Verkauft Fischfarm in Lochhausen noch zappelnde Weihnachtskarpfen? PETA erstattet Anzeige wegen Verdacht auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz

Lochhausen / Stuttgart, 20. Dezember 2017 – Die Inhaberin der Fischfarm in Lochhausen hat eine seltsame Vorstellung davon, was eine heitere Anekdote ist. Einem Pressebericht zufolge sind die von ihr verkauften Tiere so „frisch“, dass sie noch zappeln, wenn man sie in den Kofferraum legt. Der Aussage der Züchterin zufolge sei es sogar schon passiert, dass ein frisch verkaufter Karpfen im Backofen so herumzappelte, dass die Ofentür aufging und er auf dem Boden landete.
PETA erstattete nun Anzeige bei der Staatsanwaltschaft München. Der Vorwurf: Verdacht des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz sowie gegen die Tierschutzschlachtverordnung. Laut dieser ist es verboten, lebende Karpfen zu verkaufen. Und nach Paragraph 17 Absatz 2 des Tierschutzgesetzes ist es verboten, Wirbeltieren erhebliche, länger andauernde Schmerzen oder Leiden zuzufügen.
Die Staatsanwaltschaft muss nun prüfen, ob die Karpfen auf dem Hof der Familie Ertl/Wiesinger sachgerecht betäubt und getötet wurden, wenn sie den Kunden mitgegeben werden. Sollten die Karpfen aber zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch leben, wovon nach Aussagen der Beanzeigten auszugehen ist, steht ihnen ein langer und qualvoller Tod bevor.
 
„Kein Tier sollte für das Weihnachtsfest sterben müssen. Es gibt unglaublich viele leckere, vegane Gerichte und es war nie leichter als heute, ein veganes Weihnachtsgericht zu kochen und zu genießen“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA.
 
PETA verweist auf ein Video der Tiermedizinischen Hochschule in Hannover, in dem beschrieben wird, wie Karpfen sachgerecht betäubt und getötet werden. Das in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft erstellte Video zeigt, dass die Karpfen bei vorschriftsmäßigem Vorgehen vor der eigentlichen Tötung elektrisch oder mittels Kopfschlag betäubt werden müssen. Der Karpfen in dem Film bewegt sich zu keiner Sekunde. Eine Nachfrage der Tierrechtsorganisation bei der Tiermedizinischen Hochschule Hannover, ob ein Karpfen nach sachgerechter Betäubung mit anschließender Tötung noch stark zappeln kann, bestätigte, dass das nicht der Fall ist.
 
Tausende Fische werden an den Weihnachtsfesttagen getötet, nur für einen kurzen Gaumenkitzel. PETA weist darauf hin, dass Fische individuelle Persönlichkeiten sind, die auf vielfältige Weise kommunizieren. Sie schließen Freundschaften – auch mit Menschen – und zeigen ihre Zuneigung durch Körperkontakt. Manche Fische jagen gemeinsam, nutzen Werkzeuge und können Menschengesichter unterscheiden [1]. Es gibt Rifffische, die wie Vögel in der Morgen- und Abenddämmerung im Chor singen [2]. Neben internationalen wissenschaftlichen Studien, die bestätigen, dass Fische Schmerzen spüren, kommt auch das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, in seiner Stellungnahme für die Bundesregierung zu dem Schluss, dass Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und entsprechend als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten [3]. Im März 2017 fand der erste Welttag zur Abschaffung von Fischerei und Aquakultur statt, der von 57 Organisationen weltweit unterstützt wird. Er ist Teil der neuen Weltkampagne „Ein neuer Blick auf Fische“ [4].
[1] Balcombe, Jonathan P. (2016): What a Fish Knows: The Inner Lives of Our Underwater Cousins. Print.

[2] Bioacoustics, DOI: 10.1080/09524622.2016.1227940.
[3] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.
[4] end-of-fishing.org.
 
Weitere Informationen
PETA.de/Fische
PETA.de/Fische-Schmerz-Neocortex

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