Lammfell: Die Haut toter Tierbabys

Lammfell
Lamm- und Schaffelle gibt es in vielen Farben und Variationen – mit langen Haaren, kurz geschoren, braun, weiß oder rosa. Sie liegen in Kinderwagen, werden als Futter in Schuhe und Jacken genäht oder zieren üppige Familiensofas. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: eine Unterschicht aus Leder.

Denn wie Pelz sind auch Lamm- und Schaffelle nichts anderes als die Haut und das Fell gewaltsam getöteter Tiere.

Die meisten Lämmer und Schafe werden in Ländern wie China, Indien, Australien und Neuseeland getötet. Ihre Häute und Felle werden in alle Welt exportiert. (1) In vielen Ländern gibt es bis heute keine oder unzureichende Gesetze, die die Tiere zu Lebzeiten oder im Schlachthof schützen.

So jung werden Schafe für Lammfell getötet

Besonders beliebt ist das Fell von Lämmern – also Tierkinder unter einem Jahr. Ihr Fell und ihre Haut gelten als besonders weich und geschmeidig. Viele von ihnen werden daher viel zu früh von ihren Müttern getrennt und für die Fleischproduktion gemästet. Lammfelle sind jedoch kein „Abfallprodukt“, denn der Verkauf der Felle ist eine wichtige Einnahmequelle, die das Züchten und Töten unschuldiger Schafe zu einem lukrativen Geschäftsmodell macht. Einige Lämmer sind selbst erst wenige Wochen alt, wenn sie zum Schlachthaus transportiert werden und ihre Felle zu Babydecken oder als Einlage für Kinderwagen verarbeitet werden.  

Lebenserwartung Schafe

So schrecklich ist die Schlachtung für Lämmer und Schafe

Auch ältere Schafe, die schwer genug für die Fleischindustrie sind oder nicht mehr ausreichend Wolle produzieren, werden oftmals ohne Wasser und Nahrung über mehrere Stunden zum Schlachthof transportiert. Betäubungsversuche mit Elektrozange oder Bolzenschussgerät schlagen oftmals fehl – sofern sie überhaupt angewendet werden. Viele Tiere sind daher bei vollem Bewusstsein, wenn ihre Kehle durchgeschnitten wird. Dies beweisen verdeckte Videoaufnahmen aus Italien oder Frankreich, wo bei vollem Bewusstsein am Haken aufgehängte Lämmer und Schafe um sich treten und ausbluten (2, 3).

Lämmer auf Schlachthöfen getreten und lebendig aufgehängt

Auch Aufnahmen aus Schlachthöfen in Australien zeigen, wie Arbeiter auf junge, verängstigte Schafe eintreten und ihre Köpfe auf den harten Betonfußboden schleudern, um sie zu töten – all das vor den Augen ihrer panischen Artgenossen. (4) In einem spanischen Schlachthof wurde gefilmt, wie Lämmer von Arbeitern grob gepackt und viele Meter über Trennzäune geworfen werden. Verletzte Tiere werden zum Sterben allein auf dem Boden zurückgelassen. Im Schlachthof werden sie lebendig und zappelnd an einem Bein an ein Fließband gehängt, dann wird ihnen mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten. (5) Ihre Felle landen anschließend in den Betten und auf den Sofas zahlreicher Familien.

Das Leiden der Schafe in der Woll- und Fleischindustrie

Die meisten Schafe, deren Fell als Accessoires oder an die Modeindustrie verkauft wird, werden nicht nur für Lammfell, sondern auch für die Fleisch- oder Wollindustrie gezüchtet. Dort erleiden sie weltweit viele Qualen, wie etwa die schmerzhafte Kastration mit engen Gummiringen oder das Abtrennen der Schwänze mit Messern oder Zangen. Für Wolle werden viele Schafe zweimal im Jahr geschoren und dabei grob umhergeworfen, geschlagen und getreten. Häufig erleiden die Tiere tiefe Schnittverletzungen, die notdürftig und ohne Gabe von Schmerz- oder Betäubungsmitteln mit Nadel und Faden zugenäht werden.

Lammfelle aus Deutschland

Da die Wolle deutscher Schafe für Bekleidung und Textilien zu grob ist, werden Schafe in Deutschland vor allem zur Landschaftspflege und Fleischproduktion gezüchtet. Der Verkauf von Lammfleisch ist in Deutschland besonders lukrativ. Hierzulande sind daher auch 90 % der jährlich über 1 Million getöteten Schafe noch im Kindesalter, wenn ihnen die Kehle durchgeschnitten wird und ihre Häute zu Lammfellen verarbeitet werden. (6) Auch die in Deutschland verbreitete Weidehaltung von Schafen wirkt nur auf den ersten Blick idyllisch. Für viele Betriebe lohnt es sich aufgrund hoher Tierarztkosten nicht, kranke oder verletzte Tiere ärztlich zu versorgen. Im Sommer verdursten viele Tiere zudem vor leeren Wassertrögen. PETA hat schon mehrfach Strafanzeigen gegen deutsche Schäfer und Scherer gestellt.

