Können wir uns Feministen nennen, wenn wir Eier essen?

Ein menschliches Ei ist winzig. Mit bloßem Auge ist es für uns unsichtbar. Und dennoch steckt in ihm eine Kraft, die Leben hervorbringen und ganze Nationen spalten kann.

Bei dieser enormen Macht – was bedeutet es dann, wenn Menschen einem weiblichen Wesen die Eier wegnehmen, ohne auch nur darüber nachzudenken? Wenn Menschen Geld dafür zahlen, obwohl sie wissen, dass diese Frauen eingesperrt wurden, ihre Reproduktion vollständig kontrolliert und manipuliert wird und dass sie nach einem entsprechenden Zeitplan immer wieder Kinder in die Welt setzen müssen?

1. Das Recht einer Frau, über ihr eigenes Reproduktionssystem zu entscheiden, sollte respektiert werden – unabhängig von der Spezies.

Weltweit kämpfen Menschen um die Kontrolle über Frauenkörper. Feministinnen und Feministen treten für reproduktive Rechte ein. Aber können wir uns alle tatsächlich Feministen nennen, solange wir noch Hühnereier essen?

2. Der Tatsache, dass wir Hennen ihre Rechte verweigern, liegt das gleiche Überlegenheitsdenken zu Grunde, aus dem heraus wir Frauen ihre Rechte verweigern.

Das Leid von weiblichen Lebewesen einer anderen Spezies wird schnell als unwichtig abgetan. Doch vergessen wir nicht: Auch menschliche Frauen wurden lange (und werden teils noch immer) als unwichtig, wertlos, nicht intelligent oder einfach belanglos dargestellt. Sieht man sich die Gründe an, mit denen Menschen das Leid von Hühnern wegwischen und ihnen grundlegende Rechte aberkennen, lassen sich gravierende Ähnlichkeiten zum Umgang mit Frauenrechten feststellen.

3. Hennen sind keine Eiermaschinen – sie sind Individuen mit Wünschen und Bedürfnissen.

Hühner sind neugierig. Sie können komplexe geistige Aufgaben lösen, beweisen Selbstbeherrschung, machen sich Gedanken um die Zukunft und geben kulturelles Wissen an ihre Nachkommen weiter. Wie alle anderen Tiere auch (einschließlich Menschen) lieben sie ihre Familien und hängen an ihrem Leben. Stets möchten sie wissen, wo sich ihre Verwandten und andere Hühner ihrer Gruppe befinden. Sie verfügen über komplexe Sozialstrukturen, ausgefeilte Kommunikationsfähigkeiten und eine jeweils ganz eigene Persönlichkeit – genau wie wir.
 

Hühner sind die am meisten misshandelten Tiere der Welt.

Eier und Feminismus

In deutschen Eierbetrieben leben über 40 Millionen Hennen, die jedes Jahr 12 Milliarden Eier produzieren. Über zwei Millionen von ihnen leben in extrem beengten Käfigen. Diese Tiere haben im Regelfall kaum mehr Platz zur Verfügung als die Größe eines DIN-A4-Papiers. Ihr Leben ist ein einziger Albtraum.
Die Drahtkäfige scheuern an ihrem Gefieder, reiben ihnen die Haut auf und lassen ihre Füße verkrüppeln. Aufgrund des Stresses und der Enge picken sie aufeinander ein und töten sich nicht selten gegenseitig. Oft leiden sie unter Knochenbrüchen oder Osteoporose, die in den dreckigen, engen Ställen quasi an der Tagesordnung ist. Viele Vögel sterben. Die Überlebenden müssen häufig neben den verwesenden Leichen ihrer Artgenossen ausharren.
Auch Eier aus „Bodenhaltung“ oder „Freilandhaltung“ würden wahre Feministen nicht essen. Denn auch hier müssen die Hennen ihre Eier meist in dunklen, dreckigen Ställen legen.
Produzieren sie nicht mehr genügend Eier, pfercht man die empfindsamen Tiere in enge Kisten und schickt sie auf eine albtraumhafte Fahrt zum Schlachthof. Dort werden sie an den Beinen aufgehängt und man schneidet ihnen die Kehle durch – oft bei vollem Bewusstsein.

4. Betriebe manipulieren das Reproduktionssystem von Hühnern.

Mit Licht und Nahrung wird das Reproduktionssystem von Hennen so verändert, dass zusätzliche Legezyklen erreicht werden. So müssen die Tiere bis zu 300 Eier pro Jahr legen – wesentlich mehr als die zehn bis 15 Eier, die ihre Vorfahren in freier Natur legten. Aus diesem Grund leiden Hühner oft an Zysten, Infektionen, Eierstockkarzinomen oder anderen Krebserkrankungen des Reproduktionssystems. Manchmal befinden sich sogar mehrere Eier in ihrem Körper. Ihre Knochen brechen häufig aufgrund von Osteoporose, da ihr Körper riesige Mengen an Eierschalen produzieren muss.

5. Hennen werden getötet, damit Menschen Eier essen können.

Geht es einer Henne im Leben richtig gut, kann sie ca. zehn Jahre alt werden. In Eierbetrieben übersteht der Körper der Tiere meist gerade einmal zwei Jahre – wenn überhaupt. Nimmt die Eierproduktion ab, gelten die Tiere als „verbraucht“ und man pfercht sie auf einen LKW zum Schlachthof. Dort werden sie an den Beinen aufgehängt und man schneidet ihnen die Kehle durch oder vergast sie. Die Leichen werden vermutlich zu Hühnersuppe oder Tiernahrung verarbeitet – denn für alles andere ist das Fleisch zu kaputt.

6. Hennen sind aufopfernde, liebevolle Mütter.

Hennen wurden zu Eiermaschinen gemacht. Doch früher galten die Tiere als Inbegriff der Mutterschaft. Der griechische Schriftsteller Plutarch bewunderte den Mutterinstinkt von Hennen. Er schrieb, er habe sie dabei beobachtet, wie sie ihren Jungen Schutz unter ihren Flügeln gewährten, sie vor Gefahren verteidigten und liebevoll mit ihnen kommunizierten .
Der Renaissance-Schriftsteller Ulisse Aldrovandi erkannte in Hennen eine starke Mutterliebe. Diese Frauen besitzen alle Qualitäten, die sich eine Mutter nur wünschen kann: Selbstlosigkeit, Großzügigkeit, Mitgefühl, Mut und bedingungslose Liebe.

Sagen Sie „Nein!“ zum systematischen Missbrauch von Frauen – egal welcher Spezies.

Eier und Feminismus
Nur wenn wir unser Mitgefühl auch auf „andere“ ausweiten, können wir deren Ausbeutung stoppen.
Sie können sich mit jeder einzelnen Mahlzeit auf Ihrem Teller für Frauen stark machen. Es gibt so viele köstliche pflanzliche Nahrungsmittel, dass die vegane Ernährung noch nie so einfach war wie heute. Nehmen Sie an unserem kostenlosen 30-tägigen Programm Veganstart teil – wir verraten Ihnen alles über die vegane Ernährung und geben Ihnen Tipps zum Umstieg.


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