Zoo Hannover quält Elefantenbabys

Auf von PETA veröffentlichten Videoaufnahmen ist zu sehen, wie im Zoo Hannover die Asiatischen Elefanten in zirkusähnlichen Shows vorgeführt werden, um damit Besucher anzulocken. Dafür werden schon die Elefantenbabys regelmäßig auf eine Nebenanlage geführt und – verborgen von den Blicken der Besucher – immer wieder mit dem Elefantenhaken, einem Stock mit einem spitzen Metallwiderhaken, gequält. Wenn die Tierkinder die geforderten Zirkustricks wie Sitzen, Drehen oder den Stand auf Hinterbeinen nicht zur Zufriedenheit der Zoowärter ausführen, wird ihnen der Elefantenhaken in die empfindliche Haut gerammt. Für die Elefanten ist dies sehr schmerzhaft, denn die Tiere haben eine dünne Haut und können sogar Insektenstiche spüren. Bei den Misshandlungen handelt es sich nicht um Einzelfälle. Die Elefantenwärter tragen den Haken stets bei sich und nutzen ihn zum Schlagen, Stoßen und Drohen. Auch eine schwere Peitsche wird eingesetzt, um die Tiere zum Gehorsam zu zwingen. Obwohl der Zoo angibt, die Zirkustricks aus dem Programm gestrichen zu haben, werden die Elefanten in der Haltungsform des sogenannten „Direkten Kontakts“ weiterhin misshandelt.
 
 

Gutachter bestätigen Tierquälerei – Staatsanwaltschaften stellen Verfahren trotzdem ein

PETA hatte im April 2017 Strafanzeige gegen die Zoo-Verantwortlichen wegen Tierquälerei gestellt. Im August 2017 gab die Staatsanwaltschaft Hannover bekannt, dass das Ermittlungsverfahren eingestellt wurde – unfassbar! Selbst die von der Staatsanwaltschaft eingesetzten Gutachter bestätigten, was auf den Videos zu sehen ist: dass den Tieren „erhebliche Leiden bzw. Schmerzen“ zugefügt wurden und ein „unangemessener Einsatz des Elefantenhakens“ stattgefunden habe. Informationen zu den Begründungen der Staatsanwaltschaft finden Sie hier
Im Oktober 2017 hat PETA bei der Generalstaatsanwaltschaft Celle Beschwerde gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens eingelegt, um die Wiederaufnahme des Verfahrens zu erreichen. Die Generalstaatsanwaltschaft bestätigte jedoch die Einstellung des Ermittlungsverfahrens. Als Begründung hieß es, es sei nicht nachweisbar, dass den Elefanten im Zoo Hannover durch die Schläge "erhebliche Schmerzen und Leiden" zugefügt worden sind. Das bedeutet: Die Misshandlung der Elefanten ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaften nicht gravierend genug, damit es für eine Anklageerhebung reicht.
Weitere Informationen dazu finden Sie hier.
 
 
 

Elefantenexperten bestätigen Tierquälerei

Während der Publikumsshows wurde ahnungslosen Besuchern suggeriert, dass die Elefanten die Zirkustricks freiwillig vorführen. Doch Elefantenexperten betonen seit Jahren, dass Elefanten nur mit Gewalt zum Gehorsam gezwungen werden können. PETA hat der international renommierten Elefantenexpertin Carol Buckley mehrere Stunden des Recherche-Videomaterials aus dem Zoo Hannover zur Bewertung vorgelegt. Buckley kommt zu dem Ergebnis, dass die Elefanten mit roher Gewalt trainiert und ihnen wiederholt Schmerzen zugefügt werden. Dies kann bei den sensiblen Tieren auch lebenslange Traumata bewirken. Die Elefanten leben in einem ständigen Umfeld der Einschüchterung. Carol Buckley zufolge dient das Training keinem anderen Zweck, als den Elefanten zirkusähnliche Tricks beizubringen, um die Besucher zu unterhalten [Download der Expertise englisch / deutsch].

