Der Hai – 11 faszinierende Fakten über Haie

HaiTom Vierus

Nur wenige Meerestiere faszinieren die Menschen so sehr wie Haie. Heute sind etwa 500 Hai-Arten bekannt, die sich teilweise beachtlich voneinander unterscheiden. So wird der Zylindrische Laternenhai nur etwa 20 cm groß, während der friedliche Walhai, der größte Fisch, 14 Meter lang werden kann. Ob Riese oder Zwerg: Haie sind neugierige Meeresfische, die sich mit beeindruckenden Sinnen, von denen wir Menschen nur träumen können, hervorragend an das Leben im Ozean angepasst haben.

1. Die ersten Haie lebten bereits lange vor den Dinosauriern

In der Maider-Region in Marokko, in der Nähe des Atlas-Gebirges, wurde 2020 das Fossil eines 370 Millionen Jahre alten Hais entdeckt. Haie lebten also bereits mehr als 100 Millionen Jahre vor den ersten Dinosauriern.

2. Haie brauchen keinen Zahnarzt

Bricht ein Zahn im Haigebiss ab, wird er einfach durch einen Zahn aus den hinteren Reihen ersetzt. Das mehrreihige Gebiss der Haie wird auch Revolvergebiss genannt.

 3. Haie haben keine Knochen

Das Skelett der starken, eleganten und robusten Haie besteht nicht aus Knochen, sondern aus Knorpel. Wie Rochen und Chimären zählen auch Haie zu den Knorpelfischen und unterscheiden sich somit deutlich von der weitaus größeren Gruppe der Knochenfische.

4. Haie werden auch „schwimmende Nasen“ genannt

Haie orientieren sich überwiegend mithilfe ihres ausgezeichneten Geruchssinns. Ihr Riechzentrum macht etwa zwei Drittel ihrer Gehirnmasse aus. Untersuchungen ergaben, dass der Graue Riffhai und der Schwarzflossenhai kleine Wrackbarschstücke noch in einer Konzentration von 1:10 Milliarden wittern. [1] Das entspricht einem Tropfen in einem etwa tausend Quadratmeter langen und zwei Meter tiefen Becken. Dieser beeindruckende Geruchssinn sichert ihnen das Überleben, denn sie sind darauf angewiesen, in der Weite des Ozeans Nahrung zu finden. [2]
 
Hammerhai

5. Haie haben einen sechsten Sinn

Elektrische Wahrnehmung dank der Lorenzinischen Ampullen: Diese wurden bereits im Jahr 1663 von dem Naturwissenschaftler Marcello Malpighi entdeckt. Ihre Funktion wurde allerdings erst vor etwa 40 Jahren erkannt. Es handelt sich dabei um Sinnesorgane unter der Haut am Kopf von Knorpelfischen, die der Wahrnehmung von Temperaturunterschieden und elektrischen Feldern dienen. So können Haie ihre Beute im letzten Augenblick des Angriffes orten oder selbst reglose, im Boden vergrabene Tiere aufspüren, die mit ihrem Herzschlag elektrische Signale senden. Ein Hai würde es sogar spüren, „wenn eine 1,5-Volt-Batterie angeschaltet würde, deren einer Pol im Atlantik vor New York und deren anderer vor Florida eingetaucht wäre“. [3] Auch dienen die Lorenzinischen Ampullen zur Orientierung am Erdmagnetfeld – wenn sich zum Beispiel zahlreiche Walhaie oder Hammerhaie zur Paarung an bestimmten Orten zu einer bestimmten Jahreszeit versammeln. Unglaublich, oder?

6. Hochseehaie müssen schwimmen, um atmen zu können

Im Gegensatz zu Haien, die in Riff- oder Bodennähe leben, müssen Hochseehaie immer mit geöffnetem Mund schwimmen, damit Wasser durch die Mundhöhle in ihre Kiemen strömt. Dabei wird dem Wasser der Sauerstoff entzogen und ins Blut abgegeben. Hochseehaie schlafen also auch, während sie schwimmen. Riff- und Bodenhaie hingegen können auch anhalten und sich sogar im Sand eingraben. Sie schließen und öffnen ihren Mund abwechselnd und sorgen so selbst für den Wassereinstrom.

7. Haie schmusen gerne

Etliche Videos zeigen Haie, die ihnen bekannte Taucher erkennen, auf diese zuschwimmen, sie begrüßen und es genießen, sich ausgiebig von den Menschen am Kopf streicheln zu lassen.

