Kein Geld für marode Zoogehege, aber Millionen für ein Exotenfleisch-Restaurant
Satte 1,4 Millionen Euro hat der Restaurant-Neubau gekostet. Ein Skandal, wenn man bedenkt, dass gleich neben dem Restaurant drei Grizzlybären seit fast 20 Jahren auf eine Verbesserung ihrer Haltungsbedingungen warten.
Grizzlybären lieben das Wasser.
Aber der marode und antike Bärengraben hält schon lange kein Wasser mehr. Die Grizzlybären im Zoo Hoyerswerda müssen sich mit einer Pfütze von kleinem Becken und fast nur Betonboden begnügen. Diese schlechte und veraltete Haltung führt bei den Bären bereits sichtbar zu erheblichen Verhaltensstörungen. Aber auch andere Tiere im Zoo warten schon Jahre vergebens auf bessere Bedingungen.
Ist Gaumenschmaus gleich Artenschutz?
Während man beim Rundgang im Zoo Hoyerswerda auf „lebendige Art und Weise“ erfährt, wie angeblich erfolgreich die Erhaltungszucht bei Kudus, Zebras, Antilopen und Krokodilen in Hoyerswerda funktioniert, kann man später noch im Zoo selbst ein paar Artgenossen dieser Tiere verspeisen. Verwerflich!
Dr. Solm (Architekt des Gaststättenneubaues):
„Das Konzept der Gaststätte funktioniert nur in Verbindung mit dem Zoo, in dem es exotische Tiere gibt, auch aus Afrika.“
(Zitatquelle: Lausitzer Rundschau)
Mit „exotischem Fleisch“ beliefert wird das Zoo-Restaurant nach unseren bestätigten Informationen von der Firma „BARLU Lebensmittel-Service-GmbH“.
Alle Krokodilarten sind bedroht
Nach Auskunft des Bundesamtes für Naturschutz sind alle Krokodilarten, die in welcher Form (lebend, Häute, Fleisch) auch immer nach Deutschland importiert werden, bedrohte Arten.
Ob das Krokodilfleisch für das Hoyerswerdaer Zoo-Restaurant nun aus einer Zuchtfarm oder sogar aus Wildfängen stammt, spielt bei der Beurteilung des Artenschutzstatus also keinerlei Rolle.
Äußerst verwerflich bleibt das Fleischangebot in dieser Einrichtung allemal, zumal sich auch der Zoo Hoyerswerda eine angebliche „Arterhaltung“ auf die Fahne schreibt.
Zudem gibt es keine einzige Garantie dafür, dass das importierte Fleisch auch tatsächlich aus einer Zuchtfarm stammt.
Hinzu kommt der nachgewiesene brutale Umgang der Farmmitarbeiter mit den Tieren, der jegliche Rechtfertigungsversuche ad absurdum führt. In diesen Filmaufnahmen sehen Sie, wie brutal und quälerisch man mit den Reptilien dort umgeht, um an ihre Haut und ihr Fleisch zu gelangen.
Wo bleiben die Hoyaswerdarer Zootiere?
Nicht zum ersten Mal ist der Hoyerswerdaer Zoo in die Schlagzeilen geraten, wenn es um den Verbleib von einst geliebtem Tiernachwuchs geht. Ob spurlos verschwundene Tiger, viele Bären oder ein Zwergflusspferd, der ehemalige Zoodirektor Dr. Werner Jorga und die Stadt Hoyerswerda selbst haben bis heute nicht aufgeklärt, wo diverser Nachwuchs aus dem Zoo geblieben ist.
Bekannt ist, dass viele Tiere über den dubiosen Tierhändler Werner Bode abgegeben wurden, der nachweislich Kontakte zum belgischen Zootierschlachter Louis L. unterhielt. Aktuell tritt Herr B.
nun wieder mal in Erscheinung. Lesen Sie hier unsere aktuellen Recherchen über den verwerflichen Tierhandel anderer deutscher Zoos.
