Biodesign Challenge: Start-up lässt Wolle ohne Schafe wachsen

Twitter / Julie Wolf

Vor knapp einem Jahr berichteten wir über die Biodesign Challenge von PETA USA. Ziel des Wettbewerbs war es, Studenten einen Anreiz für die Entwicklung tierfreier Alternativen zu Wolle zu geben.
 

Warum Alternativen für Wolle dringend notwendig sind

Leider werden Jahr für Jahr noch immer Millionen Schafe, Ziegen und Kaninchen ihres Felles wegen gezüchtet und geschoren. Bei der Schur werden den Tieren oftmals blutige Schnittwunden zugefügt. Außerdem müssen sie grausame Standardprozeduren wie das Mulesing oder die betäubungslose Kastration über sich ergehen lassen. Um das massive Tierleid hinter Mode, Accessoires und Möbeln aus Wolle künftig zu verhindern, hat sich PETA USA gemeinsam mit der Designerin Stella McCartney auf die Suche nach innovativen Materialien gemacht, die Wolle schon bald ersetzen könnten. Mittlerweile stehen die Gewinner der Challenge fest – und ihre Produkte sind nicht nur nachhaltig, sondern auch sehr vielversprechend.

Platz 1: Wolle aus Hanf, Kokosnüssen und Pilzen

Die Fasern von Woocoa, einer von Studenten der kolumbianischen Universidad de los Andes entwickelten Wolle, beruhen zu 100 % auf biologisch abbaubaren Materialien: Kokosfasern und Hanf. Während die Kokosfasern aus den Überresten der Kokosnussindustrie bestehen, verhilft das verarbeitete Hanf aus der nördlichen Provinz Cauca lokalen Farmern zu einem sicheren und legalen Einkommen. Die Eigenschaften von Woocoa können mit tierischer Wolle locker mithalten. Das Material bindet Wasser, sorgt für einen hervorragenden Wärmeausgleich und wirkt dank der Kokosfaser antimikrobiell. Der Hanf macht die Faser zudem langlebig, leicht zu färben und umweltfreundlich. Um die starren Fasern weich und anschmiegsam zu machen, werden sie mit einem aus Austernpilzen gewonnenen Enzym behandelt und damit perfekt abgerundet. Tierfreundlich, öko und schon heute umsetzbar! Kein Wunder, dass es für diese tolle Wolle den ersten Platz gab.
 

Platz 2: Wolle aus lebenden Haarfollikeln

Bitte was? Das klingt nicht nur abenteuerlich, sondern ist es auch. Mit KERASYNTH ist es dem amerikanischen Team des Maryland Institute College of Art gelungen, eine Oberfläche mit lebenden Follikeln zu entwickeln, die in der Lage sind, eigenständig Haare zu produzieren. Prinzipiell lassen sich mit dieser Methode nicht nur Schafwolle, sondern auch Federn und jede beliebige Art von Tierhaar – also auch Pelze – herstellen. Allerdings dauert es noch ein Weilchen, bis KERASYNTH marktreif ist. Bis wir uns den ersten Schal aus dem Haar lebender Follikel um den Hals werfen können, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen.
 

Platz 3: Wolle aus menschlicher DNS

Keine Sorge: Im Gegensatz zu Schafen in der Wollindustrie haben Menschen ihre DNS für dieses Experiment freiwillig gespendet. Für Werewool wird aus einer menschlichen Wangenzelle das Protein Tubulin gewonnen. Dieses Tubulin wird anschließend genetisch verändert, um das Biomaterial durch das Enzym Transglutaminase zu binden und es zu einer biologisch abbaubaren Faser zu extrudieren. Ganz schön kompliziert. Im Grunde müssen wir aber nur verstehen, dass aus Proteinen eine wollartige Faser hergestellt wird, ohne dass ein Schaf, eine Ziege oder ein Kaninchen dafür mit einem Messer oder anderem Schurwerkzeug verletzt wurde. Den Rest überlassen wir dem Einstein-Team des New Yorker Fashion Institute of Technology, dessen Innovation hoffentlich schon in wenigen Jahren in unserem Kleiderschrank hängen wird.
 

Welcher Preis erwartet die Gewinner der Challenge?

Das Team von Woocoa erhält als Belohnung für die harte Arbeit einen Einblick hinter die Kulissen des nachhaltigen Modelabels Stella McCartney sowie eine Beratung durch Stray Dog Capital, ein Investmentunternehmen, das sich dem Thema „Investieren in eine bessere Zukunft für Tiere“ verschrieben hat. So soll das Jungunternehmen bei der Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells unterstützt werden. Schließlich soll das Produkt am Ende nicht im Labor verkümmern, sondern in unserem Einkaufswagen landen und dadurch möglichst viele Tierleben retten.

Was Sie tun können

Wer nicht warten möchte, bis neue Innovationen die Wollindustrie verändern, kann sich schon heute für weniger Tierleid einsetzen. Lassen Sie Wolle im Regal liegen und entscheiden Sie sich für vegane Mode. Materialien wie Bio-Baumwolle, Tencel, Modal oder synthetische Fasern – darunter auch zahlreiche recycelte Alternativen – sind schon heute in vielen Bekleidungsgeschäften und Onlineshops erhältlich. Weitere Informationen finden Sie auf veganemode.info.