Gastiert Circus Afrika ohne Genehmigung mit verhaltensgestörten Elefanten in Münchberg? PETA begrüßt Durchgreifen der Stadtverwaltung und appelliert an private Flächenvermieter, Auftritt ebenfalls zu untersagen

Münchberg / Stuttgart, 6. September 2019 – Obwohl die Stadtverwaltung das Gastspiel des Circus Afrika auf kommunaler Fläche untersagt hat [1], plant dieser, ab nächstem Donnerstag mit drei Elefanten in Münchberg zu gastieren. Damit droht der berüchtigte Zirkus, die Situation vor Ort eskalieren zu lassen – die Stadt hat bereits Ordnungsamt und Polizei informiert. Schon bei den vergangenen beiden Gastspielen in Kemnath und Vohenstrauß hatte Circus Afrika städtische Vorschriften zur Plakatierung missachtet. PETA begrüßt, dass die Stadt Münchberg dem für mangelhafte Tierhaltung und Gewalttätigkeit bekannten Zirkus keine Plattform bieten will. Nun appelliert die Tierrechtsorganisation an alle lokalen privaten Flächenvermieter, diesem Beispiel zu folgen.
 
„Circus Afrika ist einer der rücksichtslosesten Zirkusbetriebe des Landes und immer wieder negativ aufgefallen. Dass der Zirkusdirektor die Absage einfach ignorieren will, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Wir hoffen, dass die Stadt Münchberg den Zirkus in die Schranken weist und appellieren nun an alle privaten Flächenvermieter, Zirkusbetrieben wie diesem zum Schutz von Mensch und Tier den Auftritt zu untersagen.“
 
Zahlreiche Verstöße bei Circus Afrika
Unzulässiges Anketten der Elefanten während des Tages, mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten, Temperaturen im Stallzelt nahe dem Gefrierpunkt: Die Liste der wiederkehrenden Verstöße und das damit verbundene Leid der Elefanten bei Circus Afrika ist schier endlos. Zahlreiche Videoaufnahmen zeigen das sogenannte Weben der Elefanten. Dabei schwingen sie pausenlos mit Kopf und Rüssel hin und her – ein Zeichen für schweres seelisches Leiden. Bei Circus Afrika werden sie in der Regel jede Nacht an zwei Beinen fixiert und mit dem sogenannten Elefantenhaken – einem Stock mit spitzem Metallhaken – gefügig gemacht. Auch tagsüber ketten die Verantwortlichen die Rüsseltiere immer wieder längere Zeit an, was gegen die Zirkusleitlinien verstößt.
Bei einem Gastspiel in Halle (Saale) 2013 dokumentierte die zuständige Veterinärbehörde im Stallzelt Temperaturen zwischen zwei und neun Grad Celsius, vorgeschrieben sind mindestens 15 Grad. Laut einem Gutachten im Auftrag der Tierschutzbeauftragten des Landes Hessen weist die Elefantendame Gandhi eine große Bauchgeschwulst auf; bei Tonga und Moja seien die Beine auch wegen des andauernden Stehens auf hartem Untergrund teilweise deformiert [2]. Angesichts der wiederholt auftretenden, gravierenden Missstände fordert PETA, dem Zirkusdirektor zumindest für die Elefanten die Erlaubnis zur Tierhaltung nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes zu entziehen.
 
Sach- und Personenschäden sowie Gefährdung der öffentlichen Sicherheit
Auch vor der Unversehrtheit von Menschen macht Zirkusdirektor Hardy Weisheit keinen Halt. So fuhr er 2016 während einer Protestaktion in Sangerhausen mit einem Radlader auf die Demonstranten zu; mindestens eine Person wurde von der Ladung touchiert [3]. 2018 wurde Weisheit wegen Körperverletzung an einer Weimarer Amtsveterinärin [4] rechtskräftig verurteilt (Az.: Ns 902 Js 14516/16). Zudem verprügelte ein Clown des Zirkusunternehmens laut Medienberichten einen Teenager [5].
Erst im Juni dieses Jahres brachen die Elefanten bei einem Gastspiel in Cham aus und eines der Tiere lief unbeaufsichtigt über eine vielbefahrene Straße. Bei ungenehmigten Spaziergängen mit den Elefanten kam es schon früher mehrmals zu Sachschäden. Zudem wurde Weisheit 2017 wegen der damit verbundenen fahrlässigen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vom Amtsgericht Erfurt zu einem Bußgeld verurteilt (Az.: 653 Js 201266/17 65 OWi). Bei diesem Spaziergang verletzte sich eines der Tiere; das Verfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wurde jedoch eingestellt.
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Tierrechtsorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod.
 
PETA setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] https://www.frankenpost.de/region/muenchberg/Gastspiel-ohne-Genehmigung-Zirkus-Afrika-plakatiert-in-Muenchberg;art2441,6891994.
[2] European Elephant Group (2011): Quantitative und qualitative Erhebung zur Situation der Elefanten in deutschen Zirkussen. Haltungsfachliches Gutachten auf Anforderung der Landestierschutzbeauftragten des Landes Hessen. Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV).
[3] https://www.mz-web.de/sangerhausen/auf-tierschuetzer-zugefahren-zirkusdirektor-muss-300-euro-an-sozialen-verein-zahlen-29732186.
[4] https://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Zirkus-Afrika-gastiert-in-Weimar-Ueberleben-ist-ein-Drahtseilakt-2041061767.
[5] https://www.tag24.de/nachrichten/riesa-zirkusclown-verpruegelt-teenager-doch-direktor-will-ihn-vor-gericht-nicht-kennen-circus-afrika-1092263.
 

Kranke Elefanten bei Circus Afrika: Elefantendame Gandhi mit großer Bauchgeschwulst / © PETA Deutschland e.V.
 
Das druckfähige Motiv steht hier zum Download zur Verfügung.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/ChronikAfrikasBigCircus
PETA.de/Wildtierdressur
PETA.de/VerbotWildtiereImZirkus
 
Kontakt:
Carolin von Schmude, +49 711 860591-528, [email protected]