Unfassbar: Brandenburg erlaubt Bogenjagd auf Wildschweine

Brandenburg Bogenjagd Wildschweine

Update Juni 2019

ERFOLG: Die in Stahnsdorf und Kleinmachnow (Brandenburg) ab Mitte Juni geplante Wildschweinjagd mit Pfeil und Bogen wurde nun nach scharfem Protest von uns abgesagt. Den Angaben des Ministeriums zufolge hat sich keine „Forschungseinrichtung“ gefunden, die das Projekt begleiten konnte – das war eine Voraussetzung für die Genehmigung. Vielen Dank an alle, die uns dabei unterstützt haben, diese Tierquälerei zu verhindern.

Original Artikel:

Willkommen zurück im Mittelalter: In Brandenburg soll jetzt die Bogenjagd auf Wildschweine wieder erlaubt werden. Mit dieser archaischen Praktik sollen in den Gebieten Stahnsdorf und Kleinmachnow im Rahmen eines Modellversuchs Wildschweine getötet werden. Diese Regelung soll für fünf Jäger bis Januar 2020 gelten.

Eigentlich ist die Bogenjagd auf Tiere in Deutschland seit 1976 verboten. Das brandenburgische Umweltministerium will dieses Verbot jedoch mit einer Ausnahmegenehmigung umgehen. Diese beantragte der zuständige Jagdpächter Peter Hemmerden – selbst Mitglied im europäischen Bogenjagdverband. Als Begründung gab er an, „übermäßige Wildschäden“ vermeiden zu wollen. Auch sei die Gefahr von Gewehrschüssen in den betroffenen bewohnten Gebieten zu hoch.
 
Brandeburg Bogenjagd Wildschweine
Der Deutsche Jagdbogenverband versucht bereits seit Jahren, die Bogenjagd in Deutschland wieder einzuführen. Nun ist dieses Bemühen trotz der vorgeschobenen Begründungen anscheinend auf offene Ohren gestoßen. Laut dem Ministerium in Potsdam müssen nur noch die Rahmenbedingungen geklärt werden.

Darum ist die Jagd mit Pfeil und Bogen grausam

Viele US-Studien haben ergeben, dass die Bogenjagd zu erheblichem Tierleid führt, da 54 Prozent der getroffenen Tiere nicht sofort getötet werden (1). Wenn die verwundeten Tiere es schaffen, zu fliehen, erwartet sie oft ein tagelanger Todeskampf. Da laut § 17 Absatz 2b des Tierschutzgesetzes keinem Tier erhebliche, länger anhaltende Schmerzen zugefügt werden dürfen, führt eine Bogenjagd mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Verstoß gegen dieses Gesetz. Selbst wenn in Betracht gezogen wird, dass Wildschweine andere Fluchtdistanzen/-verhalten als Rehwild an den Tag legen, ist angesichts der Sachlage von einer untragbar hohen Verwundungsrate auszugehen.
 
Wildschwein Wald
Statt sich jedoch auf bewährte Studien und das Tierschutzgesetz zu berufen, sollen Wissenschaftler die Bogenjagd auf Wildschweine für das brandenburgische Umweltministerium fachlich begleiten und prüfen, ob diese Art der Jagd tierschutzgerecht ist. Die Kosten für den unnötigen und tierquälerischen Modellversuch – ein mittlerer fünfstelliger Betrag – sollen durch die Steuergelder aus der Haushaltskasse gedeckt werden (2).

Jagd kann Wildschweinbestand nicht regulieren

Die Jagd ist grundsätzlich nicht dafür geeignet, den Bestand von Wildtieren zu regulieren. Durch das Eingreifen der Jäger in die Natur werden natürliche Regulierungsfaktoren wie Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten gestört. Die Zerstörung der Sozialstrukturen der Wildschweine erhöht die Population sogar zusätzlich. So tritt die Geschlechtsreife der Tiere schneller ein und die Geburtenrate steigt. Die Jagd verursacht also selbst den „Überbestand“ bestimmter Wildtierarten. 


Eine friedliche Koexistenz mit allen Wildtieren sollte unser Ziel sein. Genau wie wir Menschen haben auch sie ein Recht, zu existieren und ihren Lebensraum zu nutzen. Unerwünschter Wildschweinbesuch in Gärten, Feldern oder Städten kann auch auf tierfreundliche Weise durch Vergrämungsmethoden wieder „ausgeladen“ werden – ob mit Elektrozäunen, der Verbreitung bestimmter Gerüche oder einer sogenannten Ablenkfütterung.

Helfen Sie uns, die Bogenjagd in Brandenburg zu verhindern!

Wir von PETA haben einen Brief an das Landwirtschaftsministerium Brandenburg gesendet, worin wir auf das Tierleid hinweisen, welches eine Bogenjagd bedeutet und empfehlen, das Vorhaben nicht zu genehmigen. Bitte schreiben Sie auch eine freundliche E-Mail an das Ministerium, in welcher Sie darum bitten, die Bogenjagd auf Wildschweine und andere Wildtiere nicht zu gestatten.

E-Mail-Adresse: [email protected]

Beispieltext

Sehr geehrter Herr Vogelsänger, sehr geehrte Damen und Herren,

mit Entsetzen erfuhr ich, dass Sie die mittelalterliche und grausame Bogenjagd auf Wildschweine in Stahnsdorf und Kleinmachnow genehmigen wollen. Laut Studien in Bezug auf Rehwild wird bei der Jagd mit Pfeil und Bogen jedoch nur rund die Hälfte aller Tiere getötet und die überlebenden erwartet ein tagelanger, qualvoller Todeskampf. Bei Wildschweinen dürfte es auch zu etlichen Fehlschüssen und großem Tierleid kommen. Ich bitte Sie, den Tieren dieses Leid zu ersparen und die Bogenjagd weiterhin nicht zu gestatten. Es gibt zahlreiche tierfreundliche Vergrämungsmethoden, mit denen Wildschweine von Wohngebieten ferngehalten werden können.



Quellen

(1) Animal Rights Coalition (2006): „Report on Bowhunting“. Online unter: http://animalrightscoalition.com/doc/bowhunting_report.pdf Abgerufen am 25.03.2019
(2) Märkische Allgemeine (15.03.2019): Fünf Bogenschützen gesucht: So wollen die Jäger der Wildschweinplage Herr werden. Online unter: http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam-Mittelmark/Kleinmachnow/Fuenf-Bogenjaeger-sollen-Wildschweine-in-Kleinmachnow-und-Stahnsdorf-jagen Abgerufen am 25.03.2019
 

Unsere Autoren

Friederike Huth

setzt sich als Editor und Coordinator im Online Marketing für die Rechte der Tiere ein.