Droht Lorcher Stallbetreibern nach PETA-Anzeige eine Freiheitsstrafe? Staatsanwaltschaft ermittelt wegen falscher Verdächtigung

Landwirte beschuldigen Informantin nach Missstandsmeldung haltlos


Lorch / Stuttgart, 14. August 2019 – PETA veröffentlichte im Juni 2018 Fotos von den Missständen in einem Lorcher Landwirtschaftsbetrieb und erstattete Strafanzeige gegen die Verantwortlichen. Der Stall einiger Rinder war falsch konzipiert und die Tiere hatten unter anderem weder frisches Wasser noch trockene Liegeflächen zur Verfügung. Nachdem das Bildmaterial an die Öffentlichkeit gelangte, erstatteten die Betreiber wegen Hausfriedensbruchs Anzeige gegen die Informantin. Das Verfahren wurde eingestellt, da die Fotos die Missstände zutreffend darstellten und die Zeugin sich legal auf dem Hof aufgehalten hatte. Wegen falscher Verdächtigung ermittelt die Staatsanwaltschaft Ellwangen nun gegen die Landwirte (Az.: 45 Js 11295/19). Das Strafverfahren wegen der tierschutzrechtlichen Verstöße ist nach wie vor bei der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart anhängig. PETA fordert eine angemessene Strafe und appelliert erneut an das Veterinäramt des Ostalbkreises, ein Tierhalteverbot zu verhängen.
 
„Die Lorcher Landwirte sind nicht einmal davor zurückgeschreckt, Behörden über einen angeblichen Hausfriedensbruch zu belügen, um von ihren eigenen Rechtsbrüchen abzulenken. Eine falsche Verdächtigung ist eine Straftat, die eine Freiheitsstrafe nach sich ziehen kann“, so Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei PETA. „Wir hoffen, dass die Landwirte angemessen bestraft werden. Dieser Betrieb ist nur ein Beispiel dafür, dass das Geschäftsmodell der ‚modernen‘ Tierhaltung auf Tierquälerei, Lügen und Betrug basiert.“
 
Liste der Verstöße und Missstände ist lang
Sowohl die Informantin als auch das Stuttgarter Regierungspräsidium stellten zahlreiche Mängel in dem Lorcher Betrieb fest. Viele Tiere waren zum Zeitpunkt der Kontrollen nicht ausreichend mit Wasser versorgt und aufgrund der Fehlkonstruktion des Stalls stark verschmutzt. Zudem hatten die Tiere weder ausreichend Einstreu noch Beschäftigungsmöglichkeiten oder genügend Platz zur Verfügung. In mehreren Schweinebuchten war der Ammoniakgehalt zu hoch. Die Klauenpflege wurde ebenfalls vernachlässigt, was zu schmerzhaften Klauenerkrankungen führen und die Gliedmaßen schädigen kann. Darüber hinaus war das Bestandsregister fehlerhaft und der Einsatz von Antibiotika und Homöopathika wurde nicht dokumentiert. Trotz dieser eklatanten Missstände förderte das Land Baden-Württemberg den Betrieb. „Wir hoffen, dass dem skrupellosen Geschäft der Verantwortlichen nun endlich ein Riegel vorgeschoben und die Tierhaltung untersagt wird“, so Haferbeck.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Tierrechtsorganisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

 
In dem Lorcher Betrieb mussten Rinder ein Dasein inmitten ihrer eigenen Exkremente fristen. / © PETA Deutschland e.V.
 
Das Motiv steht hier zum Download zur Verfügung.
 
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PETA.de/Fleisch-aus-der-Region
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