Aktuelle Informationen über Tierabgaben (klicken Sie das linksstehende Bild an) des Hoyerswerdaer Zoos für den Zeitraum 2006 bis September 2008 lassen Fragen und erneute Kritik aufkommen. Laut Abgabenliste gingen viele Tiere, u.a. auch drei Kudus, an „Het Veldhof Janssen“ (Belgien). Dies ist aber wieder kein Zoo, sondern ein Tierhändler, der nachweislich ebenfalls in diesem Zeitraum mit Herrn Bode Geschäfte machte. Auch Herr Bode war, obwohl man angeblich jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen haben will, offensichtlich weiterhin ein Geschäftspartner des Zoos. Ein uns vorliegendes Dokument lässt diese Vermutung zu.
Obwohl sich der Hoyerswerdaer Zoo beim Beitritt zum Weltzooverband (WAZA) dazu verpflichtet hatte, nach Grundsätzen des „Ethic Codex“ des WAZA zu handeln, hat er mit der Abgabe von Tieren an diesen belgischen Tierhändler erneut gegen diese Grundsätze verstoßen.
Denn im Ethik-Kodex heißt es:
„5. Abgabe von Tieren - Die Mitglieder überzeugen sich davon, dass die Empfängerinstitution über angemessene Unterbringungsmöglichkeiten für die abzugebenden Tiere verfügt und über Personal, dessen Ausbildungsstand ein Aufrechterhalten der WAZA-Maßstäbe zur Pflege und zum Wohlergehen der Tiere gewährleistet.“
Ein Tierhändler verfügt nicht über angemessene Unterbringungsmöglichkeiten, so wie eine zoologische Einrichtung. Er agiert nur als Zwischenstation.
Wo sind also wieder einmal viele Tiere aus dem Zoo verblieben?
Was wurde aus ihnen?
Wurden sie geschlachtet und ausgestopft?
Sind sie über „belgische Umwege“ letztendlich auf den Tellern des Zoo-Restaurants gelandet?
Ein echtes Interesse, diversen Tierhandels-Skandalen aus dem Weg zu gehen, hat die Stadt Hoyerswerda offensichtlich noch immer nicht. Denn in einer schriftlicher Antwort der Stadt, zu einer Anfrage nach dem Verbleib diverser Tiere schreibt der Hoyerswerdaer Oberbürgermeister Herr Skora am 22.01.2010:
„Es ist zutreffend, dass die Stadt Hoyerswerda Tiere an Herrn Janssen abgegeben hat. Vermutlich wird Herr Janssen einen Teil der Tiere behalten, da er selbst einen kleinen Tierpark betreibt. Zu der Frage, an welche Zoos Herr Janssen im Übrigen Tiere weitervermittelt, bitte ich Sie, sich direkt mit Herrn Janssen in Verbindung zu setzen, da wir uns nach Würdigung der Umstände, insbesondere aufgrund des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung und aus Datenschutzgründen nicht in der Lage sehen, die Frage zu der Tätigkeit einer Privatperson zu beantworten.“
Hoyerswerda kann oder will also wieder einmal nicht bestätigen, ob Tiere aus dem Zoo Hoyerswerda auch auf der Schlachtbank gelandet sein können. Offensichtlich ist der Stadt noch immer egal, was auch aus Steuergeldern finanziertem Tiernachwuchs wird.
Übrigens, Herr Janssen schweigt beharrlich über den Verbleib der Hoyerswerdaer Tiere. Denn auf eine schriftliche Anfrage vom 17.12.2009 hat dieser Herr uns bis heute nicht geantwortet.
Und so sieht wieder einmal die Realität einer Arterhaltungszucht im Hoyerswerdaer Zoo aus. Tiere verschwinden wieder einmal spurlos und ob sie letztendlich auch auf dem Teller des Zoo-Restaurants landen, ist wieder einmal nicht auszuschließen und den offiziellen der Stadt Hoyerswerda wohl erneut völlig egal.
(Stand: 03.02.2010)