Eine zweite Expertise wurde von Margaret Whittaker eingeholt, die seit Jahrzehnten Zoos und Auffangstationen bei der Haltung von Elefanten berät. Margaret Whittaker bestätigt ebenfalls den gewaltvollen, kontrollierenden Umgang mit den Elefanten und empfiehlt dem Zoo eine sofortige Umstellung auf die Haltungsform „Geschützter Kontakt“, um die Lebensqualität der Elefanten entscheidend zu verbessern [Download der Expertise englisch / deutsch].

Weiterhin hat Dr. Olaf Behlert, ehemaliger Elefantenkurator und Zootierarzt im Kölner Zoo, ein Expertengutachten erstellt, das als zusätzliches Beweismittel bei der Generalstaatsanwaltschaft Celle eingereicht wurde. Der Experte lässt in seiner 18-seitigen Bewertung des mehrstündigen Filmmaterials keine Zweifel offen, dass den Elefanten hier vorsätzlich erhebliches Leid durch das Personal zugefügt wurde und „eindeutige und schwerwiegende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz“ vorliegen. Außerdem betont Dr. Behlert, dass „alle auf den CDs beobachteten Eingriffe […] eine reine Dressur“ darstellen. „Nicht eine Szene beinhaltete Vorgänge, welche man veterinärmedizinischen Maßnahmen zuordnen könnte.“
 
Das erste von der Staatsanwaltschaft angeforderte Sachverständigengutachten von Prof. Dr. Hackbarth von der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Herrn Dr. Böer, Zoodirektor in Osnabrück, bescheinigte "dass die Tiere durchaus erhebliche Schmerzen, Leiden und Schäden erlitten hätten". Im Gegensatz dazu befand der zweite Gutachter, Dr. Hering-Hagenbeck, der im Tierpark Hagenbeck selbst Elefanten im Direkten Kontakt hält, dass "länger anhaltende oder erhebliche Schmerzen für die betroffenen Tiere nicht nachgewiesen werden“ konnten. Auch er sprach jedoch von "einem übertriebenen und unangemessenen Einsatz des Elefantenhakens, die Indizien für ein sehr strenges und hartes Training im Zoo Hannover dokumentierten".

Letztlich wurde nur eines der fünf vorliegenden Expertengutachten von den Staatsanwaltschaften berücksichtigt - das von Dr. Hering-Hagenbeck.

Elefantenquälerei gegen rote Zahlen

Mit den Elefantenshows sollten Besucher angelockt werden, denn der Zoo Hannover schreibt Jahr für Jahr Millionenverluste. Ausgeglichen werden diese Verluste durch Subventionen aus Steuergeldern. Dabei sind die Elefantenbabys ihren Trainern bedingungslos ausgeliefert. Ihre hilflosen Mütter können sie nicht beschützen, denn sie werden selbst mit dem Elefantenhaken gequält.

Elefanten haben im Zoo nichts zu suchen

Elefanten gehören nicht in den Zoo, sondern in die Wälder und Savannen Afrikas und Asiens. Dort wandern sie gemeinsam mit ihren Familien viele Kilometer am Tag. Die Bedingungen in Zoos sind derart unnatürlich, dass die empfindsamen Tiere dort in der Regel wesentlich früher sterben als in der Natur [1]. Viele der Rüsseltiere sind verhaltensgestört. Der brutale Einsatz des Elefantenhakens in deutschen Zoos ist kein Einzelfall. Weitere Beispiele finden Sie hier. Auswilderungen finden hingegen nicht statt – im Gegenteil: Zoos kaufen auch heute noch wildgefangene Elefanten und tragen so zu ihrem Verschwinden in freier Wildbahn bei. Der Artenschutz wird lediglich als Vorwand benutzt, um den Besuchern ein gutes Gewissen zu suggerieren. Steuergelder sollten nicht für Zoos ausgegeben werden, in denen Elefanten eingesperrt und gequält werden, sondern für echte Artenschutzprojekte – für Tiere in Freiheit.

Was Sie tun können

  • Bitte besuchen Sie keine Zoos und Tierparks
  • Überzeugen Sie Freunde und Bekannte, Zoos den Rücken zu kehren

Quellen:
[1] Clubb R., Moss C. et al (2008): Compromised Survivorship in Zoo Elephants., Science 12 December 2008: 1649.