Australiens größter Lebendexporteur dank Whistleblower angeklagt

Schaf Lebendexport AustralienYouTube / 60 Minutes Australia

Im April 2018 veröffentlichte das australische Nachrichtenmagazin 60 Minutes Videomaterial, das erstmals die komplette Bandbreite der Missstände australischer Lebendexporte zeigte. Das zuständige Exportunternehmen Emanuel Exports verlor infolge der Enthüllung seine Lizenz und kündigte an, gegen den Verlust Berufung einzulegen. Zudem beschuldigte es den Whistleblower, die Aufnahmen manipuliert zu haben. Emanuel Exports hatte jedoch keinen Erfolg: Der Whistleblower wurde von allen Vorwürfen freigesprochen, und das Exportunternehmen wurde im August 2019 wegen Tierquälerei angeklagt. Nun muss sich das Unternehmen vor Gericht rechtfertigen.

Überfüllte Schiffe und keuchende Tiere

Für eine Fahrt von Australien in den Nahen Osten werden bis zu 60.000 Tiere dicht zusammengedrängt auf ein Schiff verladen. Aufgrund der Enge haben viele Tiere keinen regelmäßigen Zugang zu Essen und Trinken. Nur die stärksten schaffen es an die Tröge. Allesamt stehen und liegen sie tagelang in ihren eigenen Fäkalien und leiden unter der enormen Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit auf dem Schiff. Ein mutiges Crewmitglied konnte die Zustände nicht länger mitansehen und dokumentierte auf fünf verschiedenen Fahrten das Grauen, das er täglich mitansehen musste. Die im August 2017 entstanden Aufnahmen zeigen schwer keuchende Schafe mit heraushängender Zunge. Mitten unter ihnen verwesende Artgenossen, die den unerträglichen Temperaturen nicht länger standhalten konnten. Tote Tiere wurden von der Crew einfach über Bord geworfen.
 
Schafe Lebendexport Australien
© by YouTube / 60 Minutes Australia

Keine Schonung für schwangere Tiere

Obwohl schwangere Tiere nach australischem Gesetz gar nicht exportiert werden dürfen, berichtete der Augenzeuge, dass einige Schafe unter diesen Umständen ihre Kinder zur Welt bringen mussten. Die Kleinen hatten oftmals keine Überlebenschancen, da sie im Gedränge ihre Mütter verloren oder von den umstehenden Tieren zertrampelt wurden. Der Whistleblower berichtete zudem, dass Crewmitglieder immer wieder dazu aufgefordert wurden, den Lämmern die Kehle aufzuschlitzen. Über 2.400 Tiere waren am Ende der Reise tot.

Trotz Lizenzverlust geht das Leid der Tiere weiter

Aufgrund der belastenden Aufnahmen war die australische Regierung zum Handeln gezwungen und gab im August 2018 bekannt, dass Emanuel Export PTY Ltd. die Exportlizenz entzogen wurde. Dennoch geht der tödliche Transport für die Tiere weiter. Emanuel Exports nutzt zum Transport der Tiere nun einfach die Dienste eines engen Handelspartners, bis es seine eigene Lizenz wiedererlangt; auch diesem Unternehmen wurde die Lizenz in der Vergangenheit wegen massiven Verstößen gegen das Tierwohl entzogen. Wieder einmal zeigt sich, dass ein generelles Verbot von Lebendexporten notwendig ist, um das enorme Tierleid auf Schiffen dauerhaft zu verhindern.

Was Sie tun können

Unterzeichnen Sie unsere Petition an den australischen Premierminister und fordern Sie ihn dazu auf, Lebendexporte umgehend zu stoppen.


Bitte tragen Sie keine Wolle mehr. Viele Schafe, die in den Nahen Osten transportiert werden, sind ehemalige Wollschafe. Sobald ihre Wollleistung nachlässt, haben sie für den Schäfer keinen Wert mehr. Um noch ein letztes Mal von ihnen zu profitieren, werden sie an australische Schlachthäuser verkauft oder eben ins Ausland verschifft, wo ebenfalls ein grausamer Tod auf sie wartet. Aber keine Sorge, es gibt viele tolle Alternativen zu Wolle, für die kein Tier leiden muss. Probieren Sie diese doch einfach mal aus.
 
 

Unsere Autoren

Johanna Fuoß

Hanna ist Fachreferentin für Tiere in der Bekleidungsindustrie. Dass sie sich heute für tierfreie Kleidung einsetzt, ist ihren pelztragenden Katzen zu verdanken.