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Katja Lührs und Joschi

Katja Lührs im "Viva Veggie"-Interview

Seit wann bist du Tierschützerin/ was bedeuten dir Tiere?
Tierschützerin bin ich, seitdem ich denken kann. Wir haben immer mit Hunden zusammengelebt. Ganz besonders ist mir unser Hund Blacky in Erinnerung. Als ich etwa 10 Jahre alt war fing er an, mich auf meinem Schulweg zu begleiten. Selbst als wir ihn zurück zum Haus meiner Eltern brachten, büxte er aus und kam wieder zur Schule gelaufen. Da wartete er am Zaun, bis ich mich auf dem Heimweg machte. Manchmal bellte er und störte damit den Unterricht. Meine Lehrer reagierten verständnisvoll und erlaubten mir nach einiger Zeit, Blacky mit in die Schule zu nehmen. Dort bekam er seine eigene Decke und lag friedlich bis zur letzten Stunde im Flur. Wir sind dann gemeinsam nachhause gelaufen. Die Freundschaft mit Blacky hat mich sehr geprägt. Ich habe schon immer das Gefühl, dass Tiere in besonderer Weise auf mich reagieren. Auch jetzt habe ich wieder einen Hund. Tiere sind mir sehr wichtig.

Wie viele Tiere hast du, wie lebst du mit ihnen zusammen?
Ich habe einen Hund. Joschi ist ein 14-jähriger Pudel-Schnauzermix und eine echte Persönlichkeit. Ich habe ihn aus dem Tierheim, er war mir sofort sympathisch. Eigentlich verhält er sich wie eine Katze. Er kommt und lässt sich streicheln, wenn er es will. Wenn er genug hat, knurrt er. Dann lassen wir ihn in Ruhe. (lacht)

Wann hast du beschlossen, keine Tiere mehr zu essen?
Ich bin seit 26 Jahren Vegetarierin. Verrückterweise habe ich Tierliebe und Fleischverzicht vorher nicht zusammengebracht. Man kann es ja eigentlich nicht glauben. Da liebt man seinen Hund oder sein Kaninchen und isst Kälbchen, Lämmer oder Schweine. Was für eine verkehrte Welt. Aber Fleisch essen war zu der Zeit völlig normal. Menschen, die darauf verzichteten, wurde Mangelernährung angedichtet. Glücklicherweise ist das jetzt anders. Als ich meinen Freund kennenlernte, habe ich umgedacht. Er war Vegetarier, groß, stark und völlig gesund. Zunächst habe ich noch Huhn und Fisch gegessen. Nach und nach dann auf eine rein vegetarische Ernährung umgestellt.

Seit wann ernährst du dich rein pflanzlich und was war ausschlaggebend?
Rein pflanzlich ernähre ich mich seit etwa drei Jahren. Ich habe den vegetarischen Gedanken einfach zu Ende gedacht und gemerkt, dass auch für Milch und Eier viele Millionen Tiere leiden und sterben. Kühe werden permanent schwanger gehalten, damit sie Milch geben. Man nimmt ihnen ihre Kälbchen weg, was für Mutter und Kind ein großes Trauma bedeutet. Auch die Eier- und Geflügelproduktion verursacht schreckliches Tierleid. Männliche Küken beispielsweise werden direkt nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet, weil mit ihnen kein Profit mehr gemacht werden kann. Außerdem sind Milch und Eier ungesund. Menschen, die tierische Produkte konsumieren, tragen ein etwa 40 Prozent höheres Risiko, an Krebs zu erkranken. Außerdem haben sie für viele weitere Krankheiten ein erhöhtes Risiko, einschließlich Schlaganfall, Fettleibigkeit, Blinddarmentzündung, Osteoporose, Arthritis und Diabetes.

 

Wie fühlst du dich seitdem?
Ich fühle mich großartig. Wegen mir muss kein Tier mehr leiden oder sterben. Seitdem ich mich rein pflanzlich ernähre, habe ich unglaublich viel Energie. Ich fühle mich nicht mehr übersäuert, bin kraftvoll, energetisch und kreativ. Ich gehe dreimal die Woche laufen, tanze, mache Krafttraining und Yoga. Bei uns liegt Rheuma in der Familie. Seitdem ich mich rein pflanzlich ernähre, habe ich keine Schmerzen mehr. Ich habe tolle Haut und halte mein Gewicht von vor dreißig Jahren. (lacht)

Was sagt dein Arzt?

Meine Ärztin ist absolut zufrieden mit mir. Einmal im Jahr mache ich ein großes Blutbild, um die Nährstoffversorgung zu überprüfen. Bei mir ist alles in Ordnung. Natürlich muss ich darauf achten, mich ausgewogen zu ernähren. Die Zeit sollte sich allerdings jeder nehmen.

Was deine Freunde und Familie?
Nur meine Eltern können die Umstellung auf eine pflanzliche Ernährung nicht ganz nachvollziehen. Sie sind eben eine andere Generation und haben eine völlig andere Einstellung zu Nahrung als ich. Ehrlich gesagt bin ich mit ihrer Ernährung auch nicht ganz einverstanden, sie essen ziemlich fettig und für meine Begriffe ungesund. (lacht) Viele meiner Freunde sind selbst Vegetarier, da war der Schritt zur veganen Ernährung nicht so groß.

