Zwei Gründe um Gänsestopfleber zu verbieten
Im letzten Jahr statuierte die Stadt Chicago durch das Verkaufsverbot von Gänsestopfleber einen Meilenstein gegen die Tierquälerei, die bei der Produktion dieser „Delikatesse“, Tag täglich stattfindet. Dieses Verbot ist nun aber in Gefahr, größtenteils ausgelöst durch politische Kräfte und Restaurantbetreiber. Letztere befürchten finanzielle Einbußen im täglichen Geschäft, insbesondere auch den Verlust von großen Kunden, so den Lieferanten der Gänse selbst.
Ich engagiere mich nun für die Gänse in Chicago und Philadelphia - wo das gleiche Verbot vorgeschlagen worden ist - und überall sonst auch.
Kürzlich erst habe ich zwei Peking Enten “kennengelernt” und nun verstehe ich auch, dass sie es verdienen jemanden auf ihrer Seite zu haben. Quackers und Crackers (diese Namen wurden ihnen von meiner achtjährigen Tochter gegeben) haben mir gezeigt, dass jeder der denkt, Gänse seien nicht mehr als die Summe ihrer eigenen Körperteile, eigentlich nie eine Gans kennengelernt haben kann.
Diese Gänse wurden vom Hof eines Mannes befreit, der sie in einem kleinen Verschlag - ohne Einstreu, frisches Wasser oder etwas Essbaren - gefangen hielt. Eine dritte Gans, die sich mit den zwei Gänsen in dem Verschlag aufhielt, konnte leider nur noch tot gefunden werden.
Als die Tiere zu uns kamen waren ihre Beine so dünn, dass sie Schwierigkeiten hatten ihr eigenes Gewicht zu halten. Ihre weißen Federn waren bedeckt von Schmutz und ihre Augen waren rot unterlaufen. Nun habe ich aber gelernt, dass Gänse frisches Wasser nutzen um ihre Federn und Augen zu waschen, diese Chance wird aber Tieren, die der Nahrungsmittelgewinnung dienen, nicht gegeben.
Nach einer intensiven Pflege der beiden Gänse kamen ihre Persönlichkeiten langsam zu Tage. Sie haben Lebensfreude, die jedem Kleinkind und Welpen konkurrieren könnte. Sie lieben es gleichermaßen im Dreck zu spielen wie auch sich mit Wasser zu bespritzen, so dass sie mir schnell beigebracht haben Wasser in eine Ecke unseres Hofes und eine Box gefüllt mit Sand in eine andere zu stellen.
Gänse - so scheint es - lieben es herum zu tollen. Darüber hinaus sind sie sehr experimentierfreudig: Als ich eines Tages den Sprinkler zum Spielen für meine Kinder anmachte, sahen die Gänse meinen Kindern aufmerksam zu. Kurze Zeit später waren sie diejenigen, die auf und ab im spritzenden Wasser herum liefen, dabei wackelten ihre Schwänze vor Entzücken. Ebenso wurde auch ein Heuballen, den ich über ein „Loch“ im Rasen gestreut hatte zum Ausgangspunkt für einen amüsanten Nachmittag.
Vergleichen sie nun die Freude und Ausgelassenheit von Quackers und Crackers mit dem Leben der Tiere, die der Gewinnung von Gänsestopfleber dienen: Oft in engen Käfigen gefangen gehalten, werden die Tiere - mit Hilfe eines Rohrs, das an eine pneumatische Pumpe angeschlossen ist und ihnen in die Speiseröhre geschoben wird - dazu gezwungen, auf ein Idealgewicht „heranzuwachsen“.
Dabei leiden die Tiere in den meisten Fällen an Pilz- oder bakteriellen Infekten, einer Fettleber oder aber an einem Hirnleiden infolge des Versagens ihrer Leber. Oft sind die Gänse so geschwächt, dass sie sich nur noch mit Hilfe ihrer Flügel am Boden entlang schleifen können. Ein PETA Ermittler sah bei einer Untersuchung auf einer Stopfleberfarm in New York eine Gans mit einer Wunde am Hals, die übersäht war von Maden. Die Verletzung war so schwer, dass Wasser aus der Wunde austrat, sobald die Gans versuchte zu trinken.
Während Chicago die erste Stadt ist, die den Verkauf von Gänsestopfleber verbietet, ist die Produktion dieser tierquälerischen Delikatesse bereits in 15 Ländern, so beispielsweise in Israel, der Schweiz, Deutschland und Großbritannien untersagt. Weitere Produktionsverbote sind geplant, so auch ein Verkaufs- und Produktionsverbot von Gänsestopfleber im Staate Kalifornien, spätestens im Jahr 2012.
Quackers und Crackers geben nicht viel auf Politik, aber ich bin mir sicher, dass sie einem Produktions- und Verkaufsverbot von Gänsestopfleber ein euphorisches Quaken entgegensetzen würden. Und sie haben einen schönen Schlammhaufen vorbereitet - für jeden der anders denkt als sie …
Christina Matthies schreibt für People for the Ethical Treatment of Animals (PETA); 501 Front St., Norfolk, VA 23510