Gastblog: Das gefährlichste Raubtier im Ozean

Hai

Ein Gastblog von unserer Kollegin Paula Moore von PETA

Der ein oder andere von uns ist sich aktuell nicht mehr sicher, ob man an der Ostküste der USA wirklich noch schwimmen gehen sollte. Denn über den Sommer hinweg erreichten uns immer wieder Berichte über Hai-Sichtungen oder Begegnungen mit Haien. Ein Video, in dem ein weißer Hai aus dem Wasser schießt und einen Fisch vom Angelhaken eines Jungen reißt, erregte besondere Aufmerksamkeit.
Doch wir dürfen eines nicht vergessen: Das gefährlichste Raubtier im Ozean ist nicht der Hai. Dieser Titel gebührt dem Menschen.

Haie haben einen schlechten Ruf. Zwar finden weltweit jedes Jahr eine Handvoll vieldiskutierter Haiangriffe statt. Doch der Mensch stellt eine wesentlich größere Gefahr dar. Er schlachtet jedes Jahr fast 100 Millionen Haie ab und konsumiert mehr Fische – nämlich Billionen pro Jahr – als alle anderen Tiere zusammen.

Und unser unstillbarer Appetit verlangt seinen Tribut. Eine jüngst in der Zeitschrift „PLOS Biology“ veröffentlichte Studie zeigt: Das Töten von Haien wegen ihres Fleisches und ihrer Flossen hat dazu geführt, dass die Populationen weltweit rückläufig sind. In Gegenden mit großer menschlicher Bevölkerung und damit einhergehend mit Fischereiflotten sind Haie seltener und erheblich kleiner.

Hai Fischmarkt
Eine weitere aktuelle Studie aus der Zeitschrift „Nature“ kommt zu dem Schluss, dass es für Haie nur noch wenige sichere Rückzugsgebiete gibt. Denn häufig kommen Haie gerade in den Gewässern vor, in denen auch kommerzieller Fischfang betrieben wird. Selbst wenn die Tiere nicht das eigentliche Ziel sind, werden sie oft zum „Beifang“ und landen unabsichtlich in den Netzen der Fischereiindustrie – genau wie Delfine, Schildkröten, Robben und andere Meeresbewohner.

Da die meisten Haie sehr langsam wachsen und erst spät das Erwachsenenalter erreichen, zudem noch bis zu zwei Jahre lang schwanger sind und wenige Junge gebären, setzt sie der kommerzielle Fischfang besonders unter Druck.

Im Film werden Haie häufig als gemeingefährliche Fressmaschinen dargestellt. Doch in Wahrheit hat jedes der Tiere eine ganz eigene Persönlichkeit. Haie gehen soziale Bindungen und Freundschaften ein, genau wie wir. Heringshaie konnten dabei beobachtet werden, wie sie mit im Wasser treibenden Gegenständen spielten, sich in Seetang einrollten und mit anderen Haien, die Seetang hinter sich herzogen, Fangen spielten. Der Biologe Peter Best konnte mehreren weißen Haien bei der Zusammenarbeit zusehen: Die Tiere brachten gemeinsam die Leiche eines halbgestrandeten Wals in tiefere Gewässer, wo sie ihn essen konnten. Außerdem haben Haie ein Langzeitgedächtnis. Sie bringen sich gegenseitig bei, wie man an Essbares kommt, sie mögen AC/DC (googeln Sie das mal) und empfinden Schmerz.

Haie meiden von Natur aus den Kontakt zum Menschen. Doch während der Tourismussaison dringen immer mehr von uns in ihren natürlichen Lebensraum ein, weshalb es gerade dann häufiger zu Begegnungen kommt. Dennoch sollten wir nicht vergessen: Es ist wahrscheinlicher, bei der Aufnahme eines Selfies zu sterben als durch den Biss eines Haies.

Und wo wir schon dabei sind, lassen Sie mich auch all die anderen Meerestiere erwähnen, die sich wünschen, wir würden uns dem Wasser fernhalten. Fische gehen emotionale Bindungen ein und reagieren depressiv, wenn sie ihre Gefährten verlieren. Sie sind gut im sozialen Lernen, entwickeln eigene kulturelle Traditionen, nutzen Werkzeuge und spielen. Und auch sie empfinden Schmerz.
Die meisten Fische, die in Restaurants und im Supermarkt enden, werden in riesigen kommerziellen Netzen gefangen, die teils mehrere Kilometer lang sind. Diese werden über den Meeresgrund gezogen und fangen dabei auch unzählige Tiere ein, auf die sie es eigentlich gar nicht abgesehen haben (der oben erwähnte „Beifang“). Werden die Netze mitsamt den Fischen dann aus der Tiefe hochgezogen, werden die Tiere oft zerquetscht oder ihre Augen werden durch die enorme Druckveränderung aus dem Kopf gepresst. Viele werden auch bei lebendigem Leib ausgeweidet.

Was Sie tun können

Ob Sie diesen Sommer nun an Land bleiben oder sich in die Fluten stürzen – es gibt eine ganz einfache Möglichkeit, unsere Ozeane ein wenig sicherer für alle Lebewesen zu machen: Halten Sie sich fern vom Fischbuffet.