Circus Belly in Langenhagen: „Schimpansen-Opa“ Robby muss weiterhin im Käfigwagen durch Deutschland reisen – PETA fordert Zirkusdirektor auf, Menschenaffen in die Auffangstation umziehen zu lassen

Langenhagen / Stuttgart, 6. März 2018 – Ein besseres Leben für Robby? Ab Donnerstag gastiert Circus Belly in Langenhagen. Noch immer dabei ist Robby, der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus. Gegen den Beschluss, dass der etwa 40-jährige Schimpanse seinen Lebensabend mit Artgenossen verbringen darf, hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg Berufung zugelassen – obwohl unter anderem mehrere Gutachter und Primatologen den Umzug in eine Schimpansenauffangstation befürworteten. Wenngleich ihm seit dem erstinstanzlichen Urteil zumindest Auftritte erspart bleiben, übt die Tierrechtsorganisation PETA scharfe Kritik:
 
„Circus Belly schürt Ängste, dass Robby in einer Auffangstation ums Leben kommen könnte, hat aber keine Bedenken, den ‚Affen-Opa‘ weiterhin der Tour durch Deutschland auszusetzen“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Wir fordern Herrn Köhler auf, ihm endlich ein Leben unter Artgenossen zu gönnen.“
 
Dem vorgeschobenen Argument, dass der Transport und die neue Lebenssituation unter Artgenossen lebensgefährlich für Robby sein könnten, widerspricht PETA: Die Erfolgsgeschichten von Animal Advocacy and Protection (AAP) und anderen Auffangstationen zeigen, dass auch Schimpansen, die jahrzehntelang in Isolation gelebt haben, von einem Umzug in eine Auffangstation und dem sozialen Kontakt zu Artgenossen profitieren. Seit über 30 Jahren ist AAP auf die Rettung von Schimpansen aus schlechten Verhältnissen spezialisiert und hat bereits zahlreiche Tiere aus Zirkusbetrieben in Sozialgruppen integriert.
 
Im April 2017 beschloss das Verwaltungsgericht Lüneburg, dass Robby umziehen darf. Der vom Gericht bestellte Gutachter attestierte gute Chancen für eine erfolgreiche Eingliederung. Im Januar dieses Jahres ließ das Oberverwaltungsgericht Lüneburg aufgrund der Bedenken bezüglich der Resozialisierung des Affen Berufung zu. Dabei fristet Robby sein Dasein seit Jahren unter Bedingungen, die eklatant gegen behördliche Richtlinien verstoßen und immenses Tierleid bedeuten. Die Haltungsbedingungen bei Circus Belly liegen weit unter den Mindestanforderungen des Bundesagrarministeriums für eine artgerechte Schimpansenhaltung. Demnach müsste das Gehege mindestens 400 Quadratmeter groß und reich strukturiert sein [1]. Bei Circus Belly wird der Menschenaffe die meiste Zeit in einem umgebauten Lkw-Anhänger gehalten. Selbst wenn sämtliche Gittergehege aufgebaut sind und die Temperaturen den Zugang dazu erlauben, stehen Robby nur rund 60 Quadratmeter zur Verfügung. Ausreichende Kletter-, Beschäftigungs- und Versteckmöglichkeiten gibt es nicht.
 
PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht da sind, um uns zu unterhalten. Die Tierrechtsorganisation und die renommierte niederländische Auffangstation AAP setzen sich seit 2011 für Robbys Rettung ein. Auch die weltbekannte Schimpansenforscherin Jane Goodall empfahl 2015, ihn in einer anerkannten Auffangstation unterzubringen. In der Natur leben Schimpansen in Gruppen mit einer komplexen Sozialstruktur und mehreren Dutzend Tieren. Renommierten Experten zufolge sind Menschen keine adäquaten Sozialpartner für einen Menschenaffen. Ihr natürlicher Lebensraum erstreckt sich in Waldgebieten Afrikas auf bis zu 50 Quadratkilometer, in Savannen sind es sogar weitaus mehr.
 
[1] BMEL (2014): „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“. Online unter www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/HaltungSaeugetiere.pdf?__blob=publicationFile.

Weitere Informationen
PETA.de/Robby
PETA.de/RettetRobby
PETA.de/Chronik-Zirkus-Belly
 
Kontakt:
Katharina Wicke, +49 711 860591-535, KatharinaW@peta.de