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Kein Freigang für Kängurus im Tierpark Hellabrunn München. Klicken Sie auf das Bild für eine Vergrösserung.

Winterzeit ist für viele Säugetiere im Zoo eine Qual

(Stand: 04.02.2010)

In der Winterzeit berichten die Medien immer wieder gern positiv darüber, wie es Tieren in deutschen Zoos bei diesen eisigen Temperaturen ergeht. Ganzseitige Zeitungsartikel oder lange Fernsehberichte sollen letztendlich das Gewissen der potenziellen Zoobesucher beruhigen und diese auch im Winter in die Zoos locken. Das Zoo-Geschäft muss auch zu dieser Jahreszeit laufen.

Aber leiden nicht gerade Säugetiere im Zoo unter den eisigen Wintertemperaturen? Können Elefanten, Affen oder Flusspferde bei dieser eisigen Kälte nicht sogar erfrieren? Wie gut haben es die Tiere also im Winter?

Der Zoo Berlin meint hierzu:

„Dann muss man aufpassen, dass den Elefanten und Nashörnern nicht die Ohren und der Schwanz anfrieren.“
„Giraffen – Bei ihren Beinen besteht die Gefahr, dass sie grätschen und sich verletzen, da muss man auch aufpassen.“


Säugetiere in deutschen Zoos erfrieren also nicht. Eher selten stürzen die Tiere auch auf gefrorenen Böden. Sie leiden also nicht unter den frostigen Temperaturen. Keiner braucht sich Sorgen machen! Wirklich nicht?

 

Klicken Sie auf das Bild, um die Liste als PDF-Datei herunterzuladen.

Bewegungs- und Reizarmut sind grausamer Zoo-Alltag

Die extrem niedrigen Temperaturen sind für viele Säugetiere, gerade aus wärmeren Gebieten, wirklich das geringste Übel. Viel schlimmer und qualvoller jedoch ist, dass ca. 50% der Säugetierarten (1) in deutschen Zoos oft wochen- oder monatelang nur noch in den viel zu kleinen und engen Tierhäusern eingepfercht bleiben, denn für Temperaturen unter 15 Grad plus (!) sind sie überhaupt nicht geschaffen. In unserer ausführlichen Liste (bitte Bild links anklicken) finden sie detaillierte Informationen zu den einzelnen Säugetierarten.

Hinzu kommt hier, dass fast alle Innengehege in Deutschlands Zoos, in denen die Tiere dann den ganzen Winter über ausharren müssen, ca. 1-50% kleiner sind als die Außengehege. Schuld hierfür sind die überalterten und von PETA als absolut tierquälerisch bezeichneten „Leidlinien“ aus dem Jahr 1995, die meist von den Zoos selbst erstellt wurden.

 

Beispiele für tierquälerische Bedingungen aus den „Leidlinien“:

Zwergflusspferd
Ca. 28 m2 (Innen- und Außengehege) bei über +15 Grad Celsius
Ca. 8 m2 (Innengehege) bei unter +15 Grad Celsius
Nashorn
Ca. 520 m2 (Innen- und Außengehege) bei über +18 Grad Celsius
Ca. 20 m2 (Innengehege) bei unter +18 Grad Celsius
Elefant
Ca. 530 m2 (Innen- und Außengehege) bei über +15 Grad Celsius
Ca. 15-30 m2 (Innengehege) bei unter +15 Grad Celsius

Gitterstäbe, Glaswände, Betonwände oder -böden sind also oft das Einzige, was diese Säugetiere dann für lange Zeit zu sehen und zu spüren bekommen. Keinerlei Umweltreize wie Wind, Sonne oder Regen, die das ohnehin triste Gefangenschaftsleben im Zoo erträglicher machen. Diese qualvollen Bedingungen hinterlassen natürlich ihre Spuren.
Besonders in der Winterzeit zeigen viele Säugetiere sehr ausgeprägte Verhaltensstörungen. Sie laufen besonders lange und oft stereotyp hin und her, weben ihren Körper oder werfen ihren Kopf ständig nach hinten. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Tiere aufgrund von schlechten Haltungsbedingungen in solche stereotypen Verhaltensweisen verfallen und darunter auch erheblich leiden.

 

Eingepfercht statt Freigang im Tierpark Berlin. Klicken Sie auf das Bild für eine Vergrösserung.

Begrenzter Freigang

Weitere ca. 21% der Säugetierarten (1) in deutschen Zoos dürfen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt oder bei Glätte ihr beheiztes Innengehege nur für kurze Zeit verlassen. Gerademal ca. 29% der Arten, die in deutscher Zoo-Gefangenschaft leben, sind weitestgehend kälteunempfindlich.
Erschreckend! 71% der Säugetiere in deutschen Zoos werden also im Winter in ihrer ohnehin schlechten Zoo-Lebensqualität nochmals erheblich eingeschränkt. Bewegungs- und Reizarmut sind dann oft grausamer Alltag. Säugetiere in deutschen Zoos leiden also doch unter den eisigen Temperaturen. Oft wird dies jedoch von den Medien und der Öffentlichkeit leider nicht wahrgenommen.

 

PETA Deutschland e.V. fordert daher:

Ein Auslaufen jeglicher Zoo-Gefangenschaft.
  • Ein schnellstmögliches Auslaufen der Zoohaltung für all jene Tiere, die in Deutschland schon aufgrund der Klimabedingungen nicht artgerecht gehalten werden können.
  • Eine sofortige Überarbeitung der überalterten und absolut tierquälerisch zu bezeichnenden „Leidlinien“ aus dem Jahr 1995.
  • Quellennachweis:

    (1) „Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“ (vom 10. Juni 1996)