Gefährlicher Umgang mit Familienhund empört das Internet: PETA rät Geissens dringend zu Hundeführerschein

Monaco / Stuttgart, 9. Juli 2019 – Verantwortungsloser Umgang: Ein Video der Geissens erhitzt derzeit die Gemüter in den sozialen Netzwerken. Darin ist zu sehen, wie Tochter Shania mit dem Familienhund Dex „spielt“. Dabei bedrängt sie mehrfach unwissentlich den Vierbeiner, der deutlich zeigt, dass ihm die Situation unangenehm ist. Auch die Mutter, Carmen Geiss, interpretiert das Verhalten falsch und geht nicht auf die beschwichtigenden Signale des Hundes ein. Immer wieder kommt es durch solche Missverständnisse zwischen Mensch und Tier zu Beißvorfällen, bei denen Menschen teils schwer oder sogar tödlich verletzt werden. Um solche gefährlichen Situationen in Zukunft zu vermeiden und auch den Vierbeiner und dessen Hundesprache zu verstehen, rät PETA der Familie Geiss nun dringend, einen Sachkundenachweis für Hundehalter, einen sogenannten Hundeführerschein, zu absolvieren.

„Die Familie Geiss übersieht die deutlichen Signale ihres Vierbeiners, der sich in dieser Situation offensichtlich alles andere als wohlfühlt. Der Hund wird derart bedrängt, dass die Situation für Tochter Shania auch dramatisch hätte enden können“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Ein Hundeführerschein würde den Geissens dabei helfen, mit ihren Hunden tiergerecht umzugehen und ihre Signale richtig zu deuten.“

Hintergrundinformationen
Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern.

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend [1]. Dort ereigneten sich nach drei Jahren nachweislich weniger Vorfälle [2]. Wer in Berlin seit dem 1. Januar 2017 einen Hund neu aufgenommen hat, ist ebenfalls dazu aufgefordert, sich die notwendige Sachkunde anzueignen. Einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2016 zufolge spricht sich mit 65 Prozent eine deutliche Mehrheit der Deutschen für einen Sachkundenachweis für Hundehalter aus [3]. Einige Städte belohnen verantwortungsbewusste Halter: Wer in München nach dem 1. Mai 2014 einen Hundeführerschein absolviert hat, kann sich ein Jahr lang von der Hundesteuer befreien lassen. In Mannheim gilt eine zweijährige Steuerbefreiung für alle Hunde, deren Halter den Hundeführerschein nach dem 1. Januar 2016 erworben haben.

Ein verpflichtender Hundeführerschein hat einen weiteren Vorteil: Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] Niedersächsisches Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG) (2011): http://www.voris.niedersachsen.de/jportal/portal/t/pgy/page/bsvorisprod.psml/action/portlets.jw.MainAction?p1=0&eventSubmit_doNavigate=searchInSubtreeTOC&showdoccase=1&doc.hl=0&doc.id=jlr-HundHaltGND2011rahmen&doc.part=R&toc.poskey=#focuspoint.
[2] Hannoversche Allgemeine (2016): Sachkunde-Nachweis. Hundeführerschein weiterhin umstritten. Online abrufbar unter: http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Hundefuehrerschein-in-Niedersachsen-auch-nach-drei-Jahren-noch-umstritten.
[3] YouGov (2016): Hundekot: Fast alle Deutschen sehen Halter in der Pflicht. Online abrufbar unter: https://yougov.de/news/2016/08/13/hundekot-fast-alle-deutschen-sehen-halter-der-pfli/.

Weitere Informationen:
PETA.de/Hundefuehrerschein

Kontakt:
Carolin von Schmude, +49 711 860591-528, [email protected]