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Aktueller Bericht belegt: Grobe Verstöße und Mängel bei der Terraristika in Hamm

 
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PETA: Händler und Amtsveterinäre unzureichend über Tiere informiert

Stand Mai 2012
Hamm / Gerlingen, 2. Mai 2012 – Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. übt seit geraumer Zeit Kritik an der regelmäßig stattfindenden Terraristikbörse in Hamm und weist darauf hin, dass einschlägige Veranstaltungen eine Gefahr für Tiere, Menschen und die Natur darstellen. Nun hat ein internationales Forscherteam die Probe aufs Exempel gemacht, dazu die den eigenen Angaben nach weltgrößte Börse ihrer Art in Hamm besucht und die Ergebnisse in einem Bericht zusammengetragen. Ihr Urteil: Gesundheitsgefahren für die Besucher und tierquälerische Haltungsbedingungen. Die mit den Reptilienbörsen potenziell einhergehende Einführung von gebietsfremden Tierarten gefährdet zudem die natürliche Biodiversität.

„Mit ihrem Bericht haben die Forscher bestätigt, was Tierschützer seit Jahren anprangern: Die sogenannten Exotenbörsen sind Tierquälerei und bedeuten eine ernstzunehmende Gefahr für die Besucher“, resümiert Nadja Kutscher, Kampagnenleiterin bei PETA. „Die Terraristika in Hamm nimmt Gefahren fahrlässig in Kauf. Wir fordern ein bundesweites Verbot solcher Börsen und die sofortige Einstellung der Terraristika!“
Der Bericht zeigt, wie gefährlich die Ausstellungen in Hamm für Menschen sind. Reptilien tragen zahlreiche Krankheitserreger in sich, darunter auch Salmonellen. Das leichtsinnige Verhalten der Händler begünstigt ihre Verbreitung. Denn sie stehen in ständigem Kontakt zu den Tieren und können die Keime auf Tische, Tierbehälter sowie andere Gegenstände übertragen. Ein Händeschütteln genügt, um die Erreger weiterzugeben.

Auch im Bereich des Tierschutzes attestieren die Forscher gravierende Mängel und sie kommen zu dem Ergebnis, dass viele Händler nicht ausreichend über das Verhalten ihrer angebotenen Tiere informiert sind. Ein Großteil der Tiere leidet unter Stress, was sich an auffälligen Verhaltensweisen zeigt. Die unmittelbare Nähe von „Räuber“ und „Beutetier“ setzt die Tiere enorm unter Druck. Außerdem seien die Behälter absolut unzureichend, um den Tieren einen vollständigen Temperaturgradienten zu ermöglichen. Selbst ein kurzer Aufenthalt kann gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. Zusätzlich nehmen Händler lange Anreisen – nicht selten aus dem Ausland – in Kauf.

Angesprochen werden zudem die beaufsichtigenden Veterinäre, die nicht zwangsläufig auf die Bedürfnisse der Tiere spezialisiert sind und daher ihr Verhalten fehldeuten können. Der zuständigen Amtsveterinärin spricht PETA jedwede Kompetenz ab. Gegenüber Tierschützern hat diese immer wieder beteuert, dass es hinsichtlich Haltungsbedingungen keine Mängel gäbe und die Tiere nicht unter Stress stünden, was PETA zufolge von Unwissen über das Verhalten und die Bedürfnisse dieser Tiere zeugt. Auch fanden die Forscher auf der Terraristika in Hamm einige gefährdete Tiere vor – darunter die McCords Schlangenhalsschildkröte. Die Tiere waren laut Expertenmeinung einer Behandlung ausgesetzt, die der Tierquälerei gleichkommt.

Der dritte von den Forschern kritisierte Bereich ist die potenzielle Einführung von Neobiota – zu denen auch Tierarten, die sogenannten Neozoen gehören, die durch menschliche Einflussnahme in einem Gebiet angesiedelt werden, in dem sie nicht heimisch sind. Neben Klimawandel, Umweltverschmutzung und der Zerstörung natürlicher Lebensräume stellen Neobiota eine der größten Bedrohungen für die natürliche Biodiversität in Europa dar. Der Europäischen Kommission zufolge verursachen Neobiota einen jährlichen Schaden von rund 12,5 Milliarden Euro. Die eingeschleppten Tierarten können heimischeTiere verdrängen oder fremde Krankheitserreger verbreiten. Bislang konnten sich rund 50 Spezies von Reptilien und Amphibien in Europa verbreiten.

Die Forscher berichten, dass etwa 28 Prozent aller auf den von ihnen besuchten Börsen vorgefundenen Tierarten bereits als Neozoen aufgetreten sind. Viele der verkauften Spezies sind gerade deshalb so präsent, weil sie als relativ „flexibel“ gelten – was beispielsweise Nahrung angeht. Klimaerwärmung, das Aufsuchen eines geschützten Mikroklimas oder auch genetische Veränderungen der Tierarten durch bestimmte Zuchtziele können dazu führen, dass sich diese Spezies auch in Deutschland ansiedeln. Den Experten zufolge könnten sich beispielsweise die Schnappschildkröte, der Tokee oder auch die Kornnatter rasch ausbreiten. Klar ist: Die Vorbeugung fällt wesentlich kostengünstiger aus als die Behandlung der Problematik nur einer einzigen Neozoon nach ihrer Einführung.

Die Forscher Phillip C. Arena, Catrina Steedman und Clifford Warwick haben neben der Terraristika im westfälischen Hamm auch die IHS-Show in Großbritannien sowie die Expoterraria in Spanien besucht, analysiert und die Ergebnisse schließlich in ihrem Bericht mit dem Titel „Amphibien- und Reptilienmärkte in der EU – Untersuchung und Bewertung“ zusammengetragen.

PETA appelliert an die Bevölkerung, keine Terraristikbörsen zu besuchen. Wer das nötige Fachwissen besitzt, soll ein Tier aus einer Auffangstation bei sich aufnehmen – so wird der Handel nicht weiter angekurbelt.

Weitere Informationen:
www.peta.de/exotenboersen
www.terraristika-info.de
www.peta.de/terraristika

Kontakt:
Bartek Langer, 07156 17828-27, BartekL@peta.de