Lammfell ist oftmals giftig und belastet die Umwelt

Allein der Gedanke, ein Menschenkind auf die Haut eines toten Babylamms zu legen, ist schon befremdlich genug. Hinzu kommt, dass Lammfelle häufig mit gesundheitsschädlichen Substanzen wie Formaldehyd, Aluminium oder Quecksilber aus dem Gerb- und Verarbeitungsprozess belastet sind. Dadurch kann es bei Hautkontakt zu Erkrankungen wie schweren Allergien oder sogar Krebs kommen. So litt ein Junge in den USA jahrelang unter den Symptomen einer Bleivergiftung, weil ihn der Schaffell-Teppich in seinem Bett jede Nacht unbemerkt vergiftete. (7) Zudem wird heute vorwiegend in Billigproduktionsländern gegerbt, wo Arbeiter – darunter auch Kinder – ohne Schutzkleidung in den giftigen Gerbwässern stehen und das verseuchte Abwasser oftmals ungefiltert in der Natur entsorgt wird. (8)

Was Sie tun können

In welchem Land Lammfelle produziert und wie die Tiere behandelt wurden, lässt sich oftmals nicht herausfinden. Sicher ist jedoch, dass für jedes Lammfell ein Tier getötet wurde. Wer Tierleid verhindern möchte, sollte daher niemals Lamm- oder Schaffelle kaufen. Alternativen gibt es genug. Lammfell-Imitate findet man mittlerweile in fast allen Einrichtungshäusern und ab und zu sogar beim Discounter. Statt UGG-Boots kann man zu Schuhen mit Kunstfell greifen, und Lammfelle für den Kinderwagen lassen sich ganz einfach durch Fleecedecken aus feiner Bio-Baumwolle oder leichte Steppdecken mit Lyocellfüllung ersetzen.



(1) FAO (2016): World statistical compendium for raw hides and skins, leather and leather footwear 1999-2015. S. 9ff. Internetquelle abrufbar unter: http://www.fao.org/fileadmin/templates/est/COMM_MARKETS_MONITORING/Hides_Skins/Documents/Market_review_hides_and_skins_-_2008.pdf Zuletzt abgerufen am 18.04.2019

(2) Animal Equality (2013): The short life of lambs, an undercover investigation in Italy. Internetquelle abrufbar unter: http://www.animalequality.net/news/564/short-life-lambs-undercover-investigation-italy Zuletzt abgerufen am 18.04.2019

(3) L214 (2015): Abattoir Made in France: Sheep. Internetquelle abrufbar unter: https://www.youtube-nocookie.com/embed/2c_s3cLiP24  Zuletzt abgerufen am 18.04.2019

(4) Leaked Australia (2018): Leaked CCTV footage from Melbourne, Autralia. Internetquelle abrufbar unter: https://vimeo.com/285670211 Zuletzt abgerufen am 18.04.2019

(5) Metro (2019): Slaughterhouse workers filmed hurling lambs like rag dolls before killing them. Internetquelle abrufbar unter: https://metro.co.uk/2018/11/15/slaughterhouse-workers-filmed-hurling-lambs-like-rag-dolls-before-killing-them-8141525/ Zuletzt abgerufen am 18.04.2019

(6) Statistisches Bundesamt (2018): Gewerbliche Schlachtungen. Internetquelle abrufbar unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Tiere-Tierische-Erzeugung/Tabellen/gewerbliche-schlachtung-jahr-halbjahr.html;jsessionid=93824EA43C8EC4A907EF4394891453BD.internet722 Zuletzt abgerufen am 18.04.2019

(7) Seattle Times (2016): Longtime lead poisoning in boy, 16, traced to sheepskin rugs. Internetquelle abrufbar unter: https://www.seattletimes.com/seattle-news/health/longtime-lead-poisoning-in-boy-16-traced-to-sheepskin-rugs/ Zuletzt abgerufen am 18.04.2019

(8) Price, Larry C./Price, Debbie M. (2017): Bangladesh: Toxic Tanneries. Pulitzer Center. Internetquelle abrufbar unter: https://pulitzercenter.org/reporting/bangladesh-toxic-tanneries Zuletzt abgerufen am 18.04.2019