Delfin-Nachzuchtverbot in Frankreich erlassen: PETA bittet Umweltministerin Barbara Hendricks, tierfreundlichem Beispiel zu folgen

Stuttgart, 6. Juni 2017 – Vorbild Frankreich: Anfang Mai erließ die ehemalige französische Umweltministerin Ségolène Royal ein mit sofortiger Wirkung geltendes Zuchtverbot für die in Gefangenschaft lebenden Delfine und Schwertwale in allen vier französischen Meeresparks. Diese Regelung bedeutet, dass in Frankreich mittelfristig keine Delfine mehr eingesperrt sein werden. PETA hat die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks nun in einem Schreiben gebeten, dem Beispiel Frankreichs zu folgen und auch für die deutschen Zoos Nürnberg und Duisburg ein Nachzuchtverbot von Delfinen zu erlassen. Die verbleibenden Tiere sollen in betreute Auffangstationen im Meer überführt werden.
 
„Eine artgerechte Lebensweise ist für Delfine in Zoos nicht möglich“, so Dr. Tanja Breining, Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „In Freiheit leben Große Tümmler in komplexen Sozialstrukturen, entdecken täglich eine abwechslungsreiche Unterwasserfauna und -flora und können so weit schwimmen und tief tauchen, wie sie möchten. In Zoos hingegen werden sie zu kommerziellen Zwecken in enge, kahle Becken gesperrt, in denen es außer Kacheln und Beton nichts zu entdecken gibt – das muss umgehend ein Ende haben.“
 
Ségolène Royal traf die – unerwartete – Entscheidung, nachdem sie Kenntnis davon erlangte, dass die intelligenten Meeressäuger in den Parks mit Psychopharmaka behandelt werden. Das neu erlassene französische Gesetz schreibt weiterhin vor, dass in Meeresparks kein Chlor mehr eingesetzt werden darf und dass der Kontakt zwischen Delfinen und dem Publikum verboten ist.
 
In Deutschland leben in den Zoos in Duisburg und Nürnberg derzeit noch insgesamt 15 Delfine. Im Zoo Duisburg sind sieben Große Tümmler und ein Flussdelfin in sehr enge „Meeresbecken“ eingesperrt. Da die Halle überdacht ist, können sich die Tiere nicht einmal „im Freien“ aufhalten. Neben mehrmals täglich stattfindenden Shows, bei denen die Delfine unnatürliche Kunststücke aufführen müssen, findet auch eine Interaktion der Tiere mit Kindern statt. An Geburtstagen wird das Geburtstagskind beispielsweise im Boot von einem Delfin durch ein Becken gezogen. Die Delfinlagune in Nürnberg ist seit Jahren undicht. Im Rahmen der zu erwartenden jahrelangen Reparaturmaßnahmen wurden bereits die Delfine Arnie, Noah und Kai an andere Delfinarien abgegeben. Den verbleibenden sieben Großen Tümmlern stehen viele Monate Baulärm bevor. Außerdem ist bekannt, dass die Delfine in Nürnberg ebenfalls mit Diazepam behandelt werden, einem Psychopharmakon, das beruhigend wirken soll [1].
 
Delfine haben ein Selbstbewusstsein, rufen sich gegenseitig beim Namen, erkunden ihre Umgebung unter anderem durch Echo-Ortung und leben in der Natur in komplexen Sozialverbänden. Internationale Wissenschaftler, wie die US-Hirnforscherin Lori Marino oder die Delfinforscherin Morgane Perri aus Frankreich, sind sich einig, dass die hochintelligenten Tiere in einem kahlen, maximal sieben Meter tiefen Zoobecken niemals artgerecht leben können.
 
Auch das Baltimore National Aquarium gab 2016 bekannt, seine acht Delfine bis 2020 in eine Auffangstation überführen zu wollen. Als Auffangstation  für die Delfine aus den Zoos in Nürnberg und Duisburg käme beispielsweise ein Reservat auf der griechischen Insel Lipsi in Frage.
 
[1] http://de.whales.org/sites/default/files/pressebriefing_nuernberg_stand_maerz_2016.pdf

Weitere Informationen:
PETA.de/Delfine

Kontakt:
Judith Stich, +49 (0)30 6832666-04, [email protected]