Begriffe aus dem Tierversuchslabor und ihre wahre Bedeutung

Verstehen Sie die Bedeutung der folgenden Sätze?

„Unser Forschungspartner erhielt nach den Einheiten aus aversiven Reizen Enrichment. Es fiel auf, dass das Forschungstool thermische Verletzungen aufwies, was teilweise die Vokalisierungen und die Auswirkungen auf das Affiliationsverhalten des Probanden erklärt. Zwar war der Vorfall nicht gravierend genug, um Letalität zu verursachen, doch das Testsubjekt kann nach Abschluss der Einheiten aussortiert werden.“
 

Sie verstehen nur Bahnhof? Kein Wunder.

Dieses Beispiel stammt aus veröffentlichtem Material und beschreibt grausame und unnütze Experimente in Tierversuchslaboren.

Mit den Euphemismen sollen das Leid und die Qualen, welche die Tiere im Labor erleiden, verschleiert werden. Die Öffentlichkeit soll schließlich nicht wissen, wofür ihre Steuergelder ausgegeben werden.

Hier nun eine Beschreibung des gleichen Vorgangs – allerdings in einer Sprache, die die Wahrheit nicht verschleiert:

„Unser Opfer – ein Affe – erhielt für seinen ansonsten völlig kahlen Käfig einen zerkratzten Spiegel, nachdem man ihm mehrfach Elektroschocks verabreicht hatte. Der Experimentator sah, dass das verängstigte Tier Verbrennungen hatte und wohl deshalb schrie und Trost bei seinem Artgenossen suchte. Der Vorfall hat das Tier zwar nicht getötet, aber wir können den Affen töten und aufschneiden, sobald wir keine anderweitige Verwendung mehr für ihn haben.“
 

Es gibt zahlreiche Beispiele für Ausdrücke, mit denen Tierversuche beschönigt werden sollen. Wir haben nachfolgend eine kleine Übersicht solcher Formulierungen mit der eigentlichen Bedeutung erstellt.

Beispielbegriffe und ihre wahre Bedeutung

Abdominaldehntest: In diesem Test wird einem Tier ein Mittel in den Bauch oder Fuß gespritzt, das Irritationen oder Schmerzen auslöst. Das Tier windet sich vor Schmerzen, und der Experimentator zählt, wie oft es sich windet.

Affektzustand: Emotionen oder Gefühle eines Tieres

Affiliationsverhalten: Verhalten, das Freundschaft zwischen Tieren zeigt

Aufgabe, Auslösung der Letalität, Aussortierung: Tötung

Aversive Reize, negative Verstärkung: Wiederholte Gabe von Elektroschocks an den Füßen eines Tieres, Injektion einer Chemikalie, die Verbrennungen auslöst, oder anderweitiger Missbrauch

binokulare/monokulare Deprivation, beidseitige/einseitige Lidvernähung: Zunähen beider Augenlider/eines Augenlids

Blumentopf-Technik: Eine Technik, die in Schlafentzugsversuchen genutzt wird: Eine Maus oder Ratte wird auf eine kleine Oberfläche gesetzt (z. B. einen umgedrehten Blumentopf), die sich in einem Wassereimer befindet. Setzt nun der REM-Schlaf ein, kann das Tier ins Wasser fallen; so bleibt es stets in einem Vorstadium namens Non-REM-Schlaf.

Einzelkäfig: Ein Käfig, in dem ein Tier ganz alleine gehalten wird.

Enrichment: Dinge wie Plastikspielzeug, Spiegel oder Holzstücke mit eingebohrten Löchern werden Tieren zur Verfügung gestellt, die unter völlig reizarmen Bedingungen in einem Laborkäfig leben. (Laborkäfige sind klein und kahl; es gibt darin weder die Gerüche noch die Anblicke oder Geräusche eines natürlichen Umfelds. Damit wird den Tieren alles genommen, was ihr Leben lebenswert macht – einschließlich der Möglichkeit, irgendetwas in ihrem Leben selbst zu entscheiden.)

