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Überarbeitung der deutschen „Leid-Linien“ für Säugetiere in Zoo-Gefangenschaft

PETAs Stellungnahme

Nahezu jede Woche werden wir über schlechte Haltungsbedingungen in deutschen Zoos oder zooähnlichen Einrichtungen informiert. Bei näherer Betrachtung der Gehegegrößen und -gestaltung fällt dann oft auf, dass die für alle eigentlich sichtbar viel zu kleinen und trostlosen Gehege dennoch den derzeit geltenden deutschen „Leid-Linien“ („Säugetiergutachten“) entsprechen.

„Leid-Linien“ oder auch „Gutachten“ genannt, die bereits bei ihrer Erstellung im Jahr 1996 veraltet und nicht mehr zeitgemäß waren. Dennoch wurden sie, mit Stimmenmehrheit der Zoos, als ein reines Alibi-Gutachten verabschiedet und somit mit dem Mäntelchen des vermeintlichen Tierschutzes versehen.

Aber obwohl §2 des Tierschutzgesetzes vorschreibt, dass in Gefangenschaft gehaltene Tiere „verhaltensgerecht“ und ihren Bedürfnissen entsprechend „artgemäß“ untergebracht werden müssen, klafft hier oft eine große Lücke zwischen den wirklichen arttypischen Bedürfnissen der Tiere und der von den Zoos als artgerecht angepriesenen Zoorealität.

 

Eisbär im Rostocker Zoo

Leiden im goldenen Käfig

Gerade am Beispiel des Eisbären wird sehr gut deutlich, wie die wahren Bedürfnisse eines solch großen und sich in Freiheit meist wandernd fortbewegenden so genannten Landsäugetieres im extremen Maße ignoriert und nur durch erhebliches Leid unterdrückt werden. Hier erfahren Sie ausführlichere Informationen über das Leiden der Eisbären in deutscher Gefangenschaft.

Obwohl viele Tiere unter der Gefangenschaft sichtbar leiden, z.B. Eisbären die Verhaltensstörungen zeigen, und damit auch ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt, haben Anzeigen bei Staatsanwaltschaften und Veterinärbehörden oft keinen Erfolg.

Ein von Zoo-Lobbyisten gewolltes Dilemma


Entweder entsprechen die Gehege, in denen die Tiere dennoch sichtbar leiden, den „artgemäßen“ und „verhaltensgerechten“ Anforderungen dieser „Leid-Linien“ oder verbessernde Maßnahmen (Gehegevergrößerungen) können dann doch nicht durchgesetzt werden, weil diese „Leid-Linien“ plötzlich nur „Richt-Linien“ sind, an die man sich halten kann, aber aus rechtlicher Sicht vermeintlich nicht muss.

Letztendlich verbleiben die Tiere oft weiterhin in einer künstlichen, artfremden und Leid verursachenden Scheinwelt.

Endlich Reaktion auf jahrelange Proteste


Trotz jahrelanger Tierrechts- und Tierschutzproteste hat sich seit 1996 an der unhaltbaren Situation um diese „Leid-Linien“ nichts geändert. Nun endlich, fast 15 Jahre später, will die Bundesregierung hier anscheinend etwas unternehmen. In einem Schreiben (12.03.2010) an alle Tierrrechts-, Tierschutz- und Naturschutzverbände bittet die Bundesregierung diese um eine „Stellungnahme zum Aktualisierungsbedarf“.

Im April 2010 haben PETA Deutschland e.V. und 11 weitere Tierrechts-, Tierschutz- und Naturschutzverbände daraufhin eine gemeinsame Stellungnahme an die Bundesregierung zur Überarbeitung dieser „Leid-Linien“ abgegeben.

Lesen Sie hier die ausführliche Stellungnahme der Verbände.

 

Es bleiben Leid-Linien

PETA betrachtet eine mögliche Überarbeitung der „Leid-Linien“, wenn sie denn überhaupt von der Bundesregierung auch durchgeführt wird, dennoch nur als Übergangslösung. Denn letztendlich kann keine noch so große und naturnahe Anlage eine Gefangenschaft von so genannten Wildtieren rechtfertigen oder gar nachweisliches Leiden beseitigen.

In jedem Fall ist als Sofort-Maßnahme, entweder in Form eines Erlasses oder als Verfügung der für die Zoos zuständigen Veterinärbehörden, ein Nachstellungsverbot auf den Weg zu bringen. Damit wird erreicht, dass nicht weitere Verhaltens“krüppel“ nachgezüchtet werden und schon jetzt begonnen wird, z.B. die Eisbärenhaltung auslaufen zu lassen.

Zoos haben für PETA nur als Übergangslösung in Form einer Auffangstation für beschlagnahmte Tiere eine Daseinsberechtigung. PETA plädiert daher für ein generelles Auslaufen jeglicher Gefangenschaftshaltung von so genannten Wildtieren.

Denn auch ein goldener Käfig bleibt ein Käfig.

PETA Deutschland e.V. fordert daher:



Eine sofortige Überarbeitung der überalterten und absolut tierquälerisch zu bezeichnenden „Leidlinien“ aus dem Jahr 1995.
  • Offenlegung von Obduktionsberichten, Zuchtbüchern und Tierbestandslisten
  • Offenlegung des Verbringungsortes von Tieren
  • Ein sofortiges Zuchtstopp erwirken
  • Ein Auslaufen jeglicher Zoo-Gefangenschaft.
  • Ein schnellstmögliches Auslaufen der Zoohaltung für all jene Tiere, die in Deutschland schon aufgrund der Klimabedingungen nicht artgerecht gehalten werden können.