Jagdunfall in Marklohe: Jäger tötet Kollegen – PETA fordert Ende der Hobbyjagd in Deutschland

Marklohe / Stuttgart, 24. März 2020 – Tragischer Jagdunfall: Einem Medienbericht zufolge tötete ein Jäger am Sonntag gegen 19 Uhr in der Gemeinde Marklohe einen Kollegen. Dem Bericht zufolge glaubte der 64-Jährige, ein Wildtier zu sehen, feuerte einen Schuss ab und traf den anderen Jäger. Der Schütze rief die Polizei, doch bei Eintreffen der Rettungskräfte und der Beamten war der 44-Jährige bereits tot. Gegen den 64-Jährigen wird nun wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. PETA weist darauf hin, dass jedes Jahr Hunderttausenden Tieren erhebliches Leid durch Fehlschüsse zugefügt wird und auch mehrere Dutzend Menschen von Hobbyjägern getötet und verletzt werden. Die Tierrechtsorganisation fordert ein Verbot der sogenannten Hobbyjagd in Deutschland.
 
„Wie viele Menschen müssen noch schwer verletzt werden oder sterben, bevor die Hobbyjagd endlich verboten wird?“, so Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA. „Jahr für Jahr ereignen sich zahlreiche Tragödien, weil schießwütige Spaßjäger verantwortungslos in der Gegend herumballern. Ein Eingreifen des Gesetzgebers ist längst überfällig.“
 
Hintergrundinformationen
In den vergangenen Jahren sorgten bereits zahlreiche schwere Jagdunfälle für Empörung. Im Oktober letzten Jahres schoss ein Jäger in Lützkampen ein Pferd an, das er mit einem Wildschwein verwechselt haben soll. Ein Jagdpächter erlitt im August 2019 eine schwere Knieverletzung, nachdem sich versehentlich ein Schuss aus der Waffe seines Begleiters löste. Im Januar 2019 wurde eine 19-Jährige in Ettlingen getötet, als sich ein Schuss aus der Waffe ihres Vaters löste, der zur Jagd aufbrechen wollte. Im November 2018 wurde eine 86-Jährige in Dalberg in ihrem eigenen Garten durch einen verirrten Schuss eines Jägers tödlich getroffen. Im Juli 2018 wurde eine Sechsjährige im thüringischen Saara beim Spielen im Garten durch den Schuss eines Jägers schwer verletzt. Zwei Tage danach starb ein Mann bei einem Jagdunfall im nordrhein-westfälischen Ochtrup; weitere zwei Tage später kam ein Jäger durch einen Schuss bei der Vertreibung von Wildtieren auf einem Feld in Unterwellenborn in Thüringen ums Leben.
 
Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Jagd nicht geeignet ist, um Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren. Wissenschaftler wiesen nach, dass die Geschlechtsreife der weiblichen Tiere beispielsweise in bejagten Wildschweinpopulationen früher eintritt, wodurch sich die Geburtenrate erhöht. [1] Demnach bedingt ein hoher Jagddruck, dass in dem Gebiet die Population der betreffenden Wildtiere ansteigt. Auch Prof. Dr. Josef Reichholf, ein namhafter Biologe der TU München, sieht aus wildbiologischer Sicht keine Notwendigkeit in der Jagd: Die nahezu ausgerotteten Wölfe müssen nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet.
 
Den mehr als 380.000 Hobbyjägern in Deutschland stehen nur etwa 1.000 Berufsjäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber. Eine im Auftrag von PETA im vergangenen Jahr durchgeführte repräsentative Forsa-Umfrage bestätigt, dass mit 49 Prozent die Mehrheit der Bundesbürger die Hobbyjagd ebenfalls ablehnt.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Servanty et al. (2009): Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology. Nr. 78, Issue 6.
 
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