„Dürfen wir das?“ – ethische Aspekte zu Tierversuchen

Maus Tierversuch und Maus im Garten

Ein Aspekt, vor dem die Tierversuchsindustrie und -lobby nahezu starrköpfig die Augen verschließen, ist die Ethik. Egal, welche Gründe für die Durchführung von Tierversuchen genannt werden – DAGEGEN sprechen IMMER ethische Argumente. Kein Tier, egal ob Hund, Maus, Affe, Katze oder Ratte, hat es verdient, sein Leben in einem Labor fristen und Grausamkeiten ertragen zu müssen, die außerhalb des Labors illegal wären!

JEDES Lebewesen ist gleich viel wert

Viele Menschen sind versucht, Affen oder Hunden mehr Mitleid zukommen zu lassen, als Mäusen oder Ratten – dabei machen letztgenannte rund 80 % der in Tierversuchen verwendeten Tiere aus (1). Wie alle anderen Tiere haben auch sie die gleichen Empfindungen wie wir Menschen – sie verspüren Angst und Schmerz. Der Missbrauch zu Versuchszwecken bedeutet für sie unerträgliches Leid. Eine Studie zeigt, dass bereits das Hochheben von Mäusen in Versuchslaboren den Puls der Tiere rasen lässt und die Ausschüttung von Stresshormonen bewirkt. „Routine-Behandlungen“, wie Blutabnahmen oder die künstliche Ernährung per Magensonde, führen zu Panik – von den eigentlichen Experimenten ist hier noch nicht einmal die Rede. Die Schlussfolgerung sollte eigentlich trivial sein: Es gibt „keine humanen Experimente“. (2)

Oft wird das Argument genannt, dass die Tiere ja extra für die Versuche gezüchtet wurden. Da stellt sich die Frage, wieso dies einen Unterschied machen sollte – denn das macht sie nicht zu weniger leidensfähigen Wesen. Egal, welcher Herkunft: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren.

„Aber es gibt doch nicht für alles eine Alternative?“

Ein anderes Argument, das zur Rechtfertigung von Tierversuchen oft herangezogen wird, ist das mangelnde Vorhandensein von Alternativen: Es gibt (noch) nicht für jede Art von Versuchen Alternativmethoden, auch wenn bereits zahlreiche tierleidfreie Innovationen vorhanden sind. Das liegt zu einem großen Teil auch an der massiven Ungleichverteilung finanzieller Mittel: Der Erforschung von Alternativmethoden steht nicht einmal 1 % der rund 3 Milliarden Euro an Steuergeldern zur Verfügung, die in die Tierversuchsindustrie fließen. Es wird Zeit, dass diese Gelder endlich angemessen verteilt werden!

Ein Sonderfall bezüglich Alternativmethoden ist die Grundlagenforschung. Sie dient der Befriedigung der wissenschaftlichen Neugierde und des Forschungsdrangs und wird deswegen häufig als reine „Neugierforschung“ bezeichnet. Mit 53 % (1) macht dieser Forschungsbereich den größten Anteil aller Tierversuche aus.

Neugier als Antrieb wissenschaftlichen Fortschritts ist erst einmal nichts Verwerfliches, und neue Erkenntnisse sind oft wertvoll – doch der Missbrauch von Tieren im Namen der Forschung ist damit moralisch nicht zu rechtfertigen. Tierleid darf nicht mit Forschungsfreiheit und Erkenntnisgewinn aufgewogen werden! Die Absurdität und Grausamkeit der Versuche kennen dabei keine Grenze nach oben (3): Um herauszufinden, welche Nerven bei Ratten aktiviert werden, wenn Druck auf ihre Schnurrhaare ausgeübt wird, haben „Forscher“ in Tübingen den Schädel der empfindsamen Tieren geöffnet und einen Teil der linken Gehirnhälfte abgesaugt. Durch eine anschließend eingefügte Elektrode werden die elektrischen Impulse der Nerven gemessen, wenn auf die abgeschnittenen Schnurhaare gedrückt wird. (4) Für einen solchen Versuch gibt es vielleicht keine Alternativmethode – aber MUSS er tatsächlich sein? Die Relevanz solcher Erkenntnisse steht in keinerlei Relation zu dem immensen Tierleid, auf dem sie beruhen.

Ungerechtfertigtes Leid

Viele Ergebnisse aus der Grundlagenforschung sind irrelevant und kommen niemals dem Menschen zugute, obwohl diese Argumente oft zur Rechtfertigung von Tierversuchen herangezogen werden. Studien zeigen jedoch, dass die Erfolgsquote in der Medizin verschwindend gering ist und Tierversuche keinen Nutzen für den Menschen haben. Die Bezeichnung der reinen „Neugierforschung“ hat deswegen durchaus ihre Berechtigung.

Um die Frage aus der Überschrift zu beantworten: Tiere sind schlichtweg nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren. Es steht uns ganz einfach nicht zu, das Leben eines Lebewesens gegen das eines anderen aufzuwiegen und qualvolle Tierversuche mit einem vermeintlichen Nutzen zu rechtfertigen. Es ist falsch, Tiere in kleine Käfige zu sperren, ihnen ein Leben ohne adäquate Sozialkontakte aufzuzwingen und sie in Experimenten zu quälen, um sie schlussendlich zu töten. Somit – NEIN, wir dürfen das nicht.

Was Sie tun können

Im Rahmen dieser Blogserie veröffentlichen wir in regelmäßigen Abständen Informationen zu Argumenten, die gegen Tierversuche sprechen. Bitte informieren Sie auch Familie, Freunde und Bekannte über die vorherrschenden Missstände!

Momentan haben Sie außerdem eine außergewöhnliche Chance: Noch bis zum 31. Oktober läuft unsere weltweite Kampagne gegen Tierversuche, mit der wir unseren Einsatz gegen diese grausame Industrie verstärken wollen. Jede Spende wird bis zu einem Zielbetrag von 500.000 Euro verdoppelt! Mit Ihrer Spende können wir unter anderem weitere Tierquälerei in Versuchslaboren aufdecken, die tierversuchsfreie Forschung fördern und Unternehmen, die Tierversuche durchführen lassen, von Alternativmethoden überzeugen. Bitte nutzen Sie deshalb heute die Chance, Ihre Spende verdoppeln zu lassen – noch bis zum 31. Oktober!





Quellen:
(1) BMEL: Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2016. https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/_texte/TierschutzTierforschung.html;jsessionid=C1BF7A3084619712959D6B754A2A3170.1_cid358?docId=10323474
(2) Balcombe, J. et al., 2004: Laboratory Routines Cause Animal Stress. Contemporary Topics in Laboratory Animal Science, vol. 43, pp. 42-51.
(3) ÄgT: Absurditäten aus deutschen Labors. https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/projekte/datenbank/664-absurditaeten-aus-deutschen-labors?showall=1&limitstart=  
(4) Stüttgen, M.C. et al., 2008: Responses of rat trigeminal ganglion neurons to longitudinal whisker stimulation. Journal of Neurophysiology, vol. 100, pp. 1879-1884.

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