Jagdhunde – brutale Ausbildung und gefährliche Einsätze

Jagdhund
Viele Jäger benutzen Hunde als „Helfer“ in der Jagd. Die Aufgaben der sogenannten Jagdhunde liegen dabei vorrangig im Aufspüren, Verfolgen, Töten und Apportieren von Wildtieren wie Rehen, Wildschweinen, Füchsen oder Vögeln. Einige Bundesländer, wie beispielsweise Niedersachen, schreiben sogar vor, dass jeder Jäger einen „brauchbaren“, geprüften Jagdhund zur Verfügung hat.

Oftmals behaupten Jäger, dass die Hunde aus Tierschutzgründen eingesetzt werden. Das angeschossene und verletzte Wildtier soll durch den Hund schneller gefunden werden, sodass ihm ein qualvoller Tod erspart bliebe. Doch wenn man betrachtet, wie viele Tiere für die Jagdhundeausbildung gequält und getötet werden, verblasst das Argument des Tierschutzes sehr schnell. Auch werden die Hunde in für sie gefährliche Situationen geschickt, und es ist keine Seltenheit, dass ein Jagdhund im „Einsatz“ schwer verletzt wird.
 
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So brutal ist die Ausbildung von Jagdhunden

Die Ausbildung der sogenannten Jagdhunde ist kein Spaziergang für die Tiere. Die Hunde werden oft durch Schmerzen zum Gehorsam gezwungen. Auch heute noch gehören Elektroreizgeräte, Stachelhalsbänder, Tritte auf die Pfoten, Kniffe in die Ohren und teils auch Schläge zu den Mitteln, die viele Jäger in der Hundeausbildung leider noch immer verwenden.  Erziehungsmethoden, die auf Vertrauen und ausschließlich positiver Bestärkung basieren, werden von den meisten Jägern vehement abgelehnt. „Traditionelle“ Methoden und das Erziehen mit Härte und Zwang seien bei der Ausbildung der Jagdhunde notwendig. (1)

Training mit lebenden Tieren

Um den Hunden das Apportieren beizubringen, ist es meist üblich, dass Jäger einer lebenden Ente die Flügel stutzen, verkleben oder mit einer Papiermanschette versehen, sodass diese nicht wegfliegen kann. (2) Die Ente wird anschließend im Schilf eines Gewässers ausgesetzt, wo der Hund sie finden und zum Jäger bringen soll. Die Ausbildungsmethode ist lediglich in Berlin verboten.
 
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Besonders grausam ist auch das Training in den sogenannten Schliefenanlagen. Hier sollen Hunde für die Baujagd ausgebildet werden, indem sie in einem künstlich angelegten Tunnelsystem lebendige Füchse aufspüren und jagen. Die Füchse werden oft ihr ganzes Leben lang in der Anlage oder einem Tierpark eingesperrt und leiden bei jedem Hund, der auf sie gehetzt wird, unter Todesangst. Obwohl der Kessel, in dem sie sitzen müssen, bis der Hund sie findet, durch ein Gitter abgetrennt ist, erleiden die Füchse panische Angst und erheblichen Stress. Nicht umsonst findet das Training in den Schliefenanlagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Jagdhundeausbildung fördert den Rassenwahn

Die Ausbildung der Hunde beginnt im Welpenalter und dauert ca. zwei Jahre. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit der „Brauchbarkeitsprüfung“ oder „Jagdeignungsprüfung“. Besteht der Hund diese Prüfung nicht, ist er für den Jäger nicht „brauchbar“ und ein neuer Hund wird gekauft.

Hunde, die nicht im Zuchtbund eines Rassevereins eingetragen sind, werden meist gar nicht erst zur Prüfung zugelassen. (3) Damit geht das Nutzen der Hunde für die Jagd Hand in Hand mit der Zucht und dem Rassenwahn, unter denen immer wieder Tiere leiden müssen. Beispielsweise werden Dackel oft als Schweißhunde oder für die Baujagd verwendet. Diese Rasse leidet jedoch häufig zuchtbedingt unter Fehlstellungen der viel zu kurzen Beine und Bandscheibenvorfällen. Viele Dackel werden durch einen Bandscheibenvorfall gelähmt und können nie wieder selbstständig laufen.
 
Jagdhund
Während tausende Hunde im Tierheim auf einen neuen Besitzer warten, fördert jeder gekaufte Jagdhund die Situation der heimatlosen Hunde nur noch mehr. Auch nicht „brauchbare“ Jagdhunde landen oft im Tierheim und müssen dort auf einen lieben Menschen hoffen, der sich seiner annimmt.

