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Xenotransplantation:Frankenstein läßt grüßen

Stand: April 2008

Xenotransplantationen sind chirurgische Organverpflanzungen, bei denen Spender und Empfänger unterschiedlichen Spezies angehören. Die Erfolgsrate dieser speziellen Organverpflanzungen ist gleich Null. (1) Die Verpflanzung lebenswichtiger Organe und anderer Körperteile, wie z.B. Knochenmark, die Tieren entnommen werden, sind Teil experimenteller Behandlungsmethoden bei degenerativen Organerkrankungen und Virusinfektionen wie Hepatitis und AIDS. Nach jahrzehntelanger Forschung haben sich Xenotransplantationen als extrem kostspielige Fehlschläge erwiesen, die außerdem noch schwerwiegende Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung mit sich bringen.


Ein blutiger Pfad

Seit 1905 wurden mindestens 34 Schweine, Schimpansen, Affen und Paviane zu unfreiwilligen "Spendern" von Nieren, Herzen, Lebern und Knochenmark für die Verpflanzung in Menschen. (2) Das Elend dieser für Versuche mißbrauchter Tiere beginnt mit ihrer Geburt, wenn sie per chirurgischer Uterusentfernung auf die Welt kommen; danach werden sie isoliert, um sie frei von Infektionen zu halten. (3) Die Tiere werden in der sterilen Laboratmosphäre jeglichen Sinnesreizen entzogen und dürfen keinerlei soziale Kontakte mit ihren Artgenossen pflegen. Kommt dann die Zeit für die Tiere, ihre Organe zu "spenden", werden sie getötet.


Jedes einzelne dieser Experimente war ein Fehlschlag, wobei die meisten Empfänger binnen weniger Stunden, Tage oder Wochen starben.


Eine schlechte Wissenschaft

Das menschliche Immunsystem ist so konzipiert, daß es Fremdobjekte identifiziert und abstößt. Organverpflanzungen von Mensch zu Mensch stützen sich auf Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, um so ein Abstoßen des verpflanzten Organs zu verhindern. Die genetischen Unterschiede machen Transplantate von fremden Spezies jedoch für das menschliche Immunsystem besonders auffällig. Selbst unsere engsten Verwandten, die Schimpansen, unterscheiden sich noch sechs mal mehr von uns als wir es untereinander tun, und das Risiko, daß ein Pavian-Organ abgestoßen wird, liegt sogar 25 mal höher als bei einem ungeeigneten menschlichen Organ. (4) Wissenschaftler im Bereich der Xenotransplantation haben immer wirkungs vollere Methoden zur Unterdrückung des Immunsystems entwickelt, um diese natürliche Reaktion des menschlichen Körpers zu überwinden. Allerdings führen diese Behandlungen logischerweise zu einem Immunmangel, der den Organempfänger auch ganz besonders empfänglich für tödliche Infektionen macht.


Verborgene Gefahren

In mehreren, erst kürzlich durchgeführten Experimenten zur Xenotransplantation haben Wissenschaftler sogar die Unterschiede zwischen den Spezies aufgeführt und dadurch versucht, die Verwendung von Tierorganen zu rechtfertigen.1992 pflanzte ein von Dr.Thomas Starzl von der Universität von Pittsburg geleitetes Team einem 35-jährigen Mann, der an Hepatitis B litt, eine Pavianleber ein. Die Wissenschaftler schlußfolgerten, daß eine Pavianleber die Chancen des Patienten zu überleben erhöhen würden, da das Hepatitisvirus keinen Schaden an einer Pavianleber hervorruft. Zwei Monate später starb der Patient an einer massiven Gehirnblutung. (5)


1995 erhielt der AIDS-Patient Jeff Getty eine Knochenmarktransplantation eines Pavians. Paviane, die mit dem menschlichen HIV-Virus infiziert sind - also dem Virus, von dem man annimmt, er verursache AIDS - entwickeln keinen lebensbedrohlichen Immunmangel, der ja char charakteristisch für AIDS beim Menschen ist. Knochenmark stellt einen wesentlichen Bestandteil des Immunsystems dar, und so stellten Getty's Ärzte die Hypothese auf, daß sie durch Verpflanzung dieses Teils in ihren Patienten ein "Parallel-" Immunsystem erzeugen könnten, welches dann das Virus bekämpfen würde. Jedoch schon wenige Wochen nach der Transplantation mußten die Ärzte zugeben, daß das Experiment mißlungen war und man keine Spuren von Pavianzellen in dem Patienten finden konnte. (6)


Vor der Genehmigung des Getty-Experimentes hielt die FDA, die amerikanische Nahrungs- und Arzneimittelbehörde, eine Expertenkonferenz mit Immunologen ab, um die Gefahren und den möglichen Nutzen zu diskutieren. Man war sich allgemein darin einig, daß diese Prozedur den Patienten eher töten als ihm helfen würde. (7) Es ist indess eine Tatsache, daß zahlreiche Wissenschaftler nach einem Moratorium für alle Xenotransplantationen verlangen wegen der Gefahr der Entfesselung neuer Erkrankungen in der menschlichen Bevölkerung. Viele Mikroben, die in einer Spezies gänzlich harmlos sind, können bei anderen zu Erkrankungen führen. Paviane beispielsweise sind gewöhnlich Träger von Infektionserregern, die für den Menschen gefährlich oder sogar tödlich sind. Dazu gehören: Yersinia pestis, eine Seuche, die eine Schwellung der Lymphknoten in den Leisten zur Folge hat, das Marburg-Virus, das tödliche Ebola-Virus und "Hantavirus". (8) Zusätzlich zu diesen bekannten Krankheitserregern können Tiere auch Träger bisher unbekannter Viren, Bakterien und Parasiten sein, die sich für den Menschen als tödlich erweisen könnten. Zahlreiche menschliche Epidemien - AIDS eingeschlossen - können aller Wahrscheinlichkeit nach auf Mikroben zurückgeführt werden, die von einer Spezies auf eine andere "überspringen".


