Entlaufener Elefant von Circus Afrika auf befahrener Straße in Cham: PETA fordert Behörden auf, endlich für öffentliche Sicherheit zu sorgen

Cham / Stuttgart, 24. Juni 2019 – Ab dieser Woche gastiert Circus Afrika mit drei Elefanten in Cham. Heute ist gegen 13 Uhr mindestens eines der Tiere unbeaufsichtigt über die vielbefahrene Janahofer Straße gelaufen. Glücklicherweise reagierten die Autofahrer schnell und konnten ausweichen. Zirkusmitarbeiter haben den Elefanten inzwischen eingefangen und zurück auf das Gelände gebracht. Angesichts der Gefährlichkeit von Elefanten und zahlreicher dokumentierter Zwischenfälle fordert PETA die Behörden auf, dem Zirkus scharfe Sicherheitsvorkehrungen aufzuerlegen und künftige Gastspiele in der Stadt aus Gründen der öffentlichen Sicherheit zu untersagen.  
 
„Circus Afrika fällt immer wieder negativ auf. Ein unbeaufsichtigter Elefant auf einer befahrenen Straße ist ein weiterer Beleg für das fahrlässige Handeln der Zirkusverantwortlichen. Dass es in dieser überaus gefährlichen Situation zu keinen Schäden gekommen ist, ist reine Glückssache“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA.
 
Tierschutzverstöße, Sach- und Personenschäden bei Circus Afrika
Bei ungenehmigten „Spaziergängen“ mit den Elefanten kam es bei Circus Afrika in der Vergangenheit mehrmals zu Sachschäden, zudem wurde Zirkusdirektor Weisheit 2017 wegen der damit verbundenen fahrlässigen Gefährdung von Menschen vom Amtsgericht Erfurt zu einem Bußgeld verurteilt (Az.: 653 Js 201266/17 65 OWi). Bei diesem „Spaziergang“ verletzte sich eines der Tiere; das Verfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wurde jedoch eingestellt.
 
Zahlreiche Videoaufnahmen zeigen das sogenannte „Weben“ der Elefanten. Dabei schwingen sie pausenlos mit Kopf und Rüssel hin und her – ein Zeichen für schweres seelisches Leiden. Elefanten werden im Zirkus in der Regel jede Nacht an zwei Beinen fixiert und mit dem sogenannten Elefantenhaken – einem Stock mit spitzem Metallhaken – gefügig gemacht. Bei Circus Afrika werden die Elefanten immer wieder auch tagsüber längere Zeit angekettet, was gegen die Zirkusleitlinien verstößt. Bei einem Gastspiel in Halle (Saale) 2013 dokumentierte die zuständige Veterinärbehörde im Stallzelt Temperaturen zwischen zwei und neun Grad Celsius, vorgeschrieben sind mindestens 15 Grad. Laut einem Gutachten im Auftrag der Tierschutzbeauftragten des Landes Hessen quält die Elefantendame Gandhi ein großes Bauchödem und bei Tonga und Moja seien die Beine auch wegen des andauernden Stehens auf hartem Untergrund teilweise deformiert [2].Auch vor der Unversehrtheit von Menschen macht der Direktor keinen Halt. So fuhr Weisheit 2016 während einer Protestaktion in Sangerhausen mit einem Radlader auf die Demonstranten zu; mindestens eine Person wurde von der Ladung des Radlagers touchiert [3].
 
Hintergrundinformationen
Experten zufolge funktioniert die Dressur von Elefanten nur mit Gewalt und Zwang. Der Bundesrat begründete 2016 in seiner Entschließung, warum insbesondere Elefanten erheblich im Zirkus leiden. Einer repräsentativen forsa-Umfrage vom Mai 2014 zufolge vertreten außerdem 82 Prozent der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können. Bezüglich exotischer Wildtierarten sprechen sich auch die Bundestierärztekammer und die Agrarressorts der Länder für ein Verbot aus. Letztere haben erst kürzlich ihre Forderung an die Bundesregierung nach einer Regelung bekräftigt.
 
PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht dazu da sind, dass sie uns unterhalten. Die Tierschutzorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod.
 
PETA setzt sich gegen Speziesismus ein: eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] https://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Zirkus-Afrika-gastiert-in-Weimar-Ueberleben-ist-ein-Drahtseilakt-2041061767.
[2] European Elephant Group (2011): Quantitative und qualitative Erhebung zur Situation der Elefanten in deutschen Zirkussen. Haltungsfachliches Gutachten auf Anforderung der Landestierschutzbeauftragten des Landes Hessen. Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV).
[3] https://www.mz-web.de/sangerhausen/auf-tierschuetzer-zugefahren-zirkusdirektor-muss-300-euro-an-sozialen-verein-zahlen-29732186.
 
https://peta.pixxio.media/workspace/pixxio/tt.php?q=90&h=858.5&src=/workspace/pixxio/fileArchiv/j7/j7dHMnfTNuMKrk10jC__1561384374_0352600.jpg
PETA wurde dieses Bild des unbeaufsichtigten Elefanten von Zirkus Afrika in Cham zugespielt. / © PETA Deutschland e.V.
 
Das druckfähige Motiv steht hier zum Download zur Verfügung.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Chronik-Afrikas-Big-Circus
PETA.de/Wildtierdressur
PETA.de/VerbotWildtiereImZirkus
 
Kontakt:
Carolin von Schmude, +49 711 860591-528, [email protected]