Ferkelkastration: Bundesregierung verstößt gegen Grundgesetz

Männliche Ferkel werden ohne Betäubung kastriert

Wenn man an all den Wurst- und Fleischbergen im Supermarkt vorbeiläuft, sieht man nicht mehr viel von den Misshandlungen, denen die Tiere bis zum Zeitpunkt der Schlachtung ausgesetzt waren. Doch hinter dicken Mauern und verschlossenen Türen werden auch heute noch täglich Millionen von Tieren gequält. Eine besonders grausame Form der Tierquälerei ist die betäubungslose Kastration von männlichen Ferkeln. – Ja, richtig gelesen. Um den sogenannten Ebergeruch zu verhindern, der beim Erhitzen von Fleisch unkastrierter Schweine entsteht, wird allen männlichen Ferkeln die Haut über dem Hodensack aufgeschnitten, um die Hoden herauszudrücken. Anschließend werden die Samenstränge durchtrennt oder einfach abgerissen. All diese Misshandlungen werden völlig legal und ohne Betäubung durchgeführt. Vielleicht können Sie sich auch nur annähernd vorstellen, wie schmerzhaft diese Prozedur für die wenige Tage alten Ferkel sein muss.

Bundesregierung verkündet Betäubungspflicht in fünf Jahren und verschiebt sie dann um weitere zwei Jahre

Nach zahllosen Jahren voller Proteste und Petitionen gegen diesen grausamen Eingriff hat die Bundesregierung am 4. Juli 2013 entschieden, dass es ab dem 1. Januar 2019 nicht mehr erlaubt sein soll, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Das heißt, die Schweinehalter hatten fünfeinhalb lange Jahre Zeit, „wirtschaftliche und humane Kastrationsmöglichkeiten” zu finden, nachdem sie sich in der sogenannten „Düsseldorfer Erklärung“ vom 29. September 2008 bereits selbst verpflichtet hatten, „baldmöglichst“ und „gänzlich“ auf die Kastration als solche zu verzichten.

Vergangenes Jahr traf uns dann der Schlag, als die Große Koalition verkündete, die lang herbeigesehnte Betäubungspflicht um zwei weitere Jahre zu verschieben! Wir gehen davon aus, dass die Regierung durch Interessenverbände der Schweinehalter sowie durch Schweinehalter aus den eigenen Reihen unter Druck gesetzt worden war, die trotz Absichtsbekundungen zehn Jahre untätig geblieben waren und nun offensichtlich keine der längst vorhandenen Alternativen anwenden wollen.

Neues Rechtsgutachten zeigt: Bundesregierung verstößt mit Aufschub gegen das Grundgesetz

Aus diesem Grund haben wir am Donnerstag, 14. März, eine Pressekonferenz abgehalten, bei der wir ein Rechtsgutachten der renommierten Juraprofessorin Prof. Dr. Anne Peters LL.M. (Harvard) und des Rechtsassessors Julian Arnold vorgestellt haben, durch welches ersichtlich wird, dass die Fortsetzung der betäubungslosen Kastration verfassungswidrig ist: Die Bundesregierung hatte beispielsweise behauptet, ein Nicht-Aufschub würde die deutschen Ferkelzüchter in ihrer Existenz bedrohen und daher „massiv“ in ihre Grundrechte eingreifen. Dabei hatten die Schweinebauern (wie bereits erwähnt) seit 2013 Zeit, sich um „humanere“ Betäubungsmöglichkeiten zu bemühen. Weiterhin gab die Große Koalition an, es würde keine „praxistauglichen“ Alternativverfahren geben – eine Aussage, mit der sich die Bundesregierung selbst widerspricht, da sie in einem Sachstandsbericht aus dem Jahr 2016 selbst festgestellt hat, dass die vorhandenen Alternativen praxiserprobt und für die Ferkelzüchter sogar wirtschaftlich sind. Auch in anderen europäischen Ländern, wie den Niederlanden oder England, sind Alternativmethoden längst an der Tagesordnung.

Bereits 2018 war der Sachverständige des Agrarausschusses, Juraprofessor Jens Bülte, zu dem Ergebnis gekommen, dass eine weitere Verlängerung verfassungswidrig sei. Das am Donnerstag, 14. März, von uns vorgestellte Rechtsgutachten bestätigt die Verfassungswidrigkeit. Insbesondere wird gegen Artikel 20a des Grundgesetzes verstoßen, der Tiere vor unnötigen Leiden und Schmerzen schützen soll. Bei der betäubungslosen Kastration von 20 bis 25 Millionen männlichen Ferkeln im Jahr handelt es sich jedoch „um einen zu gravierenden Schmerzen und Leiden führenden, schwerwiegenden Eingriff in die körperliche Unversehrtheit der Tiere“ (Rechtsgutachten, S.49).

Regierungen der Bundesländer erhalten das Rechtsgutachten von uns

Wir lassen den Regierungen der Bundesländer sowie den Bundestagsfraktionen von Bündnis90/Die Grünen, DIE LINKE und der FDP nun das Rechtsgutachten zukommen und appellieren an die Politiker, die Fristverlängerung durch das Bundesverfassungsgericht prüfen zu lassen.

„Wir hoffen, dass die Regierungen der Bundesländer oder ein Viertel der Mitglieder des Bundestags die Rechtslage vom Bundesverfassungsgericht prüfen lassen. Die Große Koalition hat ihren Spielraum bei Gesetzesänderungen überschritten – wir fordern die Bundesregierung auf, die Verlängerung umgehend zurückzunehmen.”

Christian Arleth, Rechtsanwalt bei PETA

Neben den systembedingten Verstümmelungen, die Tiere täglich erleiden müssen, gibt es noch zahlreiche weitere Gründe gegen Fleisch und andere tierische Produkte. Daher möchten wir Sie dazu einladen, es einen Monat lang vegan zu versuchen. Sie werden schnell merken, wie vielfältig und kreativ die vegane Küche sein kann. Auf www.veganstart.de unterstützen wir Sie kostenlos dabei!
 

Unsere Autoren

PETA Team

Die Blogartikel zu den Themen Tierrechte und veganem Lifestyle sind von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Co-Autoren.