Patientenerklärung

Wie bei jedem anderen lebensgefährlichen medizinischen Eingriff müssen auch die Empfänger von Xenotransplantaten eine Patientenerklärung unterzeichnen, bevor sie sich diesem Eingriff unterziehen, wobei sie bescheinigen, daß sie über die Risiken, die mit dem Eingriff verbunden sind, sowie über die verfügbaren Alternativen aufgeklärt wurden. Man darf wohl zu Recht daran zweifeln, daß man todkranke Patienten mit allen Fakten konfrontiert hat, die bei der Verpflanzung von Organen einer anderen Spezies zu berücksichtigen wären. Viele Patienten sind der Überzeugung, daß Ärzte ihr Leben retten wollen, und glauben nicht, daß man sie für sinnlose Experimente benutzen würde. 1984 pflanzten Ärzte an der Loma Linda Universität in Kalifornien einem Kleinkind mit angeborenem, schwerem Herzfehler ein Pavianherz ein. "Baby Fae" starb 20 Tage nach dem Eingriff. Im Nachhinein entschied ein unabhängiges Prüfungskomitee, daß es wenigstens drei Alternativen für eine Behandlung gegeben hätte, die allesamt wesentlich aussichtsreicher gewesen wären als diese Xenotransplantation. Zahlreiche Medizin- Ethiker verurteilten Dr.Leonard Bailey, der das Experiment durchführte, weil er Baby Fae's Mutter hatte annehmen lassen, dieses Experiment biete ihrem Baby eine reelle Chance zum Überleben.


Kostspielige Fehlschläge

Zusätzlich zu dem Tribut an Menschen- und Tierleben ziehen Xenotransplantationen wertvolle Geldmittel von Behandlungsmethoden ab, die tatsächlich lebensrettend sind. Jede derartige Organverpflanzung kostet zwischen $ 250.000 und $ 300.000. (9) Das experimentelle Transplantationsprogramm der Universität von Pittsburgh erhält alleine mehr als $ 8 Millionen pro Jahr an Fördergeldern, weitestgehend durch staatliche Förderung von der amerikanischen Nationalen Gesundheitsbehörde (NIH). Gleichzeitig bleiben zahlreiche vielversprechende, neue Behandlungsmethoden für AIDS und andere lebensbedrohliche Erkrankungen wegen Geldmangel unerforscht. Staatliche Programme zur Requirierung von Organspendern erhalten weniger als eine halbe Million Dollar jährlich.


Selbst für solch grundlegende und nachweislich lebensrettende Programme, wie z.B. Unterbringung, Pflege und Behandlung von AIDS-Patienten, wurden die Mittel gekürzt. Die meisten der Erkrankungen, für die man Xenotransplantationen vorschlug, darunter AIDS, Hepatitis B und andere degenerative Organerkrankungen, sind vermeidbar, doch erhalten Programme für Vorbeugemaßnahmen praktisch keine öffentlichen Mittel.


Werden Sie Organspender

Diejenigen, die sich für Organspenden anderer Spezies aussprechen, benutzen die Tatsache als Argument, daß es nicht genügend menschliche Organspenden gebe, um so ihre Handlungsweise zu rechtfertigen. Alljährlich werden Tausende von Menschen mit funktionstüchtigen Organen beerdigt, die für eine Organspende geeignet wären, und das sind weit mehr als die 3.400, die sterben, während sie auf Organspende-Wartelisten stehen. (10) Einige europäische Organspendeverfahren sehen jede Person generell als Organspender an, wenn nichts anderes angegeben wurde. Die Last der Entscheidung verbleibt dann bei Einzelpersonen (oder ihren Familien), falls sie die Organe nicht spenden möchten. Aber selbst bei dem derzeitigen System haben Patienten eine längere Überlebenschance, wenn sie nämlich auf ein menschliches Organ in letzter Minute warten, als wenn sie sich ein Tierorgan verpflanzen lassen. (11)


1986 initiierte PETA daher eine Kampagne, um Tier- und Menschenleben zu retten, indem sie die Menschen aufrief, sich als Organspender zur Verfügung zu stellen.



(1) Associated Press Wire Report, "Doctors Call Use of Baboon Livers 'Bad Science'", Los Angeles Times, Feb. 1, 1993.

(2) Steele, David J.R., and Hugh Auchincloss, "The Application of Xenotransplantation in Human-Reasons for Delay," ILAR Journal, 37(1);13-15, 1995.

(3) Michaels, marian, and Richard Simmons, "Xenotransplant-Associated Zoonoses," Transplantation, 57:1-7, 1994.

(4) Lowenstein, Jerold, "Fundamental Damage," BBC Wildlife, Aug. 1986.

(5) Doris, Margaret, "The Animal Within: The Risks and Ethics of Trans-Species Transplants," New York Perspectives, Oct. 16, 1992.

(6) Boudreau, John, "Baboon Cells Not Found in Patient," Contra Costa Times, Feb. 8, 1996.

(7) Altman, Lawrence, "Doctors Treating AIDS Patient Turn to Baboon Marrow Cells," The New York Times, Dec. 15, 1995.

(8) Thacher, Wendy, "Transplantation Information," Physicians Committee for Responsible Medicine News Release, Jul. 1, 1992.

(9) Altman.

(10) Colburn, Don, "Organ Donations Hinge on Survivor's Consent," The Washiongton Post Health Section, Aug.4, 1995.

(11) Steele and Auchincloss.

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