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Leidet Eisbär Wilbär doch unter der Zwangstrennung?

 
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Trotz „großem“ Gehege, vielfältigen Umweltreizen der „naturnahen Anlage“ im schwedischen Orsa Park und vorhandenen Sozialpartnern weisen Wilbär und Ewa extrem ausgeprägte Laufstereotypien auf.

Stand Juli 2009
Während die Wilhelma und der Orsa-Park in Schweden seit Wilbärs Zwangstrennung von seiner Mutter Corinna, der Öffentlichkeit ein friedliches, gesundes und glückliches Bild vom Zusammenleben von Wilbär und seiner „Partnerin“ Ewa im Orsa-Park verbreiten, zeigen uns jetzt übermittelte Filmaufnahmen das absolute Gegenteil:

 

 

Wilbär im schwedischen Orsa-Park.

Die Vorgeschichte

Angeblich fühlt sich Wilbär im schwedischen Orsa-Park „pudelwohl“ und er ist „glücklich“.

„Wilbär und Ewa im Glück. Und was könnte uns mehr erfreuen, als ein glücklicher Eisbär namens Wilbär? Zwei glückliche Eisbären, natürlich!.“ (11)
„Kurzum: Hier fühlte sich Wilbär von Anfang an pudelwohl.“ (7)
„Wilbär und Ewa: Heiße Liebe im Eis.“ (5)
„Tauchen, planschen, klettern: Wilbär fühlt sich pudelwohl.“ (10)
„Allzu groß dürfte der Trennungsschmerz aber nicht ausfallen – zumindest bei Wilbär. Er aalt sich in seinem Pool und fühlt sich pudelwohl…“ (12)


Das Video beweist: Wilbär und Ewa laufen immer wieder stereotyp und völlig apathisch den Zaun ihres Geheges ab.

 

Wilbär hinter Gittern.

Zwangstrennung mit Folgen für die Gesundheit?

Wochen vor der Zwangstrennung von Wilbär haben wir davor gewarnt, dass Wilbär durch die zu frühe Trennung einen Schaden davon tragen könnte. Besonders vor der Gefahr von möglichen späteren Verhaltensstörungen haben wir hingewiesen.

Natürliche Aufzucht ade? (Link zum Artikel)

Auch das zuständige Veterinäramt haben wir in einer schriftlichen Anzeige aufgefordert, eine Zwangstrennung zu unterbinden.
Veterinäramt soll Eisbär Wilbär und seine Mutter vor möglichen Schäden bewahren. (Link zum Artikel)

Selbst der Beweis, dass Wilbär sogar noch von seiner Mutter gestillt wurde hatte die Wilhelma und das Veterinäramt nicht davon überzeugt, für das Wohlbefinden und gegen die zu frühe Zwangstrennung zu entscheiden.

Wilhelma-Skandal: Wird Wilbär noch von seiner Mutter Corinna gestillt? (Link zum Artikel)

Trotz unserer Warnungen und Forderungen wurde Wilbär dennoch von seiner Mutter zwangsgetrennt.

Und nun zeigt Wilbär eine ausgeprägte Verhaltensstörung (Laufstereotypie), die er nicht einmal auf der viel zu kleinen Anlage in der Wilhelma gezeigt hat. Solch eine extrem ausgeprägte Bewegungsstereotypie zeigten bis heute nur seine Mutter Corinna und ihr Vater Anton.

Noch vor der Zwangstrennung und Abschiebung nach Schweden ließ die Wilhelma aber verlauten:
„Und wenn Wilbär erst im Orsa-Park angekommen ist, dort seine neue spannende Umgebung erkunden und Ewa kennenlernen kann, wird auch er sich sehr schnell umstellen und wohlfühlen.“ (6)
„…sondern die beiden (Mutter und Wilbär) haben sich auch weit genug abgenabelt, um eine Trennung gut zu verkraften.“ (8)


