Oberglatt / Kreuzlingen, 16. Oktober 2020 – Tiere sind keine Ware: Am Sonntag findet in der Chlieriethalle in Oberglatt die Terraexpo statt. Immer wieder geraten derartige Veranstaltungen aufgrund ihres tierschutzwidrigen Angebots in die Kritik. Anlässlich der mit dem Tierschutz unvereinbaren Veranstaltung fordert PETA die Gemeinde nun auf, künftig keine Räumlichkeiten mehr für Terraristik-Börsen zur Verfügung zu stellen.
 
«Für das skrupellose Geschäft produzieren Züchter massenhaft Nachschub. Anschliessend leiden die sensiblen Tiere auf Terraristik-Börsen wie der in Oberglatt durch die ihnen aufgezwungene, unnatürliche Nähe zum Menschen oft unter Todesangst. Händler geben zudem Tiere an Besucher ab, die sich spontan – und oft ohne jegliche Fachkenntnisse – für den Kauf der Lebewesen entscheiden», so Ilana Bollag im Namen von PETA Schweiz. «Wir fordern die Politik auf, diese tierschutzwidrigen Veranstaltungen umgehend zu verbieten.»
 
Tierquälerei für Reptilienbörsen
Auf entsprechenden Börsen werden exotische Tiere meist in winzige Plastikboxen ohne Rückzugsmöglichkeiten gesperrt. Sie sind dabei erheblichem Stress und Ängsten ausgesetzt, die sich oftmals durch stereotype Verhaltensweisen äussern. So laufen sie in Gefangenschaft beispielsweise ständig an den Glaswänden des Terrariums hoch. Denn in ihrer Welt – der Natur – gibt es keine durchsichtigen Grenzen. Reptilien und andere «Exoten» werden häufig zu Billigpreisen angeboten und enden bei Abnehmern, die ihren Bedürfnissen im Hinblick auf Temperatur, Lebensraum und Ernährung in keiner Weise gerecht werden können. «Das Wohlergehen der Tiere steht bei diesen Veranstaltungen hinten an – der Profit kommt bei Züchtern und Verkäufern an vorderster Stelle», kritisiert Bollag.
 
Keine artgerechte Haltung möglich
Tierheime und Auffangstationen sind mit exotischen Tieren überfüllt, weil viele Halter überfordert sind. Eine artgerechte Haltung ist in Gefangenschaft ohnehin nicht möglich. Viele gefangengehaltene Reptilien und «Exoten» zeigen auffälliges oder gar stereotypes Verhalten. Der menschliche Kontakt verängstigt sie zusätzlich: Schon wenn Menschen sie nur anschauen, kann dies die sensiblen Tiere unter enormen Stress setzen. Ein Grossteil der von Privatpersonen gehaltenen «Exoten» stirbt frühzeitig, weil ihre Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Im Rahmen einer tierärztlichen Fallstudie wurden rund 150 verstorbene Reptilien untersucht. Sie kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an Krankheiten litten, die auf Haltungsfehler zurückzuführen waren. [1]
 
Gesundheitsgefährdung
Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien zudem exotische Salmonellenarten: Schätzungsweise 90 Prozent der Tiere tragen die gesundheitsgefährdenden Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können schlimmstenfalls zu Hirnhautentzündungen oder gar zum Tod führen – vor allem Kinder und immungeschwächte sowie ältere Menschen sind gefährdet. Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts ist jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern auf den Umgang mit exotischen Tieren zurückzuführen. [3]
Bollag erklärt: «Oberglatt kann einen wichtigen Teil zum Schutz von Tieren und Menschen beitragen, indem die Gemeinde ein kommunales Verbot für Exotenbörsen ausspricht.»
 
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie. 4. Leipziger Tierärztekongress.
[2] Robert-Koch-Institut: Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.
 
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Reptilien werden wie billiger Trödel an jeden Interessenten verkauft. / © PETA Deutschland e.V.
 
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Weitere Informationen:
PETA-Schweiz.ch/Reptilienhandel