tiere nur unsere Spielzeuge sind. Indem Sie sich weigern, Zirkusse zu besuchen, d.h. finanziell zu unterstützen, können Sie denjenigen, die Tiere ausbeuten, klarmachen, daß Grausamkeit nichts mit Unterhaltung zu tun hat.





(1) Roush, Jeanne, "Animals Under the Big Top," The Humane Society News, Humane Society of the United States, Spring 1981.

(2) Rappaport, Sandra, "The Arena of Exploitation," Animlas Magazine, Massachusetts SPCA.
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