Manche Haie lassen sich von Tauchern sogar Angelhaken entfernen und teilweise sogar aus der Mundhöhle ziehen:

8. Grönlandhaie werden mehrere hundert Jahre alt

Von Grönlandhaien weiß man, dass sie mehrere hundert Jahre alt werden können. Der bislang älteste bekannte Grönlandhai wurde um die 400 Jahre alt. Diese Tiere erreichen somit von allen das höchste Alter. Ihre Geschlechtsreife erlangen Grönlandhaie erst mit etwa 150 Jahren. [4]

9. Haie bilden komplexe Sozialstrukturen wie Delfine

Haie haben eine komplexe Sozialstruktur, die der von Delfinen ähnelt. Wissenschaftler untersuchten das Verhalten von Sandtigern und fanden heraus, dass die Tiere einige wenige enge Freunde hatten, aber auch mit einer deutlich größeren Gruppe interagierten. Die Zusammensetzung und Größe dieser Gruppen wandelte sich dabei im Laufe des Jahres, regelmäßig kamen neue Haie hinzu, einige blieben länger, andere kürzer. Ein solches Sozialverhalten ist bei Säugetieren bekannt, wurde aber bei Nichtsäugern bisher nur sehr selten beobachtet. [5]

10. Haie haben unterschiedliche Persönlichkeiten

Auch bei Haien gibt es selbstverständlich unterschiedliche Persönlichkeiten: Manche Haie sind Einzelgänger, andere gesellig. Das zeigte auch eine Verhaltensbeobachtung mit Katzenhaien. Bei drohender Gefahr tarnten sich einige Tiere, indem sie sich farblich an den Meeresgrund anpassten, während andere Schutz in der Gruppe suchten. [6]

Walhai

11. Haie werden millionenfach misshandelt

Etwa 100 Millionen Haie werden jedes Jahr von uns Menschen getötet. [5] Die meisten von ihnen sterben wegen ihrer Rückenflosse. Beim sogenannten „Finning“ wird meist noch lebenden Haien die Rückenflosse abgeschnitten. Anschließend werden die verstümmelten Tiere wieder über Bord ins Meer geworfen, wo sie qualvoll sterben. Ihre Flossen werden überwiegend auf dem asiatischen Markt zu Haiflossensuppe verarbeitet. [7] Daneben werden zahlreiche Haie in den Meeren gefangen und in Großaquarien, wie dem geplanten Haigefängnis Shark City eingesperrt. In diesen Einrichtungen wird den Tieren alles genommen, was ihr Leben in Freiheit ausmacht.

Was Sie tun können

  • Essen Sie niemals Haifischflossensuppe oder das Fleisch von Haien. Streichen Sie alle Fische von Ihrem Speiseplan und steigen Sie um auf eine vegane Ernährung.
  • Bitte benutzen Sie so wenig Plastik wie möglich. Alles Plastik, auch im Binnenland, landet früher oder später im Meer und führt für viele Meerestiere zu einem qualvollen Tod.
  • Unterschreiben Sie unsere Petition gegen den Bau des Haigefängnisses Shark City. Herzlichen Dank!


1] Spiegel (20.11.2002): Die Sinnesorgane der Haie, Der Geruchssinn, https://www.spiegel.de/sptv/themenabend/a-223566.html, zuletzt eingesehen am 11.03.2020
[2] Shark Info, Dr. John G. New (04.06.2016): Fact Sheet: Der Geruchssinn des Hais,  https://www.sharkinfo.ch/SI3_97d/nase.html#Dr.%20John%20G.%20New, zuletzt eingesehen am 11.03.2020
[3] Spektrum, R. Douglas Fields (23.10.2007): Der sechste Sinn der Haifische, https://www.spektrum.de/alias/sinnesphysiologie/sechster-sinn-der-haifische/909328, zuletzt eingesehen am 11.03.2020
[4] Julius Nielsen et al.: Eye lens radiocarbon reveals centuries of longevity in the Greenland shark (Somniosus microcephalus). In: Science. Band 353, Nr. 6300, 12. August 2016, S. 702-704, 10.1126/science.aaf1703, zuletzt eingesehen am 11.03.2020
[5] Haulsee, D., Fox, D., Breece, M. et al. Social Network Analysis Reveals Potential Fission-Fusion Behavior in a Shark. Sci Rep 6, 34087 (2016), https://doi.org/10.1038/srep34087, zuletzt eingesehen am 11.03.2020
[6] Jacoby, David & Fear, Lauren & Sims, David & Croft, Darren. (2014). Shark personalities? Repeatability of social network traits in a widely distributed predatory fish. Behavioral Ecology and Sociobiology. 68. 1995-2003. 10.1007/s00265-014-1805-9
[7] Zeit (15.09.2016): 9 Menschen von Haien getötet – 100 Millionen Haie von Menschen getötet, https://www.zeit.de/2016/37/haie-toetung-tierschutz-surfer , zuletzt eingesehen am 11.03.2020