Zahllose Hunde werden bei der Jagd verletzt

Hunde sind bei der Jagd besonders gefährdet – durch Umweltfaktoren wie Äste oder Dornen, unverträgliche Jagdhunde und durch den Jäger selbst. Immer wieder gibt es Fälle, bei denen Hunde von Jägern versehentlich erschossen werden.


Auch bei großer Anstrengung, wie beispielsweise der Baujagd, kann der Hund plötzlich unter einer Kreislaufschwäche leiden, umfallen oder Hustenanfälle bekommen. Zusätzlich können Schmutz und Staub in den Tunneln die Augenlider der Hunde verkleben und sogar entzünden. Auch abgebrochene Zähne, ansteckende Krankheiten wie Räude und Ohrenentzündungen treten häufig bei der Baujagd auf. (4)

Der renommierte Tierarzt Dr. Ralf Unna berichtet hierzu:

„Als praktizierender Tierarzt mit acht Kollegen in der Praxis in Köln kann ich Ihnen berichten, wie Hunde aussehen, wie deutsche Jagdterrier aussehen, die aus einem Bau lebend wieder herauskommen. So sie denn lebend wieder herauskommen, dann sind sie oft schwer zugerichtet. Ich kann Ihnen von sieben- bis achtfachen Unterkieferbrüchen berichten, die verdrahtet werden müssen, von Tieren, die multiple Verletzungen an den Vorderläufen und im Gesichtsbereich haben und über Wochen gepflegt werden müssen, um überhaupt überleben zu können. Das heißt, hier ist ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, wenn das durchkäme, sehr eindeutig.“ (5)


Eine große Gefahr geht für die Hunde von den Wildtieren aus, auf die sie vom Jäger gehetzt werden. Wenn ein Hund Füchse oder Dachse aus ihrem Bau treiben soll, kommt es oft zu blutigen Kämpfen um Leben und Tod. Nicht selten werden die Hunde von den unter Todesangst stehenden Wildtieren gebissen. Die Hunde werden mit dem Kopf voran in den Bau geschickt, weshalb sie besonders oft an Augen, Lefzen, Kiefer und Hals verletzt werden. Die meisten Hunde werden jedoch von Schwarzwild „geschlagen“. Eine Umfrage von März 2019 ergab, dass 95 Prozent der Hunde von Schwarzwild verletzt wurden. (6) Rund jeder dritte Hund wurde an den Hinterbeinen verletzt. Zwar gibt es inzwischen spezielle Schutzwesten für Jagdhunde, doch keine der Westen schützt diesen, besonders gefährdeten Körperbereich effektiv.
 
Jagdhund
Es gibt unzählige Ratgeber und Leitfäden für das Versorgen von Wunden bei Jagdhunden, in denen Jägern erklärt wird, wie sie Erste Hilfe leisten und ihren Hund versorgen. Das allein zeigt, wie häufig Hunde bei der Jagd verletzt werden und dass Jäger dennoch bereit sind, ihre „Helfer“ diesen großen Gefahren auszusetzen.



(1) Quarks & Co.: Stachel-Halsbänder und Tritte auf die Pfoten: Bei der Ausbildung von Jagdhunden arbeiten, https://www.facebook.com/watch/?v=10156089192535564, zuletzt eingesehen am 09.09.2019

(2) Stuttgarter Zeitung: Mit fixierten Flügeln in den Tod, https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.entenjagd-in-nuertingen-mit-fixierten-fluegeln-in-den-tod.45fdce67-3589-4475-88a5-2aafe3b7372a.html, zuletzt eingesehen am 09.09.2019

(3) Outfox World: Die Jagdhunde-Prüfung (I): Die jagdliche Brauchbarkeit, https://www.outfox-world.de/hund/der-brauchbare-jagdhund-so-werten-jghv-richter.html, zuletzt eingesehen am 09.09.2019

(4) Wild und Hund: Erste Hilfe am Bau, https://wildundhund.de/erste-hilfe-am-bau/, zuletzt eingesehen am 09.09.2019

(5) Landtag NRW: Ausschussprotokoll Apr 17/423 v. 12.11.2018, www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMA17-423.pdf, zuletzt eingesehen am 09.09.2019

(6) Wild und Hund: Hundeführerumfrage: Nur mit Weste, https://wildundhund.de/wp-content/uploads/sites/2/old_docs/022_027_geschlagene_hunde.pdf, zuletzt eingesehen am 09.09.2019