„Jesus“ in Oberammergau auf E-Scooter statt Esel? PETA appelliert an Veranstalter, Passionsspiele im kommenden Jahr ohne Tiere durchzuführen

Eselritt verstößt gegen Tierschutzrichtlinien


Oberammergau / Stuttgart, 5. September 2019 – Bei den Passionsspielen von Mai bis Oktober 2020 in Oberammergau sollen erneut Esel eingesetzt werden, weil Jesus Überlieferungen zufolge auf einem jungen Esel reitend in Jerusalem einzog. Der Tag wird heute als Palmsonntag bezeichnet. PETA hat sich vor vier Wochen in einem Schreiben an den Oberammergauer Bürgermeister Arno Nunn sowie an Walter Rutz, den Geschäftsführer des Eigenbetriebs Oberammergau Kultur, mit der Bitte gewandt, künftig die Veranstaltung ohne lebende Tiere durchzuführen. Die Tierrechtsorganisation argumentiert damit, dass der Ritt eines erwachsenen Mannes auf einem Esel nach heutigen Erkenntnissen tierschutzwidrig ist und Papst Franziskus die 1,2 Milliarden Katholiken sowie alle Bürger der Welt 2015 dazu aufrief, Tiere gut zu behandeln und die Umwelt zu respektieren. Da die Veranstalter bisher nicht reagiert haben, bat PETA Anfang dieser Woche das Veterinäramt in Garmisch-Partenkirchen, die Eselnutzung zu untersagen.

„Heutzutage würde Jesus nicht mehr auf einem Esel reisen. Er würde sich vermutlich auf einem E-Roller oder mit einem anderen tier- und umweltfreundlichen Elektromobil fortbewegen“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Auch für Oberammergau gilt, Traditionen auf den Prüfstand zu stellen und sich von den schlechten Traditionen zu verabschieden.“
 
Hintergrundinformationen
Gemäß den allgemein anerkannten Leitlinien der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. darf die Belastung eines Esels keinesfalls mehr als 20 Prozent seines Eigengewichtes betragen [1]. Aufnahmen der Passionsspiele im Jahr 2010, bei denen ein erwachsener Mann von einem vergleichsweise kleinen Esel getragen wurde, zeigen, dass diese Vorgaben nicht eingehalten wurden. Daher hat PETA an die Veranstalter appelliert, stattdessen ein Elektrofahrzeug zu nutzen, und dabei auf Papst Franziskus verwiesen, der für seine Fahrten durch den Vatikan ein Elektroauto nutzt [2].

PETA weist darauf hin, dass Esel keine „Reit- oder Lastentiere“ sind. In einem natürlichen Lebensraum sind sie verspielte und freundliche Tiere, die enge Bindungen miteinander eingehen und gerne dazulernen. Sie sind überaus intelligent und haben ein hervorragendes Gedächtnis. Sie merken sich beispielsweise komplexe Routen und erkennen Tiere wieder, die sie jahrelang nicht gesehen haben. Außerdem zeigen Esel logische und flexible Problemlösungskapazitäten. Viele Menschen, die Kontakt zu ihnen haben, sprechen von ihnen als klug, umgänglich und liebevoll.
 
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.; Merkblatt Nr. 131.1
[2] Internetportal katholisch.de „Papst Franziskus fährt jetzt E-Auto“ v. 27.02.17. Online unter: www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/papst-franziskus-fahrt-jetzt-e-auto
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Esel
 
Kontakt:
Carolin von Schmude, +49 711 860591-528, [email protected]