Angler-Latein: 5 Behauptungen von Anglern & was dahinter steckt

Empfinden Fische wirklich keine Schmerzen? Und sind Angler tatsächlich Naturschützer? Hinter einigen vermeintlichen Argumenten für das Angeln verbirgt sich oft eine ganz andere Wahrheit. Wir klären einige der meistgehörten Angler-Mythen auf.

Hier eine Kostprobe des „Anglerlateins" und unsere Antworten dazu:

„Fische empfinden nicht mehr Schmerz als eine schwimmende Kartoffel."

Falsch! Eine unendliche Anzahl an Studien bestätigt ein Schmerzempfinden bei Fischen. Die Bundesregierung beauftragte das Friedrich-Löffler-Institut, Bundesinstitut für Tiergesundheit, damit, die Studienlage auszuwerten. Und die Wissenschaftler des Instituts kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten“ [1]. 

„Angler sind Engel verglichen mit kommerziellen Fischern."

Große Fischereiflotten ziehen täglich zigtausende Ozeantiere aus dem Meer und zerstören Leben in rasender Geschwindigkeit, aber auch Angler sind noch weit davon entfernt, sich Engelsflügel oder einen Heiligenschein verdient zu haben. Alleine in Deutschland gibt es etwa drei bis vier Millionen registrierte Angler. Wenn jeder von ihnen im Jahr durchschnittlich zehn Fische fängt, bedeutet das, dass um die 30 Millionen Fische getötet werden. Viele ersticken qualvoll oder werden unbetäubt getötet.

„Angler sind Naturschützer."

Erstens: Tiere töten hat NICHTS mit Naturschutz zu tun. Tiere töten und Naturschutz stehen in direktem Widerspruch zueinander. Denn alle Tiere sind Teil der Natur.

Zweitens: Hobbyfischer gefährden Fischpopulationen wie Aale, Hechte, und Dorsche [2]. In der Ostsee wurden Fangquoten für Angler erlassen, um die, auch durch die Angelfischerei bedrohte Dorschpopulation zu schützen [3].

Drittens: Gewässer werden häufig erst mit Fischen besetzt, damit Angler sie zur Selbstbespaßung wieder herausangeln können. Das kann das natürliche Ökosystem verändern.

Viertens: Wer die Natur schützen möchte, lässt sie in Ruhe. Oder befreit sie von Müll und Plastik und anderen menschlichen Einflüssen.

 „Das Angeln, bei dem Fische gefangen und wieder freigelassen werden (Catch & Release), ist human."

Finden Sie, dass es nett ist, jemanden erst mit dem Auto anzufahren und ihn dann wieder seines Weges zu schicken? Zu den gängigen Verletzungen, die ein an der Angel hängender Fisch erleidet, zählen: Verletzungen im Mund- und Rachenbereich, Traumata, Todesangst, Verletzung an der Epidermis (äußere Hautschicht), wenn man sie in den Händen hält, was anschließend auch zu Infektionen führen kann. Manche Fische sterben auch an den Folgen des Temperaturunterschieds zwischen Wasser und Land oder werden durch Catch & Release so geschwächt, dass sie zu einer leichten Beute für andere Raubfische werden.

„Angeln hält Kinder von Computerspielen fern."

Heute wissen wir, dass ein Fisch ein Jemand ist und kein Etwas. Da ist es inakzeptabel, Kindern und Jugendlichen einzureden, dass es in Ordnung ist, Fische zu töten, damit Menschen „Spaß“ haben und „Erholung am Wasser“ finden.

Ihre angeborenen Skrupel beim Töten eines Tieres werden Kindern ausgeredet und sie verlernen Empathie mit anderen Lebewesen. Könnten wir Fische schreien hören, würde niemand mehr behaupten, dass Angeln eine Freizeitbeschäftigung für Kinder ist.

Was Sie tun können

Nehmen Sie Ihre Freunde, Eltern und Kinder „an den Haken", indem Sie sie zu tier- und umweltfreundlichen Freizeitaktivitäten wie beispielsweise Fahrradfahren, Wandern, Schwimmen, Kanufahren, Schnorcheln, Müllfischen oder Plastiksammeln mitnehmen. Herzlichen Dank!

[1] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.
[2] https://www.swr.de/swr2/wissen/swr2-wissen-2019-09-18-100.html. Zuletzt eingesehen am 12.5. 2020
[3] https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/F/fischerei/dorsch.html, zuletzt eingesehen am 12.5.2020
 

Unsere Autoren

Tanja Breining

Tanja hat in Deutschland und Frankreich Zoologie und Meeresbiologie studiert und sich in ihrem Studium und in ihrer Freizeit viel mit Fischen beschäftigt. Getreu dem Motto: Fische sind Freunde, kein Essen - setzt sie sich seit Jahren dafür ein, dass Fische in Ruhe gelassen werden und nicht mehr auf unseren Tellern landen.