Gefahr für Mensch und Tier: PETA appelliert an Oberbürgermeisterin und Stadtrat, Pferdekutschen beim Eisenacher „Sommergewinnsumzug“ zu untersagen

Eisenach / Stuttgart, 21. März 2019 – Stärkung der öffentlichen Sicherheit durch mehr Tierschutz: PETA appelliert an die Verantwortlichen der Stadt Eisenach, beim Festumzug des Frühlingsfestes „Sommergewinn“ künftig keine Pferdekutschen mehr zuzulassen. Jedes Jahr kommen bundesweit Dutzende Menschen bei Pferdekutschenunfällen zu Schaden. Insbesondere während Fest- und Karnevalsumzügen, bei denen sich viele Menschen in engen Gassen drängen, ist nicht nur der Stress für die Tiere, sondern auch das Gefährdungspotenzial deutlich erhöht. Die Tierschutzorganisation betonte in der vergangenen Woche in ihrem Schreiben an Oberbürgermeisterin Katja Wolf und die Fraktionsvorsitzenden des Eisenacher Stadtrats, dass ein Verbot aus Gründen der Risiken und des Tierschutzes eine erforderliche Maßnahme darstellt.
 
„Gespanne stellen bei Umzügen ein unkontrollierbares Risiko dar, weil Pferde Fluchttiere sind, die schon bei geringen Störungen in Panik geraten können. Beim ‚Sommergewinn’ werden die Pferde teilweise in unmittelbarer Nähe zu lauten Musikkapellen eingesetzt – das ist nicht nur tierschutzwidrig, sondern auch gefährlich“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Wir appellieren an Oberbürgermeisterin Katja Wolf, dem Tierschutz und der Sicherheit der Zuschauer höchste Priorität einzuräumen und den Pferden künftig den Einsatz bei der Veranstaltung zu ersparen. Alternativen in Form von Zugmaschinen oder Traktoren sind erprobt, sicher und tierfreundlich.“
 
PETA argumentiert, dass weder die Eisenacher Tradition noch die Bedeutung als immaterielles Kulturerbe der UNESCO durch ein Verbot von Pferden auf dem Umzug beeinträchtigt würden. Für die Aufnahme in das Kulturerbe-Verzeichnis steht der UNESCO zufolge die übergreifende Beteiligung der Bürger an der Gestaltung der Veranstaltung im Vordergrund, etwa bei den Festwagen und Kostümen.
 
PETA veröffentlicht jährlich eine Pferdekutschen-Unfallchronik und warnt eindringlich vor solchen Fahrten. 2018 wurden bei insgesamt 33 Unfällen in Deutschland zehn Menschen getötet und 62 teils schwer verletzt. Darüber hinaus starben vier Pferde, vier weitere Tiere wurden verletzt. Die häufig schweren Verläufe der Unfälle sind vor allem auf fehlende oder unzureichende Sicherungsvorrichtungen wie Gurte und Airbags sowie unzureichende Bremssysteme zurückzuführen. Die mit Abstand häufigste Unfallursache war ein bloßes Erschrecken eines oder mehrerer Pferde.
 
Während in Städten wie Eppingen oder Viersen keine Pferde mehr bei Umzügen eingesetzt werden dürfen, ist im Kölner Karneval gemäß 18-seitigem Sicherheitskatalog zumindest der Einsatz von Pferden in der Nähe zu Kapellen nicht mehr erlaubt. Denn auch bei trainierten Pferden können bereits geringe Störungen den Fluchtinstinkt auslösen. Beim Rosenmontagszug in Köln wurden im Februar 2018 fünf Menschen teils schwer verletzt, nachdem Pferde vor einer Kutsche durchgingen. Die Pferde galten als gewöhnt an solche Veranstaltungen. Die Stadt Düsseldorf beschloss daraufhin ein Verbot von Pferdekutschen beim Rosenmontagszug.
 
In diesem Jahr durften aufgrund eines Sturmtiefs gar keine Pferde oder Pferdekutschen an den großen Karnevalsumzügen im Rheinland teilnehmen – nicht zum Nachteil der Veranstaltung. Wie PETA feststellte, empfand es die überwiegende Mehrheit als Bereicherung, dass den Pferden der stressige Umzug erspart blieb. Schon 1991 stellte das Oberlandesgericht Koblenz fest, dass unberechenbares Verhalten, etwa ein Ausbruch bei einem Umzug, auch bei gewöhnlich „lammfrommen“ Pferden nicht ausgeschlossen werden kann (AZ 5 U 1812/90). Auch nach dem schweren Kutschunfall auf einem Volksfest in Troisdorf 2015 ergab ein Sachverständigengutachten, dass „die Pferde ihrem Fluchtinstinkt gefolgt seien – und auch mit Leinen und Peitsche nicht mehr für menschliche Kommandos empfänglich gewesen wären“ [1].
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.
 
[1] Schmitt, H. (2017): Staatsanwaltschaft zieht Klage zurück. Kutschenunfall in Troisdorf war nicht zu vermeiden. In: General-Anzeiger Bonn. Online abrufbar unter: http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/sieg-und-rhein/troisdorf/Kutschenunfall-in-Troisdorf-war-nicht-zu-vermeiden-article3575752.html.
 
Weitere Informationen
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