Entnahme: Ein Tier einfangen

Ernte: Gewebe- oder Organentnahme an einem Tier

Euthanasiekammer: Käfig, in dem Tiere vergast werden

Exsanguination: Ausblutenlassen eines Tieres

Flüssigkeitsregulierung, Flüssigkeitsbegrenzung: Einem Tier werden Wasser und andere Flüssigkeiten vorenthalten, damit es dehydriert und an einem Experiment „mitwirkt“, um ein paar Tropfen als „Belohnung“ zu bekommen.

Forced Swim Test, Erzwungener Schwimmtest: In diesem Test wird ein Kleintier in einen Wasserbehälter gesetzt, aus dem es nicht entkommen kann. Das Tier schwimmt an den Wänden entlang, sucht unter Wasser nach einem Ausgang und strampelt, um den Kopf über Wasser zu halten. Irgendwann lässt es sich mitunter nur noch treiben.

Forschungspartner: Tiere, die für Versuche eingesperrt, gequält und getötet werden

Kinderstube: Käfig für Affenjunge, die ihrer Mutter weggenommen wurden
Labortier, VersuchstierTier (Der Begriff „Versuchstier” impliziert, dass ein Tier nur für seinen Einsatz im Tierversuch existiert. Oft ist etwa von „Laborhunden“ die Rede – doch diese Tiere leiden genauso unter der Gefangenschaft und den Experimenten, wie die vierbeinigen Begleiter in unserem Zuhause darunter leiden würden.)

Latenzzeit bis Konsum: Zeitspanne zwischen dem Nahrungsentzug eines Tieres und dem Zeitpunkt, an dem es wieder etwas zu essen bekommt

Nahrungsregulierung, Nahrungsbegrenzung: Einem Tier wird Nahrung vorenthalten.

Retroorbitalproben: Blutentnahme aus einem Gefäß hinter dem Auge eines Tieres

Social Defeat: Nutzung von Sozialkonflikten zwischen Artgenossen, um emotionalen und psychologischen Stress auszulösen. (Ein Forschungspapier beschreibt das Vorgehen so: „Social Defeat wird eingeleitet, indem ein männlicher Nager in den angestammten Käfig eines älteren, aggressiven, dominanten Männchens verbracht wird. … Der Eindringling wird schnell attackiert und für den restlichen Zeitraum der physikalischen Interaktion in die Unterwerfung gezwungen. Besteht keine Fluchtmöglichkeit, nimmt der Eindringling eine unterwürfige Rückenlage ein, stößt Laute aus, die seine Bedrängnis zum Ausdruck bringen, und zeigt Freezing-Verhalten.“ [1])

Subjekte, Modelle, Testobjekte, Forschungsobjekte, Produkte: Tiere

Tail Flick-Test: In diesem Test wird ein intensiver Lichtstrahl auf den Schwanz eines Tieres gerichtet oder dem Schwanz wird auf andere Weise Schmerz zugefügt. Dann wird gemessen, wie lange es dauert, bis das Tier seinen Schwanz bewegt.

Thermische Verletzung: Verbrühung oder Verbrennung

Tiere trainieren: Tieren Flüssigkeit vorenthalten, damit sie dehydrieren und die von ihnen geforderten Aufgaben erledigen, um ein paar Tropfen Wasser als „Belohnung“ zu bekommen

Unterbringung: Gefangenschaft eines Tieres. Oft in einem Käfig mit Metallgittern und ohne Möglichkeit, sein natürliches Verhalten auszuleben.

Vokalisierung: Schmerz- bzw. Angstschreie

Zervikale Dislokation: Einem Tier das Genick brechen

Was Sie tun können

Ganz egal, wie man es nennt – Tierversuche sind falsch.

Helfen Sie den Tieren, indem Sie Petitionen unterschreiben und teilen. Ihre Freunde und Bekannten glauben, dass Tierversuche wissenschaftlich notwendig und gar nicht so schlimm sind? Klären Sie sie auf und informieren Sie sich mithilfe unserer Artikel zum Thema Tierversuche.
 

Quellen:
[1] Hollis, F. & Kabbaj, M. (2014): Social Defeat as an Animal Model for Depression. ILAR Journal, vol. 55, pp. 221-232.
 

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Die Blogartikel zu den Themen Tierrechte und veganem Lifestyle sind von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Co-Autoren.