»  »  »  »  » Krebs durch falsche Ernährung? Fleisch kann töten

Krebs durch falsche Ernährung?

Fleisch kann töten

Stand Oktober 2013
Von Dr. Neal D Barnard, Vorsitzender des Physicians Committee for Responsible Medicine

Foto: Corin Jeavons
Wenn wir über den Kampf gegen Krebs nachdenken, fallen uns wohl als erstes die Warnbilder ein, die man mittlerweile auf Zigarettenschachteln in Deutschland und anderen Ländern findet. (1) Sie haben dazu beigetragen, dass weniger Menschen rauchen und somit auch die einhergehenden Krankheitsrisiken weiter sinken lassen. Ähnliche Warnhinweise sollte es auch auf den Verpackungen von Fleisch und Milchprodukten geben und zwar aus dem gleichen Grund. Im Gegensatz zu pflanzlichen Nahrungsmitteln, die unsere Gesundheit fördern, bringen Fleisch und Milchprodukte die gleichen Gefahren wie das Rauchen mit sich: Sie erhöhen unser Risiko für Schlaganfall, Herzkrankheiten und Krebs, um nur einige zu nennen.

Für das Jahr 2012 berechneten Wissenschaftler in Deutschland rund 486.000 neue Krebserkrankungen. (2) Im Jahr 2008 war ungefähr jeder vierte Todesfall auf Krebserkrankungen zurückzuführen. Rund 220.000 Menschen starben daran. Bei Frauen stehen Brustkrebs und Darmkrebs an erster Stelle als Todesursache unter den Krebserkrankungen und auch Männer leiden überwiegend an bösartigen Neubildungen der Verdauungsorgane. (3) Die Weltgesundheitsorganisation ermittelte, dass gesunde Lebensstilfaktoren, einschließlich einer gesunden Ernährung, Nichtrauchen und sportlicher Aktivität, mindestens 30 Prozent aller Krebsfälle in westlichen Ländern verhindern könnten. (4)

Im Ernährungsbericht 2012 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung werden rotes Fleisch und Fleischerzeugnisse mit Dickdarm- und Mastdarmkrebs in Verbindung gebracht. Außerdem ist auch ein Zusammenhang mit Speiseröhren- und Magenkrebs möglich. Krebsarten in den Verdauungsorganen stellen laut den Angaben vom Statistischen Bundesamt 2012 mit die häufigsten Krebsarten dar.

In Ländern, in denen mehr Fett – insbesondere tierisches Fett wie z.B. aus Fleisch und Milchprodukten – konsumiert wird, treten mehr Fälle von Brustkrebs auf. (5) Eine Analyse der Daten von fast 15.000 Ärzten zeigte, dass Männer, die mindestens fünf Mal pro Woche rotes Fleisch aßen, häufiger an Prostatakrebs erkrankten als Männer, die seltener als einmal pro Woche rotes Fleisch aßen. (5) Andere Studien kamen zu dem Schluss, dass Fleischkonsum das Risiko, an Nieren- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken, steigern kann. (5)

Es gibt mehrere Hypothesen über den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Krebsrisko. Teilweise enthält Fleisch krebserregende Inhaltsstoffe, teilweise entstehen diese während der Verarbeitung oder Zubereitung. Weiterhin kurbelt der hohe Fettgehalt von Fleisch und Milchprodukten die Hormonproduktion an, was wiederum das Risiko auf Krebsarten erhöht, die im Zusammenhang mit Hormonen stehen, z.B. Brust- und Prostatakrebs. (5)

Wenn Sie Ihre Gabel nun eher als gefährliche Waffe betrachten, können Sie ganz beruhigt sein: Sie können diese Waffe nämlich auch einsetzen, um sich gegen Krebs zu schützen. Es kommt ganz auf die Munition an.

Pflanzlichen Nahrungsmittel fördern die Gesundheit.
Pflanzliche Nahrungsmittel enthalten viele Ballaststoffe, die den Durchlauf von Nahrungsmitteln durch den Dickdarm beschleunigen. So werden Karzinogene effektiv entfernt und die Zusammensetzung der Bakterien in Darm ändert sich, was zu einer Minderung der Produktion krebserregender Säuren führt. (5) Das Antioxidanz Vitamin C, das wir in Zitrusfrüchten und vielen Gemüsesorten vorfinden, kann das Risiko mindern an Speiseröhrenkrebs und Magenkrebs zu erkranken. Denn das Vitamin neutralisiert krebserregende Chemikalien, die im Körper gebildet werden und blockiert die Umwandlung von Nitraten in karzinogene Nitrosamine im Magen.

Carotinoide sind die Pigmente, die Obst und Gemüse ihre Farben verleihen. Sie können uns aber außerdem dabei helfen, uns vor Lungenkrebs zu schützen und Blasenkrebs, Mundkrebs, Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs und Brustkrebs zu vermeiden. Gemüsesorten wie Weißkohl, Brokkoli, Grünkohl, Steckrüben, Blumenkohl und Rosenkohl enthalten Flavonoide und Indol – Stoffe, die allem Anschein nach ebenfalls vor Krebs schützen können. (5) Die von vielen Veganern konsumierten Lebensmittel aus Soja enthalten Antikarzinogene, also sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die vor Krebs schützen, wie Lignane und Phytoöstrogene.

Die Ergebnisse der britischen Kollegen der bahnbrechenden Studie European Prospective Investigation Into Cancer and Nutrition (EPIC), zeigten auffällige Unterschiede zwischen Fleischessern und Veganern. Veganer nahmen im Vergleich zu den fleischessenden Teilnehmern weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Aufnahme von gesättigten Fettsäuren zu sich und verzeichneten die höchste Aufnahme an Ballaststoffen, Vitamin C und Vitamin E. (6)

Es überrascht daher nicht, dass englische und deutsche Studien gezeigt haben, dass Menschen, die kein Fleisch essen im Vergleich zu Fleischessern ein um ca. 40 Prozent niedrigeres Risiko haben, an Krebs zu erkranken. (7) Außerdem fanden Forscher kürzlich heraus, dass Menschen, die kein Fleisch essen eine mehr als doppelt so hohe Aktivität von natürlichen Killerzellen aufweisen als Fleischesser – spezialisierte weiße Blutkörperchen, die Krebszellen angreifen und neutralisieren. (8)

 

Was Sie tun können

Mit dem Rauchen aufzuhören, bleibt ein wichtiger Schritt zur Reduzierung unseres Krebsrisikos. Aber genauso wichtig ist es, Fleisch, Eier und Milchprodukte von unserem Speiseplan zu streichen.


Quellen:
(1) http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/zigarettenschachteln-mehr-warnung-weniger-werbung/7116898.html
(2) http://www.krebsinformationsdienst.de/grundlagen/krebsstatistiken.php
(3)https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Gesundheit/Todesursachen/Todesursachen2120400117004.pdf?__blob=publicationFile
(4) http://www.who.int/features/factfiles/cancer/facts/en/index9.html
(5) http://pcrm.org/health/cancer-resources/diet-cancer/facts/meat-consumption-and-cancer-risk
(6) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12740075
(7) http://www.pcrm.org/search/?cid=248
(8) http://www.pcrm.org/health/health-topics/foods-for-cancer-prevention

 

Würden Sie Ihr Kind rauchen lassen?

Copyright: Foto: Corin Jeavons