Deutschland auf Platz zwei von EU-Statistik zu Tierversuchen für das Jahr 2017

Fast 22 Millionen Tiere leiden in europäischen Laboren – PETA fordert Ende aller Tierversuche
 

Stuttgart, 5. Februar 2020 – Heute hat die EU Angaben zur Zahl der von den europäischen Mitgliedstaaten im Jahr 2017 für Tierversuche verwendeten Tiere veröffentlicht – Deutschland ist nach Großbritannien auf Platz zwei der Statistik. Entgegen der EU-Gesetzgebung, die das Ziel hat, alle Tierversuche zu ersetzen, wurden 9,39 Millionen Tiere vergiftet, mit tödlichen Krankheiten infiziert, aufgeschnitten und auf andere Weise in Experimenten gequält. Diese Zahl schließt sogar noch Millionen von ihnen aus, die für die Entnahme von Organen getötet, als Zuchtmaschinen missbraucht oder einfach weggeworfen wurden, weil sie die geforderten Testkriterien nicht zum richtigen Zeitpunkt erfüllten. PETA Deutschland und die europäischen Partnerorganisationen forderten die Europäische Kommission und das Europäische Parlament bereits im November mit der Übergabe einer Petition mit 117.123 Unterschriften auf, alle Tierversuche zu beenden und ihren Nutzen kritisch zu prüfen.

„Nur wenige Tierversuche – egal, wie schmerzhaft oder irrelevant – sind gesetzlich verboten“, so Dr. Christopher Faßbender, Ökotoxikologe und wissenschaftlicher Berater bei PETA. „Ihr systematisches Versagen darin, dem Menschen zu nutzen, in den Bereichen von beispielsweise neurodegenerativen Erkrankungen, psychischen Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen, Krebs oder Fettleibigkeit, ist gut dokumentiert. Wir appellieren mit Nachdruck an die EU, das Vertrauen in diese unzeitgemäßen Methoden zu überdenken und sich für die Finanzierung und Weiterentwicklung ethisch vertretbarer und für den Menschen relevanter Technologien einzusetzen. Hier liegt eindeutig die Zukunft der Wissenschaft und der menschlichen Gesundheit.“
 
EU-Kommission droht Deutschland mit Klage
Die hohe Zahl der für Tierversuche eingesetzten Tiere ist PETAs Ansicht nach erschreckend. Die EU-Kommission hat gedroht, Deutschland beim Europäischen Gerichtshof zu verklagen, weil die deutsche Gesetzgebung in vielen Punkten versagt und die entsprechende EU-Richtlinie für Tiere in Laboren nicht angemessen umsetzt.
 
Nach jahrelangem Warten auf aktualisierte Informationen bestätigt der Bericht der EU, dass die Gesetzgebung die Tiere, die in europäischen Laboren millionenfach gequält und getötet werden, nicht schützt. Die Gesamtzahlen sprechen von 16,2 Millionen Mäusen, 1,7 Millionen Ratten und 2,5 Millionen Fischen, die für Experimente missbraucht wurden, weil sie preiswert und leicht zu handhaben sind und ihnen im Vergleich zu anderen Tierarten ein geringerer Wert zugeschrieben wird. Daneben wurden unter anderem 416.954 Kaninchen, 603.187 Vögel, 13.918 Hunde, 1.883 Katzen und 8.432 Primaten in Versuchen verwendet. Diese Tiere werden – in der Regel von ihren Familien getrennt – oft versteckt vor der Öffentlichkeit in fensterlosen Räumen eingesperrt, in denen kaum Platz zum Stehen, Klettern, Graben, Nahrungssuchen oder Spielen ist. Die Zustände im Labor LPT zeigen, wozu das führen kann: blutverschmierte Hunde, die sich selbst überlassen wurden, oder viel zu kleine Käfige für die verängstigten Affen. Tierschutzstandards wurden offenbar nicht erfüllt und Politiker sprechen von einem „Kontrollversagen“ der zuständigen Behörden. In Hamburg demonstrierten viele Tausend Menschen gegen Tierversuche und für die Schließung des Labors.  
 
Tierfreundliche Testmethoden vorhanden, aber unzureichend gefördert
Tierversuche können die Wirkung von Medikamenten und die Reaktionen auf Chemikalien beim Menschen in der Regel nicht voraussagen. Zuverlässiger, effektiver und zudem ethisch vertretbar sind beispielsweise Testsysteme, die auf menschlichen Zellen basieren: Diese reichen von Zellkulturen über 3-D-Organmodelle bis hin zu einem nachgestellten menschlichen Organismus im Mini-Format. PETA fordert die Bundesregierung auf, wesentlich mehr Gelder in die Weiterentwicklung und Etablierung dieser tierfreien Methoden zu investieren und die eine verbindliche Ausstiegsstrategie aus Tierversuchen zu entwickeln, wie es sie beispielsweise bereits in den Niederlanden gibt.
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Themen/Tierversuche

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