Human-Antikörper statt Pferdeseren für die Behandlung von Diphtherie

Ergebnisse von gemeinsamem Projekt des PETA International Science Consortiums, des NIBSC und der TU Braunschweig veröffentlicht

 
Braunschweig / Stuttgart, 22. Januar 2020 – Erste Schritte zu einer tierfreundlichen Behandlung von Diphtherie: In einem vom PETA International Science Consortium Ltd. finanzierten Projekt haben Wissenschaftler des Instituts für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik der Technischen Universität Braunschweig zusammen mit dem Britischen National Institute for Biological Standards and Control (NIBSC) humane Antikörper entwickelt, die das Diphtherie-Toxin neutralisieren. Diese Ergebnisse wurden vor Kurzem in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht und in einem Artikel in der Fachzeitschrift „Science“ kommentiert.
 
„Weltweit werden Tausende Pferde gezwungen, grausame Behandlungen für die Herstellung zahlreicher verschiedener Medikamente über sich ergehen zu lassen – nicht nur für Diphtherie-Antitoxin“, so Jeffrey Brown, Berater des PETA International Science Consortiums und Mitautor der Publikation. „Moderne Wissenschaft kann diese Pferde von diesem Leiden befreien.“
 
Hintergrundinformationen
Diphtherie ist eine potenziell tödliche Infektionskrankheit und besonders in Regionen gefährlich, in denen die Impfquote gering ist. Im Falle einer Infektion erfolgt die Behandlung bisher mit einem Antiserum, dem Diphtherie-Antitoxin (DAT), das in Pferden erzeugt wird. Dabei werden die Tiere mit dem Diphtherie-Impfstoff und -Toxin immunisiert. Die vom Tier produzierten polyklonalen Antikörper, die das Diphtherie-Toxin binden und neutralisieren, werden aus dem Blut gewonnen und aufgereinigt. Diese Therapie wird seit über 100 Jahren unverändert genutzt.
 
Pferdeseren haben wie andere therapeutische Tierseren den Nachteil, dass sie zu ernsthaften Nebenwirkungen wie der Serumkrankheit, d. h. schweren allergischen Reaktionen, führen können. Gesundheitsbehörden weltweit berichten außerdem, dass Pferdeseren in größeren Mengen nur schwer verfügbar seien und somit keine adäquate Reaktion im Falle einer Diphtherie-Epidemie möglich wäre. Zusätzlich gibt es starke ethische Bedenken bei der Nutzung von Tieren für die Produktion von Therapeutika für Menschen. Inspektionen von Firmen, die Pferde für die Produktion von DAT nutzen, zeigten, dass Tierschutzrichtlinien nicht eingehalten werden. Die Verwendung von humanen rekombinanten Antikörpern, die von Zelllinien im Labor produziert werden, würde diese Nachteile vermeiden.
 
Mithilfe des Antikörper-Phagen-Displays, einer Methode zur Selektion von Antikörpern im Reagenzglas, wurden in dem Projekt ohne die Immunisierung von Tieren humane rekombinante Antikörper generiert, die das Diphtherie-Toxin neutralisieren können. Eine Kombination der Antikörper, die das Toxin am besten neutralisieren, ist ein aussichtsreicher Kandidat für weitere klinische Entwicklungen, um das DAT aus Pferdeserum zukünftig zu ersetzen.
 
Über das PETA International Science Consortium:
Das PETA International Science Consortium Ltd. fördert die Entwicklung und Validierung sowie die globale Implementierung von tierfreien Testsystemen. Es wurde 2012 gegründet, um die wissenschaftliche und regulatorische Expertise seiner Mitglieder – PETA USA, PETA UK, PETA Deutschland, PETA Indien, PETA Niederlande, PETA Frankreich, PETA Asien und PETA Australien – zu koordinieren. Das Wissenschaftskonsortium und seine Mitglieder haben mehrere Millionen Euro für die Reduktion und den Ersatz von Tierversuchen gespendet.
 
Über das Institut für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik der Technischen Universität Braunschweig
Die Abteilung Biotechnologie an der Technischen Universität Braunschweig wird von Professor Stefan Dübel geleitet. Er ist einer der Erfinder des Antikörper-Phagen-Displays, einer Methode zur Generierung von Antikörpern im Reagenzglas ohne Immunisierung von Tieren. Der Fokus der Abteilung liegt auf neuartigen Anwendungen von Antikörpern für die Behandlung von Infektionskrankheiten und Krebserkrankungen. Die Forschungsaktivitäten der Abteilung führten zu vier Spin-off-Firmen, darunter die YUMAB GmbH und ABCALIS GmbH, welche humane rekombinante Antikörper für Therapie, Diagnostik und Forschung entwickeln.
 
Über NIBSC
Das National Institute for Biological Standards and Control spielt eine führende nationale und internationale Rolle in der Qualitätskontrolle von biologischen medizinischen Wirkstoffen und Diagnostika.
 
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
Weitere Informationen:
Piscltd.org.uk/Antitoxin_deutsch
PETA.de/Themen/Tierversuche
 
Pressekontakt:
Carolin von Schmude, +49 711 860591-528, [email protected]