Das Aus für Tierversuche? Region Brüssel plant Gesetzesänderung

dinamicline [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Region Brüssel will in Zukunft Tierversuche an Affen, Hunden und Katzen sowie in der Ausbildung verbieten. Für die kommenden Jahre sind folgende Maßnahmen vorgesehen: Tierversuche an Affen, Hunden und Katzen sollen bereits ab 2020 verboten werden. Ab 2025 soll dann das Verbot von Tierversuchen in der Ausbildung und für Sicherheitsprüfungen (z. B. Giftigkeitstests, siehe Blog „Durchbruch! Software liefert bessere Ergebnisse als Tierversuche“) dazukommen. Im Bereich der angewandten Forschung, worunter zum Beispiel die medizinische Forschung fällt, sollen Tierversuche um 20 % reduziert werden. Auch wenn der Verordnung noch die endgültige Abstimmung im regionalen Parlament bevorsteht und damit noch nicht alle Hürden überwunden sind: Dies ist ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung!
 

Die Niederlande als Vorreiter bei tierversuchsfreier Forschung

Damit würde sich die belgische Region den Niederlanden anschließen, die bis 2025 im Bereich der tierversuchsfreien Forschung führend sein wollen. Das niederländische Tierversuchskomitee hat bereits Ende 2016 ein Strategiepapier vorgelegt, das den Wechsel zu tierversuchsfreier Forschung zum Ziel hat. Tierversuche sollen nach und nach durch tierfreie Innovationen ersetzt werden. Für die konkrete Umsetzung bedeutet dies beispielsweise eine vollständige Abkehr von Tierversuchen bei gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsprüfungen von Chemikalien, Pestiziden oder Impfstoffen ab spätestens 2025. Auch in der angewandten Forschung wollen sich die Niederlande auf tierversuchsfreie Methoden konzentrieren und eine humanbasierte Forschung fördern – das ist weltweit längst überfällig, da Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragbar sind. In der Lehre und Ausbildung soll die Verwendung von Tieren leider nicht komplett auf tierfreie Alternativen, die längst vorhanden wären, umgestellt, sondern nur auf ein Minimum reduziert werden. Bedauerlicherweise sollen ausgerechnet in der Grundlagenforschung, also der reinen Neugierforschung, Tierversuche weiter an der Tagesordnung stehen – also selbst unter den Vorreitern gibt es noch viel Verbesserungsbedarf!
 
Doch wie ist die Situation in Deutschland? Leider sehr ernüchternd – in den letzten Jahrzehnten ist die Anzahl missbrauchter Tiere in der Forschung stetig gestiegen. Es gibt keinerlei Umdenken oder Fortschritt und es herrscht ein massives Ungleichgewicht bezüglich der finanziellen Förderung tierversuchsfreier Alternativen im Vergleich zu Tierversuchen. Dabei sprechen sich auch immer mehr Wissenschaftler gegen Tierversuche aus und die bereits vorhandenen Alternativen sind sehr erfolgreich.

Deutschland hinkt hinterher

Es herrscht also Handlungsbedarf – hoffentlich zieht Deutschland bald hinterher, wenn sich jetzt immer mehr Länder um einen Ausstieg aus Tierversuchen bemühen. Die Niederlande und die Region Brüssel sind auf einem guten Weg, dennoch stellen ihre Ausstiegspläne lediglich Schritte in die richtige Richtung dar. PETA fordert die Abschaffung ALLER Tierversuche! Tiere sind schlichtweg nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren – und das gilt natürlich für Ratten, Mäuse und alle anderen in Versuchen missbrauchten Tieren genauso wie für Affen, Hunde oder Katzen.

Was Sie tun können

Wollen auch Sie dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen? Dann informieren Sie Ihre Mitmenschen über die Grausamkeit und Unsinnigkeit von Tierversuchen und unterzeichnen Sie unsere Petition für einen Zulassungsstopp von Tierversuchen in der EU!
 

Unsere Autoren

Anne Meinert

Anne ist Fachreferentin für Tiere in der Tierversuchsindustrie. Sie hat Kognitionsbiologie studiert und setzt ihre wissenschaftliche Ausbildung dafür ein, dass in Zukunft keine Tiere mehr in der Forschung missbraucht werden.