Immer mehr tote Pferde auf Rennbahnen: PETA kritisiert Renntag in Dresden und fordert Veterinäramt auf, tierschutzwidrige Veranstaltung abzusagen

Dresden / Stuttgart, 11. Juli 2019 – Pferde sind keine Sportgeräte: Am Samstag soll in Dresden-Seidnitz der „Große bwin Sommerpreis“ stattfinden. Mit der Peitsche werden Pferde bei den Rennen zu unnatürlichen Höchstleistungen gezwungen, was zu einem erhöhten Sturzrisiko führt. Für Schlagzeilen sorgte etwa die kalifornische Pferderennbahn Santa Anita, auf der seit Dezember 30 Pferde starben. Doch auch in Deutschland ist die Situation gravierend: Seit 2015 wurden hierzulande nach einer Erhebung von PETA allein bei Galopprennen mindestens 48 Pferde noch auf den Rennbahnen getötet. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, weil die „Ausfälle“ während des Trainings nicht in die Zählung einflossen. PETA fordert die örtlichen Veterinärbehörden nun auf, die tierschutzwidrige Veranstaltung in Dresden abzusagen. Die Tierschutzorganisation appelliert zudem an alle Tierfreunde, Pferderennen weder durch den Kauf einer Eintrittskarte noch mit einer Wette zu unterstützen.
 
„Die hohe Anzahl der Todesfälle auf Pferderennbahnen zeigt, dass es sich nicht um Unfälle handelt. Die Pferde werden für Preisgelder und Prestige systematisch überfordert und häufig in den Tod getrieben. Selbst mit stressbedingten Magengeschwüren und blutigen Nüstern werden die sensiblen Tiere erbarmungslos über die Bahn gejagt – sie rennen aus Angst vor dem nächsten Peitschenhieb regelrecht um ihr Leben“, so Jana Hoger, Fachreferentin bei PETA. „Es wird höchste Zeit, dieser skrupellosen Branche endlich einen Riegel vorzuschieben und die Tierquälerei auf deutschen Pferderennbahnen zu verbieten!“
 
Branche nimmt Lungenblutungen, Herzverletzungen und Magengeschwüre billigend in Kauf
Allein in diesem Jahr starben bereits mindestens acht Pferde auf den Rennbahnen in Mannheim (2), Köln, Mülheim, Karlsruhe, Hannover und Hamburg (2). Pferde sind Fluchttiere, die bei den Rennen gezwungen werden, Risiken einzugehen, die sie freiwillig niemals auf sich nehmen würden. Die Überlastung führt häufig zu Stürzen mit schwerwiegenden Folgen oder zu sogenannten Aortenabrissen, bei denen die Hauptschlagader des Herzens reißt und das Tier innerhalb kurzer Zeit stirbt. Experten zufolge weisen zudem 90 Prozent der bei Rennen eingesetzten Pferde aufgrund des großen psychischen Stresses Magengeschwüre auf. Darüber hinaus haben viele Tieren kurz nach einem Rennen blutige Nüstern. Doch entgegen der Aussage in den Protokollen des Direktoriums für Vollblutzucht handelt es sich hierbei laut Dr. Maximilian Pick, dem Gutachter und ehemaligen Fachtierarzt für Pferde, nicht um Nasenbluten, sondern um Blutungen aus der Lunge [1].
 
Millionengeschäft auf Kosten der Pferde
Häufig werden in der millionenschweren Branche schon zwei- oder dreijährige Pferde an den Start geschickt, obwohl sie sich noch im Wachstum befinden [2]. Da der Bewegungsapparat der jungen Tiere noch nicht vollständig ausgebildet ist, sind Sehnenschäden und Knochenbrüche keine Seltenheit. PETA weist darauf hin, dass die Tiere systembedingt überlastet werden. So sind etwa bei Galopprennen rund 80 Prozent der Trainingsausfälle auf Lahmheit zurückzuführen. „Dass Peitschenschläge und tierquälerisches Zubehör zum Alltag sogenannter Rennpferde gehören, zeigt nur einmal mehr, dass das Wohl der Tiere in der Regel keine Rolle spielt“, so Hoger.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] Dr. Pick, M. (2005): Spezielle Erkrankungen von Galopprennpferden aus Sicht des Tierschutzes. In: Der praktische Tierarzt.
[2] Iding, C. (2018): Vom Hochleistungsrennpferd zum Pflegefall. Die kurze Karriere der Rennpferde und dessen Folgen. In: Bocholter Borkener Volksblatt. Online abrufbar unter: https://www.bbv-net.de/Lokales/ZiSch/Vom-Hochleistungsrennpferd-zum-Pflegefall-136069.html. (14.06.2019).
 

Immer wieder stürzen Pferde und verletzen sich tödlich (Symbolbild von Pferderennen 2016 in Mannheim). / © PETA Deutschland e.V.

 
Peitscheneinsatz beim Hamburger Derby 2013 / © PETA Deutschland e.V.
 
Die Motive stehen hier und hier zum Download zur Verfügung.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/FaktenPferdesport
PETA.de/Pferderennen
PETA.de/Duhner-Wattrennen
 
Kontakt:
Lisa Kienzle, +49 711 860591-536, [email protected]