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Reaktion aus Israel zum BVerfG-Urteil zur Holocaust-Kampagne

 
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Stand April 2009
Aleksandra und Shay Medhulam. Klicken Sie auf das Bild für eine Vergrösserung.
Bitte lesen Sie, warum Menschen wie ich und meine Mutter – eine Holocaust Überlebende – PETA Deutschlands Ausstellung “Der Holocaust auf Ihrem Teller” vom ersten Tag an unterstützten. Meine Mutter wurde als kleines Kind aus dem Warschauer Getto geschmuggelt und während des Krieges an 17 verschiedenen Orten versteckt. Die Entscheidung des deutschen Gerichts, von der wir erst vor einigen Tagen erfahren haben, zeigt lediglich, dass die Menschheit noch immer einen weiten Weg vor sich hat, um die Kräfte zu verstehen, die zu derartigen Gräueltaten führen sowie die menschliche Psyche, die hinter diesen Kräften steht.

Ich möchte Ihnen eine Nachricht von mir und meiner Mutter aus Israel zukommen lassen. Unserer Ansicht nach ist das Problem im heutigen Umgang mit dem Holocaust, dass ihn die Menschen als „diabolisch“ und „nicht menschlich“ ansehen, sondern eher als etwas, das „nicht aus dieser Welt“ stammt, dass es dies „niemals war und es so etwas auch niemals wieder geben wird“. Deshalb verstehen die Menschen nicht, dass Grausamkeiten aus den pragmatischsten und menschlichsten Gründen heraus entstehen, wenn bestimmte soziale und psychologische menschliche Umstände zusammenkommen. Der Holocaust könnte überall stattfinden und Holocausts finden jeden Tag statt. Die Entscheidung des Gerichts reflektiert genau die Gründe hierfür; die Entscheidung, die Kampagne würde “die Menschlichkeit degradieren” reflektiert das Problem: nämlich dass es “andere” in unserer Gesellschaft gibt, „andere“, deren Eigenschaften „niederer“ als „unsere“ sind und dass deshalb der Vergleich zwischen ihren und unserem Leid, der Vergleich zwischen den Gräueltaten, die ihnen und uns angetan werden, scheinbar eine Beleidigung ist.

Vor einigen Monaten fand vor dem Weizmann Wissenschaftsinstitut in Rehovot, Israel, eine Demonstration gegen die Affenversuche dort statt. Die Teilnehmer hatten verschiedene Schilder und riefen unterschiedliche Sprüche, aber das Schild meiner Mutter hob sich von den anderen hervor; auf ihm stand: „Mengele hat diese Dinge auch getan – mit meiner Familie“. Sicher können Sie sich vorstellen, dass derartige Angelegenheiten meine Mutter, die den Zusammenhang zwischen den Geschehnissen damals und heute sieht, sehr traurig und wütend machen, wie es meiner Meinung nach bei jedem der Fall sein sollte. Sie und ich fordern die Menschen auf, über all die Vorurteile und Ängste vor einem Denken, dass andere mit einschließt, hinwegzusehen und höchstens davor Angst zu haben, dies nicht zu tun. Nur wenn wir endlich aufhören, in „untergeordnet“ und „übergeordnet“ zu unterteilen, gibt es wieder Hoffnung, dass wir schließlich mit allen fühlenden Lebewesen angemessen umgehen können.

Shay Meshulam

Binyamina, Israel