Und selbst das zuständige Stuttgarter „Amt für öffentliche Ordnung“ schrieb uns in einer Antwort, zwei Tage vor der Zwangstrennung:
„Darüber hinaus bietet die größere und hochmodern ausgestattete Anlage, in die Wilbär kommen soll, für ihn eine Vielzahl neuer Reize, die daher keine Verhaltensprobleme aufkommen lassen.“ (13)
„Außerdem kann das Muttertier zum jetzigen Zeitpunkt weniger zur weiteren Sozialisierung beitragen als ein jugendlicher Artgenosse.“ (13)


Doch die uns vorliegenden Filmaufnahmen beweisen, dass die Trennung Wilbärs von seiner Mutter wohl doch viel zu früh stattfand und Wilbär nun offensichtlich versucht, die Zwangstrennung (plötzliche Isolation von der Mutter) durch stereotypes Verhalten zu kompensieren, denn:
„Eine beeinträchtigte Sozialisierung durch mangelhaftes mütterliches Verhalten…kann später zusätzlich zu sozialen Spannungen sowie Verhaltensstörungen führen.“ (9)
„Soziale Isolation und das Deprivationssyndrom bei Kasper-Hauser-Tieren kann Stereotypien auslösen (Mason 1991; Wechsler 1991).“ (4)
S. Stempell; R. Schiewe; Dr. Ralf Wanker (2004):
„Besonders bei Säugetieren kann es zu komplexen Störungen der Verhaltensentwicklung kommen, wenn eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung vorliegt…“ (16)

Nicht optimale Haltungsbedingungen, fehlende Beschäftigung oder eine Vitaminmangelerkrankung im Orsa-Park können als mögliche Auslöser der Bewegungsstereotypien bei Wilbär und Ewa mit Sicherheit ausgeschlossen werden.

Wilbär zeigt also Verhaltensstörungen und leidet, denn Stereotypien sind keinesfalls mit Wohlbefinden verbunden.

Lesen Sie hier Expertenaussagen zum Thema Verhaltensstörungen (Stereotypien). (Link zum Artikel)

Wieder einmal zeigt sich, in welchem Interesse Zoos handeln, wie sehr ihnen das Wohlempfinden ihrer Tiere am Herzen liegt und wie weit die Aussagen eines Zoos und die Realität auseinanderklaffen.


Weitere PETA-Ausführungen zu Wilbär
Beweise für Tierquälerei: Eisbärenmutter Corinna sucht und schreit nach Wilbär
(Link zum Artikel)
Wilbär soll seiner Mutter entrissen werden
(Link zum Artikel)
Wilhelma: Wird Eisbär Wilbär doch von seiner Mutter zwangsgetrennt?
(Link zum Artikel)




Quellenangaben:
(1) Swaisgood & Shepherdson 2005, Wechsler; 1991
(2) Understanding stereotypies in captive Bears: the First step towards treatment; Sophie Vickery & Georgia Mason 2004
(3) Das Handlungsbereitschaftsmodell – ein Konzept zur Beurteilung und Bewertung von Verhaltenstörungen; ChristianeBuchholtz; 1993
(4) Komplexität und Reduzierbarkeit von Stereotypien bei ehemals depriviert gehaltenen Braunbären im Bärenpark Worbis; Ulrike Richter; 2004
(5) Nürtinger Zeitung vom 26.05.2009
(6) Pressemitteilung der Wilhelma vom 14.05.2009
(7) Wilhelma vom 17.05.2009
(8) Pressemitteilung Wilhelma vom 23.04.2009
(9) Prof. Dr. Hanno Würbel; tierrechte 3.07; Nr. 41; 2007
(10) Nürtinger Zeitung vom 18.05.2009
(11) Wilhelma vom 02.06.2009
(12) Stuttgarter Nachrichten vom 18.05.2009
(13) aus der Antwort des „Amt für öffentliche Ordnung“ vom 13.05.2009 zur PETA-Anzeige wegen der bevorstehenden Zwangstrennung von Mutter Corinna und Sohn Wilbär
(14) Sophie Vickery; Konferenz zur Internatioanlen Eisbärenhaltung in San Diego; 2004
(15) Wilhelma vom 02.07.2009
(16) „Der zoologische Garten“; 2004; Band 74; Heft 6