Schränkt dich deine rein pflanzliche Diät ein?
Überhaupt nicht. Hat man einmal den Kniff raus, ist es wirklich kinderleicht, sich rein pflanzlich zu ernähren. Es gibt viele tolle Ersatzprodukte. Wer es mag kann Joghurt, Käse und sogar Schokolade in pflanzlicher Form kaufen. Ich selbst greife auf diese Produkte nicht so oft zurück, sondern mache vieles einfach selbst. Seitdem ich mich vegan ernähre, genieße ich es noch mehr als zuvor, Köstlichkeiten in der Küche zu zaubern. Auch auf den Kaffeeklatsch muss man als Veganer nicht verzichten. Es lassen sich die tollsten Kuchen und Torten in rein pflanzlicher Form backen. Wenn man den Grundstock an Lebensmitteln zuhause hat, lebt es sich vegan sogar richtig günstig.

Kann jeder auf eine rein pflanzliche Ernährung umstellen?
Jeder kann sich rein pflanzlich ernähren. Es ist ja kein Hexenwerk, sondern eine völlig natürliche Ernährungsform. (lacht) Jeder der Spaß daran hat, sich ein bisschen mit seiner Nahrung zu beschäftigen, kann umstellen. Mein Ernährungsratgeber „VIVA VEGGIE!“ kann dabei helfen.

Wie bist du auf die Idee gekommen „VIVA VEGGIE!“ zu schreiben?
Mir selbst hat ein allumfassender Ratgeber zum Thema „pflanzliche Ernährung“ gefehlt. Es gibt so viele Aspekte, die für eine vegane Ernährung sprechen und in „VIVA VEGGIE!“ haben wir sie jetzt alle gebündelt. Ethisch-moralische Aspekte genauso wie die ernährungswissenschaftlichen Vorzüge. Ganz besonders wichtig ist mir der beigelegte „VIVA VEGGIE!“-Ernährungsratgeber auf CD-ROM. Ich habe immer gedacht, dass es etwas geben müsste das einem bescheinigt, ob man zu wenig oder genau richtig viele Vitamine und Nährstoffe zu sich nimmt. Die Software macht genau das. Jeder Mensch kann seine tägliche Nahrung eingeben, das Programm errechnet die Nährstoffversorgung und macht kulinarische Vorschläge. Zu Beginn muss sich jeder Anwender etwas Zeit nehmen, um das Programm zu verstehen, aber das ist ja immer so. (lacht) Danach verhilft es zu einer ausgewogenen, gesunden Ernährung und errechnet sogar die Ökobilanz. Das Programm ist auch für Diabetiker geeignet. Übergewichtigen Diabetikern vom Typ II kann es helfen, ihre Kalorienzufuhr zu überprüfen und mittels „Reduktionsdiät“ ihr Gewicht dauerhaft zu senken.

Wer hat dich inhaltlich unterstützt/ begleitet?
Ich habe „VIVA VEGGIE!“ zusammen mit Ernährungswissenschaftlern geschrieben. Sie haben mich bei allen Kapiteln mit ihrer Fachkenntnis unterstützt und beraten. Das Vorwort stammt von Dr. Neal D. Barnard, dem Gründer des Physicans Committee for Responsible Medicine (PCRM), einem internationalen Netzwerk von Ärzten und Wissenschaftlern und anderen Menschen, die sich gemeinsam für präventive Medizin, gesunde Ernährung und einen höheren Forschungsstand einsetzen.

Katja, möchtest den Lesern noch etwas sagen?
Ja, unbedingt! Ich möchte sie bestärken, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen, mutig zu sein und Dinge auszuprobieren. Das gilt für alle Bereiche des Lebens. Für Beziehungen in denen wir uns befinden genauso wie für unsere Ernährung, unser Konsumverhalten oder unser Verhältnis zu Tieren. Denn es hängt alles zusammen. Ich habe gemerkt, wie ich durch meine tierleidfreie Ernährung auch in anderen Bereichen meines Lebens gewonnen habe. Ich bin im Reinen mit mir selbst und fühle mich dadurch auch in Beziehungen zu meinen Mitmenschen freier und glücklicher. Ich möchte alle Menschen ermutigen, die kleinen Dinge des Lebens wieder zu schätzen und dort hinzuschauen, wo es etwas zu sehen gibt. Die Fleischindustrie beispielsweise kann nur funktionieren, weil viele von uns nicht wahrhaben wollen, was in den Schlachthäusern dieser Welt Tag für Tag und Sekunde für Sekunde passiert. Es gibt faktisch keinen Unterschied zwischen Schweinen und Hunden, beides sind äußerst intelligente Tiere mit Familienverbund, Sozialverhalten und Schmerzempfinden. Schweine lieben ihre Babys und leben in Beziehungen mit ihren Artgenossen, nur leider hat der Mensch sich dazu entschieden, sie zu essen. Wir selbst machen also den Unterschied. Und das muss aufhören.

 

LINK: Mehr über Viva Veggie auf goveggie.de