Bosnien: COVID-19 als Vorwand für illegale Hundetötungen

Bosnien Hundeoetung

Anfang Februar wurde uns, PETA Deutschland, Bild- und Videomaterial von einer bosnischen Tierschutzorganisation zugespielt, auf dem tote Hunde zu sehen sind. Auf manchen Fotos sind blutige Wunden zu sehen, die wie Schussverletzungen aussehen. Anscheinend wurden die Tiere unter dem Vorwand, die Ausbreitung des Virus dadurch einzudämmen, getötet. Dabei gibt es keine Nachweise dafür, dass Hunde oder andere tierische Mitbewohner das Virus auf den Menschen übertragen. Die gesetzlichen Bestimmungen von Bosnien und Herzegowina untersagen es sogar, die Tötung von heimatlosen Hunden anzuordnen. Durch COVID-19 erleben Menschen weltweit Ausnahmezustände. In diesem Fall wird COVID-19 als Vorwand für illegale Hundetötungen herangezogen.

toter Hund mit Schusswunde

Keine tierischen COVID-19-Quellen bestätigt – Hundetötungen völlig ungeeignete Maßnahme

Augenzeugen berichteten uns, wie sie erschossene oder vergiftete Tiere vorfanden und schickten uns Fotos und Videomaterial, die das Töten heimatloser Hunde in Bosnien und Herzegowina belegen. Auch in den Medien wird über die Tötungen berichtet. [1, 2] Anscheinend haben Behörden im ganzen Land die Tötungen entweder angeordnet oder schlicht nichts dagegen unternommen. Dabei weist neben PETA auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) darauf hin, dass „mögliche tierische Quellen von COVID-19 noch nicht bestätigt“ wurden. [1] Wir fordern nachdrücklich, die Tötungen umgehend zu stoppen. Zwar haben Behörden in den Gemeinden Lukavac, Živinice und Orašje schon angeordnet, „humane“ Maßnahmen anzuwenden. Doch das Einfangen der Hunde durch ungeschultes Personal sowie die oft unzureichend ausgestatteten Unterkünfte führen bei zahlreichen Tieren zu vermeidbaren Schmerzen und Leiden. Die gesetzeswidrigen Hundetötungen gehen andernorts einfach weiter.

Wir haben uns in einem Brief an die Landesregierung und deren Department of Civilian Protection gewandt und ein Ende der illegalen Hundetötungen gefordert. Wir appellieren an Premierminister Fadil Novalić und Fahrudin Solak, Direktor des Federal Department of Civilian Protection, und rufen Sie auf, sich ausdrücklich gegen das Töten von heimatlosen Hunden auszusprechen. Die Mail mit PETAs Schreiben wurde jedoch ungelesen gelöscht. In einer Pressemitteilung berichten wir der bosnischen Öffentlichkeit über dieses Ereignis und appellieren weiterhin an die Regierung, die illegalen Hundetötungen zu stoppen und sich darüber hinaus für tierfreundliche Maßnahmen zur nachhaltigen Eindämmung der Hundepopulation starkzumachen.

zwei tote Hunde auf einer Wiese in Bosnien

Kastrationsprogramme als nachhaltige Lösung für Überpopulation heimatloser Hunde

Heimatlose Tiere kämpfen täglich ums Überleben. Ohne ein sicheres Zuhause suchen die Tiere ständig nach Nahrung, Wasser, Schutz vor Regen und Sturm oder einem schattigen Platz an heißen Tagen. Selten werden Wunden oder Krankheiten behandelt. Muttertiere sind mit ihren Welpen auf sich gestellt. Um das Leid der vielen Hunde und Katzen nachhaltig einzudämmen, rät PETA zu tierfreundlichen Maßnahmen, sogenannten Neuter-and-Release-Programmen, die auch die WHO in ihren „Guidelines for Dog Population Management“ empfiehlt. Bei diesen Kastrationsprogrammen werden Hunde eingefangen, kastriert, gekennzeichnet, tierärztlich versorgt und anschließend wieder in ihre vertraute Umgebung gebracht. Allerdings sind diese Maßnahmen bosnischen Tierschützern zufolge aufgrund fehlender Ressourcen derzeit nicht überall möglich. So fehlt es etwa einigen Städten an Tierheimen oder anderen geeigneten Einrichtungen zur Unterbringung der heimatlosen Tiere. Angesichts dieser Situation sieht PETA dringenden Handlungsbedarf vonseiten der Regierung.

Was Sie tun können



Orašje: Za vrijeme policijskog sata netko ubija pse nasred ulice, online: http://www.orasjenews.com/orasje-za-vrijeme-policijskog-sata-netko-ubija-pse-nasred-ulice/ (zuletzt abgerufen am 24.04.2020)
U Fojnici ubijen pas: Iz Udruženja za zaštitu životinja i okoliša "Fortuna" traže da se pronađe počinilac https://faktor.ba/vijest/u-fojnici-ubijen-pas-iz-udruzenja-za-zastitu-zivotinja-i-okolisa-fortuna-traze-da-se-pronade-pocinilac/78735 (zuletzt abgerufen am 24.04.2020)