Anbindehaltung von Kühen in Dörzbach: PETA zeigt Qualhaltung beim Veterinäramt Hohenlohekreis an

Dörzbach / Stuttgart, 19. Juli 2019 – Legale Qualhaltung: In kleineren landwirtschaftlichen Betrieben ist die ganzjährige Anbindehaltung von Rindern noch weit verbreitet – so auch in einem Stall in Dörzbach. Laut der Meldung eines PETA-Whistleblowers gehören die Kühe, die Tag für Tag auf schmutzigen, harten Böden verbringen und Milch „produzieren“, zu einem Gasthaus in Dörzbach. Ihre Kälber werden ihnen scheinbar weggenommen und im hinteren Teil des Stalles untergebracht. Ob sie illegalerweise auch angebunden werden, kann anhand der Bilder nicht sicher beurteilt werden. Insgesamt wirken der Stall und die Tiere stark vernachlässigt. Aus diesem Grund hat PETA den Betrieb vergangenen Monat beim Veterinäramt Hohenlohekreis angezeigt. Laut der Behörde wurden nach der zeitnahen Kontrolle Maßnahmen ergriffen. Jedoch ist selbst das Veterinäramt weitestgehend machtlos, denn die Anbindehaltung ist trotz jahrelanger Kritik in Deutschland weiterhin erlaubt. PETA fordert ein sofortiges Verbot, da diese Haltungsform den Rindern arttypische Verhaltensweisen, wie etwa die gegenseitige Körperpflege und den Bewegungsdrang, unmöglich macht.

„Etwa eine Million Kühe leben derzeit deutschlandweit in der tierquälerischen Anbindehaltung. Auch in Biobetrieben ist es erlaubt, die Tiere über die Wintermonate komplett angebunden im Stall zu halten“, so Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin und Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei PETA. „Verbraucher müssen sich vor Augen halten, dass jedes Glas Milch Muttermilch ist, die die Kuhmutter für ihr Kalb und nicht für den Menschen produziert. Niemand würde Hunde oder Katzen für ihre Milch ausbeuten. Dabei haben auch Kühe ganz individuelle und komplexe Gefühle und Bedürfnisse. Wir Menschen teilen Tiere völlig willkürlich in ‘Haus- und Nutztiere’ ein.“
 
Hintergrundinformationen
Immer wieder erreichen PETA Whistleblower-Meldungen von Tierfreunden, darunter auch einige aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Diese zeigen ständig aufs Neue, dass es nicht auf die Betriebsgröße oder die Anzahl der Tiere ankommt, denn auch in kleinen Betrieben, also „beim Bauern nebenan“, leiden die Tiere für Fleisch, Milch, Eier und Co.

Die Anbindehaltung kann nicht nur psychische Schäden bei den Rindern hervorrufen, sondern auch körperliche Beeinträchtigungen. Darunter fallen Liegeschwielen, entzündete Gelenke, Lahmheit sowie Einschnürungen und Quetschungen am Hals. Verstärkt wird dies zum Beispiel durch unbewegliche Halsrahmen als Anbindevorrichtung oder durch verschlissene oder fehlende Liegematten sowie zu kurze oder zu schmale Liegeflächen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) spricht sich gegen ein Verbot dieser Haltungsform aus. Und auch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) steht gemeinsam mit Bayern für die Fortführung der Anbindehaltung ein – und gegen eine Übergangsfrist. Dies hat rein wirtschaftliche Gründe und soll vor allem kleine Betriebe vor hohen Umbaukosten schützen.

Die Kühe in Dörzbach sind mit engen Ketten direkt vor einer Wand angebunden. Das Aufstehen und Hinlegen ist für die Tiere offensichtlich sehr beschwerlich. Mehr Bewegungsfreiraum haben die intelligenten und sensiblen Tiere nicht. Zudem scheint der Platz pro Liegefläche sehr knapp bemessen zu sein. Die Kälber im hinteren Teil des dunklen Stalles stehen vermutlich ebenfalls angebunden. Kuhkinder unter sechs Monaten anzubinden, ist laut Tierschutznutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) jedoch verboten.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

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Die Dörzbacher Rinden fristen ihr Dasein in der Anbindehaltung. / © PETA Deutschland e.V.

Die Motive stehen hier zum Download zur Verfügung.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Anbindehaltung
PETA.de/Anbindehaltung-Kuehe-Gasthaus

Kontakt:
Carolin von Schmude, +49 711 860591-528, [email protected]